EURO Kampagne zur Kleingeld-Rückgabe ist Misserfolg


Fast sieben Monate vor Einführung der neuen Euro-Währung sitzen die Deutschen immer noch auf Tonnen von Kleingeld.

In Deutschland schlummern weiterhin Milliarden D-Mark-Münzen in Sparschweinen, Strümpfen oder Hutschachteln. Die Kampagne der Deutschen Bundesbank, sich schon jetzt vom Münzgeld zu trennen, war eine Enttäuschung.

Kampagnenziel verfehlt

»Nur ein sehr geringer Teil ist zurückgegeben worden«, sagte der Euro-Beauftragte des Bundesverbandes Deutscher Banken, Andreas Goralczyk zum Ende der einmonatigen Kampagne. Genaue Zahlen müssen noch ermittelt werden, es sind jedoch auf jeden Fall weit weniger als die geplanten acht bis zehn Milliarden Münzen.

Selbst Jauch half nicht

Auch Zugpferd Günther Jauch konnte die meisten also nicht dazu animieren, ihre Pfennige, Groschen und Markstücke schon einmal auf ihr Konto einzuzahlen, damit die größte Währungsumstellung aller Zeiten am 1. Januar 2002 reibungslos über die Bühne geht. Trotz zahlreicher Werbekampagnen ist das Thema Euro-Bargeld also noch immer nicht richtig in der Bevölkerung angekommen, erklärt sich der Verbandsvorsitzende Manfred Weber den Misserfolg.

Emotionalität fehlt

Die Plakate, Broschüren und Spots sind nicht emotional genug. »Ich habe noch nicht viele Menschen getroffen, die die Kampagnen kannten. Und das halte ich nicht für gut.« Deutschland stellt im Vergleich zu anderen EU-Ländern relativ wenig Geld bereit, um die Menschen auf den Euro vorzubereiten. Die geplanten 5,4 Millionen Euro sind gerade einmal ein Viertel der Beträge, die in Frankreich, Spanien oder Irland in diesem Jahr fließen. Die Niederländer zahlen sechs Mal mehr.

Kaum einer weiß Bescheid

Mehr als die Hälfte der Deutschen (51 Prozent) haben sich einer jüngsten Umfrage des Mannheimer Sozialforschungsinstitut ipos zufolge noch nicht damit beschäftigt, welche Auswirkungen die Umstellung von D-Mark auf Euro auf das persönliche Leben haben wird. Gut ein Drittel fühlt sich trotz Euro-Hotline, Broschüren, der Euro-Werbetour durch 100 Städte und der jüngsten Rückgabeaktion nicht ausreichend informiert.

Mark kontra Euro

Die Banken erkennen einen klaren Nachholbedarf, auch in der Akzeptanz des neuen Zahlungsmittels. Nach der repräsentativen Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes hat sich die Skepsis der Deutschen gegenüber dem Euro zwar leicht vermindert, die meisten sind aber immer noch gegen die Einführung der Gemeinschaftswährung. 56 Prozent heißen das Ende der D-Mark nicht gut. Damit ist der Anteil der Gegner noch so hoch wie vor einigen Monaten.

Angst vor Preissteigerung

Vor allem die Angst, dass mit dem Euro die Preise steigen, hat sich verbreitet. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Bevölkerung befürchten dies mittlerweile. Vor gut einem Jahre waren es nur 39 Prozent. Übereinstimmende Banker-Aussagen betonen, dass nicht davon auszugehen ist, dass das Preisniveau mit dem neuen Bargeld steigen wird. Der Wettbewerb, der durch die größere Vergleichbarkeit der Preise eher noch zunehmen wird, sollte dies verhindern.

Neuer Anlauf im Herbst

Nach der Rückgabe-Schlappe plädiert der Bankenverband jetzt für eine neue Münz-Rückgabe-Aktion im Herbst. Wandert nicht genügend Hartgeld rechtzeitig zurück, könnte es durch das zeitaufwendige Zählen zu langen Warteschlangen an den Schaltern kommen. Insgesamt müssen rund 100.000 Tonnen Hartgeld eingesammelt werden.

Keine vorzeitige Einführung

Die vom Europarlament vorgeschlagene vorzeitige Einführung des Eurobargelds lehnt der Bankenverband wie die Zentralbank entschieden ab. Die EU-Parlamentarier befürchten Engpässe an Geldautomaten und in Wechselstuben, wenn das Bargeld nicht früher in Umlauf kommt. »Chaos droht dann, wenn man lang diskutierte Konzepte kurzfristig über den Haufen wirft«, argumentierte Weber.


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