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Geldanlage: Online-Broking hat noch Zukunft

Experten sind sicher: Online-Broking ist nicht tot. Auch wenn viele Anbieter dem Börsencrash zum Opfer fielen, bleiben die Depot-Orders über das Internet kostengünstiger als die in der Bankfiliale.

Zu Zeiten des Börsen-Booms galten sie als Pioniere: Anleger, die ihre Aktien schnell und kostengünstig im Internet erwarben. Inzwischen ist die Goldgräberstimmung an den Börsen vorbei. Etliche Anbieter gerieten in die roten Zahlen, mussten Personal abbauen oder ganz aufgeben. Doch dem Eindruck, Online-Broking sei tot, widersprechen Experten energisch. "Manche Kunden der ersten Stunde haben inzwischen schon mehrere Pleiten mitgemacht", weiß Uwe Döhler von der Stiftung Warentest in Berlin. Aber: "Online-Broking hat sich etabliert, mehr noch als Online-Banking", sagt Michael Rill vom Institut für Bankinformatik und Bankstrategie (ibi) an der Universität Regensburg.

Angebote nach Nutzverhalten wählen

Längst eröffnen auch viele traditionelle Banken ihren Kunden den virtuellen Weg an die Börsen. Der Markt ist unübersichtlich, und das hängt auch mit der Vielzahl unterschiedlicher Preismodelle zusammen: Einige Banken nehmen für Transaktionen gestaffelte Festpreise, andere eine prozentuale Provision, teils kombiniert mit Mindestgebühr oder Grundpreis.

Als die Stiftung Warentest für ihre Zeitschrift 'Finanztest' zuletzt Discount-Broker unter die Lupe nahm (Ausgabe 3/2003), ließ sich kein einzelner Testsieger ermitteln. Sporadische Nutzer sollten vor allem die Tarife für Depot und Abrechnungskonto im Auge haben. Für passionierte Hobby-Broker kommt es eher auf die Kosten pro Transaktion an. Diese sollten bei Aktien nicht mehr als ein halbes Prozent des Anlagebetrages ausmachen. Wer lieber per Telefonhörer ordert, muss fast überall einen Preisaufschlag einkalkulieren.

Gute Kunden werden belohnt

Viele Anbieter erhöhen schrittweise die Gebühren. "Es wird permanent an der Preisschraube gedreht", sagt Döhler. Consors und die Deutsche-Bank-Marke Maxblue unterscheiden nun zwischen guten und weniger guten Kunden. Während "aktive" Anleger weiter in den Genuss kostenloser Kontoführung kommen, müssen "inaktive" Servicepauschalen entrichten. Dennoch: "Die Online-Broker sind immer noch deutlich günstiger als Filialbanken", sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart.

Auch für Amateur-Börsinaer interessant

Für Normalanleger ist das Internet sogar eher noch interessanter geworden. "Früher gab es oft nur Aktien", so Grieble. "Heute bekommt man auch Investmentfonds und das oft zur Hälfte des üblichen Ausgabeaufschlags." Zwar eignet sich Online-Broking weiterhin nur für Informierte. Die Schwelle wurde aber durch den Einstieg der Universalbanken gesenkt: "Amateur-Börsianer" können sich beim Anlagenberater Tipps holen und den Kauf im Internet zu günstigen Konditionen selbst vollziehen.

Zusätzlich können sie im Netz Informationen zur Kursentwicklung einsehen. Einige Online-Broker haben neuerdings auch Beratung am Telefon im Programm. "Das steckt aber noch in den Kinderschuhen", sagt Professor Wolfgang Gerke, Bankenexperte von der Universität Erlangen-Nürnberg.

Ob Spezialist oder Hausbank besser sind, ist umstritten

Ob den Spezialisten oder der Hausbank der Vorzug gebührt, ist umstritten. "Es spricht eigentlich nichts mehr dafür, für Online-Broking die Bank zu wechseln", sagt Rill von der Uni Regensburg. Dagegen hat Döhler den Eindruck, dass Online-Broking gerade bei regionalen Universalbanken doch nur am Rande mitläuft. Grieble vermittelt zwischen den Positionen: "Wer nicht gerade naiv und blauäugig zu Werke geht, kann beim Online-Broking eigentlich nicht viel falsch machen."

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