HOME

Bochum: Betriebsrat will Nokia am Umzug hindern

Per Einstweiliger Verfügung will der Betriebsrat von Nokia die Verlagerung von Aufträgen in Ausland verhindern. Unterdessen hat es aber erste Gespräche zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretern gegeben. Die Finnen bleiben jedoch hart.

Im Kampf um das Bochumer Nokia-Werk sind Arbeitnehmervertreter am Montag mit der Konzernführung in Finnland zusammen gekommen. Auch Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo habe an dem Gespräch teilgenommen, sagte eine Nokia-Sprecherin. Von Arbeitnehmerseite waren laut Gewerkschaftsangaben die Betriebsratsvorsitzende Gisela Achenbach sowie die Bevollmächtigte der IG Metall Bochum, Ulrike Kleinebrahm, mit dabei. Zum Ergebnis des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt.

Nokia hatte in der vergangenen Woche überraschend die Schließung des Bochumer Werkes mit 2300 Mitarbeitern zur Jahresmitte bekanntgegeben. Aus Kostengründen will der finnische Welt-Konzern die Fertigung in erster Linie nach Rumänien sowie nach Ungarn und Finnland verlagern. Betroffen sind auch etwa 1000 Leiharbeiter. Bei einem Teil von ihnen wurden bereits Kündigungen ausgesprochen. Für die anderen suchen die Personaldienstleister Adecco und Randstad Beschäftigungsmöglichkeiten bei anderen Firmen in der Region.

Kundgebung geplant

Derweil hat der Bochumer Betriebsrat des Handykonzerns rechtliche Schritte eingeleitet. Per Einstweiliger Verfügung soll verhindert werden, dass bereits jetzt Aufträge ins Ausland verlagert und Materialien aus der Produktion abtransportiert werden, sagte der von den Arbeitnehmervertretern beauftragte Rechtsanwalt Horst Welkoborsky. Ein entsprechender Antrag sei beim Arbeitsgericht eingereicht worden und werde am Mittwoch verhandelt. Für Dienstag werden bei einer Großkundgebung in der Nähe des Bochumer Nokia-Werks bis zu 20.000 Demonstranten erwartet. Als Sprecher sind neben Arbeitnehmervertretern Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und und IG Metall-Chef Berthold Huber angekündigt.

NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU), die die Vorgehensweise von Nokia scharf kritisiert hatte, telefonierte am Montag mit Kallasvuo. Dabei hätten sie ein persönliches Treffen vereinbart, teilte das NRW-Wirtschaftsministerium mit. Die Schließungspläne für das Bochumer Werk sollen an diesem Mittwoch auch Thema einer Aktuellen Stunde im Landtag sein.

Kritik aus Finnland

Nicht nur in Deutschland, auch in Finnland wächst die Kritik am Handyhersteller. Die Zeitung "Ilta-Sanomat" hob am Montag in einer Kolumne hervor, Kallasvuo auf kritische Äußerungen und Fragen aus fast der kompletten politischen Führungsspitze in Deutschland mit Schweigen reagiert habe: "Kallasvuo hat die Entscheidung zur Schließung von Bochum immer noch nicht kommentiert, obwohl ihn Deutschlands politische Spitzenkräfte einschließlich Kanzlerin Angela Merkel dazu auffordern." Auch andere finnische Medien griffen die Nokia-Spitze scharf an.

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, hat im Nokia-Fall die Politik davor gewarnt, die Angst vor der Globalisierung zu schüren. Aktuell sei die Stimmung geprägt von "einer neuen Staatsgläubigkeit, von Skepsis gegenüber der sozialen Marktwirtschaft und der Globalisierung", sagte Thumann am Montag in Berlin. Die Politik müsse aufklären und dürfe die Skepsis nicht vergrößern. Zur Demonstration am Dienstag hat sich auch NRW- Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) angekündigt. Dem Protest will sich auch Linke-Vorsitzender Oskar Lafontaine anschließen, wie der Bochumer Linke-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen mitteilte.

Kommenden Donnerstag veröffentlicht der Telekommunikationskonzern seine Jahresbilanz ohne eine bislang übliche Pressekonferenz. Kallasvuo werde "ganz normal" Fragen bei einer Konferenz-Telefonschaltung beantworten, die sich an den Bedürfnissen der Finanzkommunikation orientierten. Journalisten können zuhören. Dementiert wurden Berichte skandinavischer Zeitungen, das sei eine Reaktion auf die massive Kritik an den Schließungsplänen für das Bochumer Werk.

DPA/Reuters/AP / AP / DPA / Reuters