Geldanlage Rekordniveau bei Dividendenrendite

Seit dem Kurssturz an den Börsen achten Anleger verstärkt auf traditionelle Bewertungsmethoden bei den Aktien. Dazu zählt auch die Dividendenrendite. Experten sind aber uneins über deren Bedeutung für den weiteren Kursverlauf.

Seit dem Kurssturz an den Börsen achten Anleger verstärkt auf traditionelle Bewertungsmethoden bei den Aktien. Dazu zählt auch die Dividendenrendite. Und die dürfte viele durchaus zufrieden stellen, denn sie befindet sich beim wichtigsten deutschen Aktienindex DAX derzeit auf Rekordniveau. Die Dividendenrendite setzt den Gewinnanteil, der pro Aktie an die Anleger ausgeschüttet wird, in Relation zum Tageswert der Aktie und gibt so Aufschluss darüber, wie sich das eingesetzte Kapital verzinst.

Dax-Werte bringen meist drei Prozent

Aktuell bringen es die 30 DAX-Werte nach einer Untersuchung der Fondsgesellschaft Union Investment auf eine durchschnittliche Dividendenrendite von über drei Prozent. Einzelne "Dividendenstars" durchbrechen gar die Fünf-Prozent-Marke. Damit müssen die DAX-Werte den Vergleich mit Bundesanleihen mittlerer Laufzeit nicht scheuen, denn deren Rendite liegt aktuell unter drei Prozent.

Auch auf andere Daten achten

"Auf diesem Kursniveau sollten Anleger bei ausgewählten Substanzwerten zugreifen", sagt Hans-Joachim König, Fondsmanager bei Union Investment. Allerdings sei die Dividendenrendite nicht das alleinige Kriterium bei der Auswahl. Auch andere Fundamentaldaten wie stetiges Wachstum des Finanzüberschusses sowie Bilanz- und Managementqualität müssten stimmen. Außerdem müsse die Kontinuität der Ausschüttung gewährleistet sein.

Höhere Dividende oder steigender Unternehmenswert

"Die Dividende sollte immer dann im Vordergrund stehen, wenn es nicht gelingt, den Unternehmenswert zu steigern", sagt König. Wenn Unternehmen ihren Wert dagegen erhöhen könnten, spreche wenig gegen eine niedrige Dividende, denn in diesem Fall würden Anleger durch steigende Kurse belohnt. Grundsätzlich werde die Bedeutung der Dividende aber unterschätzt. Immerhin stammten langfristig durchschnittlich 45 Prozent des Gesamtertrages im DAX aus Dividendenausschüttungen und nur 55 Prozent aus Kurssteigerungen.

Oft nur Korrektur des schwachen Börsenwerts

Stiftung Warentest empfiehlt Anlegern die genaue Betrachtung dividendenstarker Aktien. "Die Chancen sind da, allerdings müssen die Werte zum Risikoprofil des Anlegers passen", sagt Stefan Kühnlenz von "Finanztest". Wenn Unternehmen allerdings durch eine hohe Dividende nur den schwachen Börsenkurs korrigieren wollten, sage sie nicht viel aus. Einen zwangsläufigen Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Erfolg, Aktienkurs und Dividendenhöhe gebe es nicht.

Aber: Keine Garantien für die Zukunft

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gibt zu bedenken, dass aktuelle Dividenden kein Garant für die Zukunft sind. "Es handelt sich immer um eine Rückwärtsbetrachtung", betont DSW-Experte Jürgen Kurz. "Wichtig ist, ob die Dividende tatsächlich im operativen Geschäft erzielt wurde oder ob sie aus anderen Einnahmequellen stammt". Werde sie operativ erwirtschaftet, würden solche Werte Anlegern durchaus gute Chancen für ein Investment bieten. Allerdings sei ein Renditevergleich mit Staatsanleihen zwiespältig. Denn hier seien die Zinsen garantiert, die Dividende jedoch nicht. Manche Konzerne hätten zudem in der Vergangenheit hohe Renditen gezahlt, obwohl sie es sich eigentlich gar nicht leisten konnten.

Fondsmanager: Hinweis auf Kurssteigerung

Fondsmanager König ist überzeugt, dass die absolute und relative Dividendenrendite eine Kurssteigerung erwarten lässt. So habe die durchschnittliche Dividendenrendite des weltweiten Kursbarometers Standard & Poors 500 zu Beginn des großen Börsenanstiegs Ende der 80-er Jahre den historischen Höchststand von 3,6 Prozent aufgewiesen. "Eine extrem hohe Dividendenrendite bedeutet, dass Aktienpreise im Verhältnis zur Dividende ungewöhnlich tief liegen und daher unterbewertet sind. Auf diese Unterbewertung reagiert der Markt oftmals mit steigenden Preisen", erläutert König. DSW-Experte Kurz ist da skeptischer. "Ganz so einfach funktioniert die Börse nicht. Auch dividendenstarke Unternehmen können sich dem Gesamtmarkt nicht entziehen".


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