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Immobilien: Urlaubshäuser als Geldanlage: Rendite mit Meerblick

Vor der Haustür oder am Atlantik – Ferienimmobilien als Geldanlage werden immer beliebter. Wie kann die Verbindung aus Vernunft und Traum gelingen?

Von Silke Gronwald

Ferienimmobilie als Anlagetrend: Rendite mit Meerblick

Der Schlüssel zum Glück: das eigene Haus am Strand. Fast ganzjährig ausgebucht ist die Ferienimmobilie von Ortrud und Christian Stemmler auf der Insel Usedom

Das Häuschen mit den blauen Fensterrahmen liegt nur wenige Schritte vom Wasser entfernt. 90 Quadratmeter unter schönstem Reet, mit Blumen und Strandkorb im Garten und Brise vom Meer. Das Idyll steht auf der Insel Usedom, im Norden von Deutschland, und gehört Ortrud und Christian Stemmler. Sie haben es "Steuermann" getauft – und lieben es von ganzem Herzen.

Nach einem Strandtag in den Sternenhimmel schauen und damit Vernünftiges für die Finanzen zu tun – davon träumen viele Deutsche. Ferienimmobilien haben den besonderen Charme, dass man darin nicht nur selbst urlauben, sondern mit der Vermietung auch noch Geld verdienen kann. Die durchschnittliche Rendite für deutsche Ferienimmobilien liegt bei sechs Prozent. Für Objekte im Ausland sind Erträge zwischen neun Prozent (Kroatien) und vier Prozent (Spanien) zu erwarten, so das Ergebnis der Marktstudie "Private Ferienimmobilien 2018" von Fewo-direkt und Engel & Völkers. Rund 12.100 Euro verdienten die Befragten mit der Vermietung im Jahr.

Wachstumsmarkt Ferienimmobilie

Der Steuermann von Familie Stemmler ist von Anfang Mai bis Ende Oktober nahezu lückenlos ausgebucht, zur Rate von ca. 70 bis 130 Euro pro Nacht. Selbst für viele Winterwochen ist die Unterkunft schon reserviert. "Wir sind zufrieden", sagt Christian Stemmler. Das Ehepaar hat mittlerweile in zwei weitere Häuser investiert.

Ferienimmobilien sind ein Wachstumsmarkt. Immer weniger Urlauber wollen ihre Zeit im Hotel verbringen, sie bevorzugen Platz, Ruhe und Individualität in eigenen Häusern und Wohnungen. Der europäische Ferienhausmarkt wächst derzeit doppelt so schnell wie das Hotelgeschäft, ermittelte die internationale Beratungsfirma Phocuswhright.

Früher ging es bei Urlaubsimmobilien vor allem um die Eigennutzung eines schönen Ruhesitzes im warmen Süden. Die Rendite war zweitrangig. Spätestens seit der Finanzkrise 2007 aber stehen Geldanlage und Altersvorsorge im Vordergrund. Das Misstrauen gegenüber Aktien ist bei den Deutschen nach wie vor groß, Immobilien gelten als wirksamer Schutz gegen Inflation, und zudem fachen die geringen Zinsen auf Hypothekenkredite und die sinkenden Erträge bei den einst populären Lebensversicherungspolicen den Trend zum Häuserkauf an. Mittlerweile kaufen einige sogar schon das Zweit- oder gar Drittdomizil in einer begehrten Urlaubsregion. "Es sind nicht nur Vermögende, die kaufen", sagt Aye Helsig, Regionaldirektor Zentraleuropa FeWo-direkt, "auch immer mehr Normalverdiener investieren inzwischen in Ferienunterkünfte."

Damit die Rechnung aufgeht, ist eines entscheidend: die Lage. Kaufinteressenten sollten genau prüfen, wie bequem sich der Traum erreichen lässt: Wo liegen Flughäfen oder Bahnhöfe? Wie entwickeln sich die Tourismuszahlen in der Region? Gibt es gut ausgebaute Rad- und Wanderwege – und vielleicht gar ein bisschen Kultur in der Nähe? Aus einer spontanen Verliebtheit heraus einfach zuzuschlagen ist jedenfalls keine gute Idee. Das Objekt kann noch so schön sein – bei schlechter Lage wird es beschwerlich, wieder und wieder Mieter zu finden. Das kostet Nerven, Zeit – und Geld.

