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Wohnraum in der Stadt Ausweg für die Generation Miete - Wie in London bezahlbare Wohnungen entstehen

Immobilien in London kann sich kaum noch jemand leisten
Immobilien in London kann sich kaum noch jemand leisten
© Drimafilm/gettyimages
In London sind die Immobilienpreise astronomisch hoch. Normalverdiener können sich kaum noch eine Wohnung leisten. Einige Projekte und auch der Bürgermeister der Stadt wollen das ändern.

Das Häuschen ist winzig, gerade einmal auf 26 Quadratmeter Grundfläche kommt die Mini-Immobilie. Im Inneren muss der neue Besitzer noch einiges machen lassen. Wasserflecken an den Wänden und ein gammeliges Badezimmer sind wenig einladend. Aber bei Immobilien geht es ja weniger um die Ausstattung als vielmehr die Lage. Die Hütte liegt nur einen Katzensprung von der King's Road in Chelsea entfernt - eine Top-Lage. Dem entsprechend teuer ist das Haus: Umgerechnet 700.000 Euro muss der Käufer zahlen. Das entspricht einem Quadratmeterpreis von rund 27.000 Euro.

Sicherlich, alltäglich ist dieser Immobilienpreis selbst in London nicht. Doch zuletzt sorgten immer wieder astronomisch teure Angebote für erschreckend winzige Immobilien für Ausfsehen. Der Wohnungsmarkt in Großbritanniens Hauptstadt ist mehr als heiß gelaufen. Unter 500.000 Pfund braucht der geneigte Immobilien-Interessent gar nicht zu suchen. London ist eben extrem teuer. Für die Mittelschicht bedeutet das: Eine eigene Immobilie werden sie sich nie leisten können. Sie müssen dafür die extrem hohen Mieten zahlen. Durchschnittlich zahlen die Londoner 2000 Euro für ihre Bleibe, ohne Nebenkosten. 

+++ Dieses Zwei-Meter-Haus in London kostet 300.000 Euro +++

Einer der Gründe für den heiß gelaufenen Immo-Markt in London sind fehlende Neubauten. Zwischen 1997 und 2016 wuchs die Zahl der Einwohner um 1,7 Millionen an - allerdings wurden in dem Zeitraum nur 370.000 Wohnungen gebaut, berichtet das "Handelsblatt". 

"Nackte" Immobilien: Kein Fußboden, keine Wände

Um nicht nur Immobilieninvestoren und Bauunternehmen das Feld zu überlassen, haben sich Initiativen gegründet. Eine davon ist "Naked House". 22 Wohnungen sollen in den kommenden Jahren im Norden Londons entstehen und bis zu 40 Prozent unter dem üblichen Marktpreis liegen. Der Trick dahinter: Die Wohnungen werden nicht ausgebaut, sondern "nackt" übergeben. Keine Trennwände, kein Bodenbelag, nicht mal eine richtige Küche, sondern nur eine Spüle wird mitgeliefert. Dafür zahlen die Käufer auch nur einen Betrag zwischen 150.000 und 370.000 Pfund - je nach Größe der Wohnung. "Die Idee ist, all die Dinge, die die Leute nicht wollen, zu streichen", sagte Simon Chouffot, einer der Gründer des gemeinnützigen Projekts "Naked House", zum britischen "The Guardian". "Die Leute wollen selbst einen Teil beitragen." Dadurch würden die Wohnung erschwinglich. "Wir gehören alle zur Generation Miete und wir sind mit der Wohnungsnot aufgewachsen", sagte Chouffot. "Ich habe im Nordosten Londons Wurzeln geschlagen, aber es war unmöglich dort zu kaufen. Das durchschnittliche Einkommen in unserer Gegend beträgt ungefähr 40.000 Pfund, aber das durchschnittliche Einkommen, das Sie benötigen, um eine Immobilie zu kaufen, liegt bei 170.000 Pfund."

50 Quadratmeter für umgerechnet 172.000 Euro ist in Deutschland sicherlich kein Schnäppchen - doch für die Londoner ein günstiges Angebot. Und es gibt finanzielle Unterstützung: Neben einem günstigen Grundstück hat Londons Bürgermeister Sadiq Khan das Projekt mit 500.000 Pfund unterstützt. "Gemeinschaftlich gebaute Wohnungen bieten die Chance, neue Häuser für Londoner zu bauen", sagte Khan zu "The Guardian". "Die Londoner sollten in der Lage sein, eine führende Rolle beim Aufbau ihrer eigenen Gemeinschaften zu spielen. Aber zu lange war das schwierig und sie hatten keine Unterstützung oder Zugang zu Finanzierung."

Wohnungen für Singles boomen

Das "nackte Haus" ist nicht das einzige Projekt, das dem Immobilien-Wahnsinn etwas entgegen stellen will. Auch "Pocket" will der Londoner Mittelschicht in die eigenen vier Wände helfen. Die Wohnungen des Projekts sind vor allem für junge Singles gedacht. Günstig sind die Wohnungen nicht, 38 Quadratmeter kosten umgerechnet knapp 300.000 Euro. Doch die Nachfrage sei groß. Für die Käufer gelten strenge Regeln: Es muss sich um ihre erste Eigentumswohnung handeln, sie müssen bereits im Viertel arbeiten oder wohnen und dürfen nicht mehr als 90.000 Pfund im Jahr verdienen. Auch hier unterstützt die Stadt und bietet zinsfreie Kredite. 

Auch in Deutschland gibt es ähnliche Projekte. So werden derzeit in fast allen Großstädten Mikroappartements gebaut - allerdings meist zu ziemlich happigen Mieten. Wer Eigentum in nachgefragten Vierteln kaufen will, muss inzwischen mit deutlich gestiegenen Preisen rechnen. Eine Möglichkeit, um noch billig in die eigenen vier Wände zu kommen, sind Baugenossenschaften. Dort baut man in der Gruppe. Das kann bis zu 20 Prozent der Kosten senken. Tatsächlich waren für die Londoner Projekte einige Initiativen in Skandinavien und in Deutschland Vorbild. 

Wohnraum in der Stadt: Ausweg für die Generation Miete  - Wie in London bezahlbare Wohnungen entstehen

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