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Falscher Steuerbescheid: So wehren Sie sich richtig

Jeder fünfte Steuerbescheid des Finanzamtes ist falsch - entweder, weil selbst Beamte Fehler machen, oder weil sie im Steuerdschungel den Überblick verloren haben. Doch gegen fehlerhafte Bescheide kann sich der Steuerzahler wehren.

In ihrer Steuererklärung können Steuerzahler ziemlich viel geltend machen. Was aber, wenn das Finanzamt Kosten nicht anerkennen will oder Steuern erhebt, wo nach eigener Einschätzung keine erhoben werden dürfen? Und was, wenn das Finanzamt schlicht einen Fehler gemacht hat? Um solche Fehler festzustellen, müssen Steuerzahler ihren Steuerbescheid genau kontrollieren, denn viele Steuerbescheide können Fehler enthalten, die - wenn sie unentdeckt bleiben - eine ordentlich Summe kosten können.

Bescheid und Steuererklärung vergleichen

Allein 2005 wurden von 3,8 Millionen Einsprüchen rund 66 Prozent zu Gunsten der Steuerzahler entschieden. Hilfreich: Immer mehr Steuerpflichtige nutzen elektronische Programme für ihre Steuererklärung. Das Praktische daran ist, dass diese auch gleich kalkulieren, wie hoch Nachzahlungen oder Steuerrückerstattungen voraussichtlich sein werden. Fällt nun der Steuerbescheid anders aus als vorher berechnet, sollte man aktiv werden. Überhaupt sollte man immer eine Kopie der eigenen Steuererklärung behalten, um die einzelnen Posten des Bescheides vergleichen zu können.

Haben Sie schon einmal einen falschen Steuerbescheid erhalten?

Zu prüfen ist, ob das Finanzamt alle Ausgaben anerkannt hat, die in der Steuererklärung geltend gemacht wurden. Besonders wichtig sind deshalb die Erläuterungen am Ende des Bescheids. Hier sollte das das Finanzamt den Steuerzahler darauf aufmerksam machen, ob und warum von den Angaben in der Steuererklärung abgewichen wurde. Es wird zudem dargelegt, inwieweit Kinderfreibeträge und Kindergeld berücksichtigt wurden. Wer sich gegen Fehler im Steuerbescheid wehren will, braucht dafür den Einspruch. Damit macht man dem Finanzamt deutlich, dass man mit seinem Steuerbescheid nicht einverstanden ist und schildert die eigene Auffassung - möglichst mit einer guten Begründung.

Einspruch innerhalb eines Monats

Innerhalb eines Monats nach Erhalt des Steuerbescheids kann der Steuerzahler dagegen Einspruch einlegen. Das sollte er auch dann tun, wenn er den konkreten Fehler noch nicht entdeckt hat. Die Einspruchsfrist ist auf jeden Fall einzuhalten, die Begründung kann nachgereicht werden. Der Einspruch ist kostenlos.

Nach dem Einspruch wird neu gerechnet Auch wenn der Steuerzahler selbst einen Fehler in seiner Steuererklärung gemacht hat, kann er Einspruch einlegen. Eventuelle Rechenfehler werden dann im Nachhinein korrigiert, vergessene Quittungen noch anerkannt. Allerdings sollte man beachten, dass nach einem Einspruch der gesamte Steuerbescheid wieder zur Disposition steht. Dadurch kann es passieren, dass der Steuerzahler am Ende weniger Geld zurück erhält als bei der ersten Berechnung. In solchen Fällen muss das Finanzamt den Betroffenen aber informieren, damit er gegebenenfalls seinen Einspruch zurücknehmen kann. Dann gilt der alte Bescheid.

Freibeträge nicht berücksichtigt

Zu den häufigsten Gründen für einen Einspruch gehört, dass Freibeträge nicht berücksichtigt wurden, Steuervorauszahlungen nicht abgerechnet und steuermindernde Fakten schlichtweg vergessen wurden.

Soll der Einspruch Erfolg haben, müssen zwei wichtige Punkte beachtet werden. Zum einen muss er fristgerecht eingelegt werden - innerhalb eines Monats. Die genaue Berechnung dieser Frist ist eine Wissenschaft für sich und kann zur echten Stolperfalle werden: Legen Steuerzahler zu spät Einspruch ein, gilt der Bescheid als bestandskräftig und kann oft nicht mehr geändert werden - selbst wenn der Steuerzahler im Recht ist. Deshalb gilt als Faustregel: Spätestens 25 Tage nach Erhalt des Steuerbescheides sollte der Einspruch beim Finanzamt sein - so geht man auf Nummer sicher. Wer die Monatsfrist übrigens unverschuldet verpasst (weil er z. B. überraschend ins Krankenhaus musste), kann die so genannte Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand verlangen. Dafür muss man dem Finanzamt klarmachen, warum man die Monatsfrist verpasst hat und fordern, dass der Einspruch eben trotz Fristablauf angenommen wird.

Fristgerechter Einspruch

Ebenfalls wichtig: die Schriftform. Grundsätzlich kann man sich nur schriftlich gegen einen seiner Meinung nach falschen Bescheid wehren. Der Einspruch sollte deshalb per Brief, Fax oder Postkarte eingelegt werden. Sinnvollerweise begründet man seinen Einspruch auch gleich, aber wenn die Begründung schwer fällt oder kein Anwalt greifbar ist, kann man zunächst einfach Einspruch einlegen und die Begründung zeitnah nachholen oder nachholen lassen.

Ganz wichtig: Grundsätzlich müssen die vom Finanzamt geforderten Steuern bezahlt werden, auch wenn man Einspruch einlegt. Allerdings kann das Finanzamt auf Antrag die Aussetzung der Vollziehung festlegen. In dem Fall wird die Steuerzahlung gestundet, bis klar ist, ob man tatsächlich zahlen muss. Was sich auf den ersten Blick wie ein echter Finanzamts-Service anhört, kann in Wirklichkeit teuer werden. Die offenen Beträge werden verzinst, wenn der Einspruch keinen Erfolg hat und man am Ende doch zahlen muss. Und fällig werden 0,5 Prozent Zinsen pro Monat, wenn das Geld gestundet war! Deshalb kann es vor allem bei höheren Beträgen sinnvoll sein, tatsächlich erst einmal zu zahlen und das Geld dann vom Finanzamt zurückzubekommen - mit Zinsen, versteht sich!

Finanzamt gibt Auskunft - kostenpflichtig

Es gibt übrigens die Möglichkeit, potenzielle Streitpunkte (wird z. B. eine Ausgabe für den Beruf steuerlich anerkannt?) bereits vor der Abgabe der Steuererklärung und dem Erhalt des Bescheides zu prüfen. Steuerzahler können vom Finanzamt eine verbindliche Auskunft verlangen. Die ist zwar gebührenpflichtig, aber damit weiß man bereits vor dem Einspruch, ob sich der Streit mit dem Finanzamt lohnt.

spi/DDP / DDP