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Hintergrund: Pleiten, Pech und Ruinen

Euphorische Annahmen und Fehlplanungen haben - ganz wie im Fall der LKW-Maut - wiederholt Investitionen in Gang gesetzt, bei denen große Summen verschleudert wurden. Am Ende musste der Steuerzahler dafür gerade stehen.

Euphorische Annahmen und Fehlplanungen haben wiederholt Investitionen in Gang gesetzt, bei denen große Summen verschleudert wurden. Am Ende musste der Steuerzahler dafür gerade stehen.

Zu den derzeit problematischen Objekten zählen etwa die Rennstrecke Lausitzring in Brandenburg und der Berliner Großflughafen. Der "Schürmann-Bau", ein "Millionengrab", fand nach langem Gezerre im vorigen Jahr ein gutes Ende als Sitz der Deutschen Welle (DW).

Der 1989 begonnene

Schürmann-Bau

in Bonn war ursprünglich für die Bundestagsabgeordneten geplant. Der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung schlossen diese Verwendung jedoch bald aus. 1993 wurde der Rohbau überflutet. Um die Bauruine zu sanieren und für die Deutsche Welle herzurichten, musste der Bund insgesamt 300 Millionen Euro investieren.

Risiko: Verkehrsprojekte

Der Betrieb des Lausitzrings auf einem früheren Braunkohlengelände ist derzeit durch ein Darlehen des Landes Brandenburg gesichert. 2002 musste EuroSpeedway Lausitz nach großen Verlusten Insolvenz anmelden. Die Anlage war vom Land mit 122 Millionen Euro gefördert und im Jahr 2000 eröffnet worden.

Beträchtliche Risiken gehen auch vom geplanten

Großflughafen Berlin-Brandenburg

aus, der 2008 oder 2009 in Betrieb gehen soll. Nach gescheiterten Verhandlungen gilt der private Bau und Betrieb seit Mai als gescheitert. Wie der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg die Baukosten in Höhe von 1,3 Milliarden Euro aufbringen wollen, ist unklar.

Teure Fehlentscheidungen: Atomprojekte

Die wohl teuersten Fehlentscheidungen gab es in der Atomenergie. Rund sieben Milliarden DM (3,6 Milliarden Euro) an Planungs- und Baukosten hat das Projekt eines

schnellen Brüters in Kalkar

am Niederrhein verschlungen, bis 1991 das offizielle Aus kam. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und heftigem Widerstand von Atomgegnern konnten die Bundesregierung und die Stromwirtschaft die Inbetriebnahme nicht mehr durchsetzen. Wo einst Strom produziert werden sollte, steht heute ein Freizeitpark.

Auf dem Gelände der geplanten Wiederaufarbeitungslage in

Wackersdorf

in der Oberpfalz ist in den vergangenen Jahren ein riesiges Gewerbegebiet entstanden. Nach Auseinandersetzungen mit Kernkraftgegnern legten die Energieunternehmen das Projekt 1989 zu den Akten. 300 Millionen DM sollen verbaut worden sein. Ein Mehrfaches mussten Firmen, Bund und Land für Herrichtung des Industriegeländes aufbringen. Auf etwa eine Milliarde Euro wurden die Kosten für Stilllegung und Beseitigung der

Aufarbeitungsanlage Karlsruhe

taxiert, die ihren Betrieb 1990 einstellte.

Weniger spektakulär waren andere Pleiten der Atompolitik. So wurde in

Mülheim-Kärlich

der 3,6 Milliarden DM teure Reaktor 1988 nach nur 13 Monaten Betriebszeit abgeschaltet, weil die Erdbebensicherheit nur mangelhaft geprüft worden war. Die Abrisskosten sollen sich auf 500 Millionen Euro belaufen. Gut vier Milliarden DM hatte der Hochtemperaturreaktor in

Hamm-Uentrup

gekostet, der 1989 mangels Wirtschaftlichkeit stillgelegt wurde.

DPA / DPA