Zwischen Vernunft und Traum

Ferienimmobilien sind selten ausschließlich kühl kalkulierte Investments. Dennoch bestimmen auch bei dieser Vorsorgestrategie ein paar harte Parameter ihren Wert. So tragen Kapitalanleger, die die Ostsee wählen, ein geringeres Risiko als Mittelmeer-Fans. Hohe Bauqualität, Rechtssicherheit und eine verlässliche politische Lage gelten als unschlagbare Vorteile des hiesigen Markts, selbst wenn der Mittelmeerraum durch seine besseren klimatischen Bedingungen mit nahezu ganzjährigem Vermietungspotenzial lockt. Das Beispiel Türkei hat jüngst gezeigt, wie schnell ein Urlaubsland in Verruf geraten kann. Und auch Billigfluglinien können jederzeit ihre Routen ändern oder den Betrieb ganz aufgeben – womit das einst leicht erreichbare Objekt in weite Ferne rückt.

Ohnehin verbringen immer mehr Deutsche ihre freien Tage gern in heimischen Gefilden. Die Stiftung für Zukunftsfragen spricht von einer "Renaissance des Deutschlandtourismus". Man kann schnell und billig anreisen und sich darauf verlassen, dass Kaffeemaschine und Duschtasse zum Standard gehören – was brächte mehr Entspannung in dieser unsicheren Zeit?

Der Deutschland-Trend hält nun schon einige Jahre, und so sind inzwischen Immobilien in den beliebtesten Urlaubsorten des Landes nahezu unbezahlbar. In Kampen auf Sylt liegt der Quadratmeterpreis für Einfamilienhäuser bei wahnwitzigen 30.600 Euro – mehr als im Londoner Nobelviertel Mayfair, laut neuem Marktbericht des Immobiliendienstleisters Grossmann & Berger. Bei diesen Kaufpreisen können die Mieten nicht Schritt halten. Entsprechend schwieriger wird es für Investoren, bis sich ihr Kapital amortisiert.

Der Anspruch der Gäste

Experten empfehlen deshalb, eher auf aufstrebende Regionen zu setzen. Usedom und Rügen etwa sind trotz stetig steigender Beliebtheit noch deutlich günstiger als die meisten Nordseeinseln. In der kleinen Siedlung, in der auch der Steuermann von Familie Stemmler steht, kann man einen neugebauten Quadratmeter ab gerade einmal 3500 Euro erwerben.

In der Anfangseuphorie vergessen allerdings viele Käufer, dass ihr Ferientraum als Vermietungsobjekt wesentlich mehr Aufmerksamkeit und Pflege braucht als eine Aktie im Bankdepot. Christian Stemmler hat eine Hausverwaltung engagiert, die sich um die Gäste kümmert, die Schlüsselübergabe organisiert und die Endreinigung überprüft. Trotzdem müssen er und seine Frau immer auch selbst in Haus und Garten anpacken. "Es ist schon viel Arbeit", erzählt er. Mal muss die kaputte Kaffeemaschine ersetzt werden, mal fehlt ein Teil des Bestecks, mal sind ein paar Reparaturen nötig.

Die Stemmlers stecken viel Herzblut in ihre Objekte, nicht nur, weil sie es lieben, sondern auch, um auf

den Bewertungsportalen im Internet die volle Punktzahl zu bekommen. Jeder noch so kleine Mangel wird von den Gästen an den Online-Pranger gestellt. Stinkende Abfalltonnen vorm Schlafzimmerfenster, Ungeziefer im Haus oder eine Baustelle nebenan werden sofort gepostet – und verschrecken künftige Gäste.

Steigende Ansprüche

Die Ansprüche der Mieter sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. "Ein Objekt, das mit Omas alten Möbeln vollgestopft ist, hat es heute schwer am Markt", sagt Aye Helsig von Fewo-direkt. Die Gäste erwarten hohen Komfort, WLAN – und vor allem: ein ansprechendes Badezimmer. "Das Bad ist bei den Frauen, die meist diejenigen sind, die buchen, eines der wichtigsten Entscheidungskriterien", sagt Helsig.

Familie Stemmler hat die Erfahrung gemacht, dass Gäste ihnen die perfekte Ausstattung danken. Gerade haben sie von einem begeisterten Pärchen eine Gegeneinladung in deren Haus in Italien bekommen. "Vielleicht werden wir dort mal Ferien machen, aber investieren wollen wir nicht", sagt Christian Stemmler.

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