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Gebühren am Geldautomaten: Ein kleines bisschen Transparenz

Ab Samstag bekommen Kunden die Höhe der Gebühren am Geldautomaten einer fremden Bank angezeigt. Privatbanken haben sich dafür auf eine moderate Höchstgrenze von knapp zwei Euro geeinigt – nur die Sparkassen und Volksbanken ziehen nicht mit.

Von Björn Erichsen

Künftig wird am Geldautomaten angezeigt, was das Abheben bei einer fremden Bank kostet. Ab kommendem Samstag, 15. Januar, wird die fällige Gebühr angegeben, bevor der Kunde die gewünschte Bargeldauszahlung bestätigt. Wem der Preis zu hoch ist, der kann den Vorgang abbrechen und zu einem anderen Automaten gehen.

Bei dieser Regelung handelt es sich um einen Kompromiss, der im Spätsommer letzten Jahres erst auf politischen Druck zustande kam. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) drohte mit einem Gesetz, auch das Bundeskartellamt schaltete sich ein. Zuvor hatte sich öffentlich Protest erhoben gegen die exorbitanten Gebühren: im Durchschnitt fünf bis sieben, in Einzelfällen bis zu zehn Euro. Und der Kunde erfuhr es erst später, wenn die Gebühren auf seinem Kontoauszug erschienen.

Preise sollen sich "im Wettbewerb bilden"

Die ab Samstag geltende Regelung schafft Transparenz - allerdings nur ein bisschen, denn die von Verbraucherverbänden erhoffte Höchstgebühr wird es vorerst nicht geben. Bisher haben sich lediglich die Privatbanken zu einer Deckelung der umstrittenen Transaktionskosten bereit erklärt: Gehen Kunden einer anderen Institutsgruppe an einen ihrer Geldautomaten, dann berechnen sie ihm maximal 1,95 Euro.

Bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken läuft es allerdings anders. Hier entscheiden die einzelnen Geldhäuser selbst, wie viel sie einem Fremdkunden abknöpfen. "Jedes Institut ist geschäftspolitisch eigenständig", stellt der Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken fest. Aber: "Wir gehen davon aus, dass die Preise stark sinken werden." Auch der Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes verweist auf die Eigenständigkeit seiner Mitglieder. Die Preise "sollen sich im Wettbewerb bilden", heißt es dort.

Reale Kosten: 30 bis 70 Cent pro Transaktion

Dass es einen solchen auf dem Land geben wird, bezweifelt Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. "Verbraucher können doch nur da auswählen, wo mehrere Automaten in der Nähe sind", so Pauli. "Vor allem Ortsfremde haben doch gar keine andere Wahl, als den nächstbesten Automaten anzusteuern, wenn sie Bargeld brauchen. Da hilft es einem Kunden auch nicht, wenn die hohe Gebühr vor dem Geldabheben angezeigt wird."

So ist davon auszugehen, dass das ein oder andere Geldhaus dies ausnutzen könnte und Fremdkunden weiterhin deutlich mehr als nötig berechnet. "Echte Transparenz wurde mit der Neureglung nicht geschaffen", kritisiert Pauli und fordert eine einheitliche Obergrenze: "Die könnte wie bei den Privatbanken bei etwa zwei Euro liegen. Schließlich muss man bedenken, dass die realen Kosten bei gerade einmal 30 bis 70 Cent pro Transaktion liegen."

Hohe Fremdgebühren bringen Kunden

Nun bieten Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit ihren zusammen rund 45.000 Automaten weitaus mehr Möglichkeiten, an Bargeld zu gelangen, als die private Konkurrenz aus Cash Group (9000; u.a. Deutsche Bank, Postbank) oder Cash Pool (2500; Sparda-Banken, Santander). Und genau in diesem Missverhältnis liegt auch der Konflikt mit der Konkurrenz: Deren Kunden sollen nicht zu günstig das dichte und im Unterhalt auch kostspielige Automatennetz mitnutzen können.

Das ist aus ökonomischer Sicht nachvollziehbar - allerdings waren die teilweise abstrus hohen Gebühren auch immer ein Argument für Sparkassen und Volksbanken, neue Kunden für sich zu gewinnen. Ein baldiges Absinken der Gebühren im Verbraucherinteresse ist da auch weiterhin nicht so schnell zu erwarten.

Mit DPA