Jugendschutz Gefahr durch Alcopops: Strafsteuer im Gespräch


Aus Sorge um den zunehmenden Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen erwägt die Bundesregierung eine Zusatzsteuer auf alkoholhaltige Mixgetränke.

Gefahr durch Alcopops: "Schon 13-Jährige besorgen sich diese schnapshaltigen Getränke regelmäßig, obwohl sie erst an 18-Jährige verkauft werden dürfen", sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Marion Caspers-Merk, der "Berliner Zeitung" (Montagausgabe). Dabei geht es ihr darum, die Jugendlichen vor dem Einstieg in gefährliche Alkohol-Konsummuster zu bewahren. Appelle an die Vernunft der Anbieter sind offenbar sinnlos. "Denn wir erleben, dass die Mixprodukte mit hohem Werbeaufwand auf den Markt gedrückt werden und es deutliche Zuwachsraten beim Umsatz gibt."

Verteuerung als Konsumhindernis

Eine Verteuerung der so genannten Alcopops - meist Limonaden mit Rum, Wodka oder Whisky und einem Alkoholgehalt zwischen fünf und sechs Prozent - könnte junge Leute vom Konsum abhalten. "Preiserhöhungen sind die wirksamste Maßnahme bei Alkoholkonsum überhaupt, bei Jugendlichen erst recht", sagte auch der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), Rolf Hüllinghorst, unter Hinweis auf das meist knappe Taschengeld der Jugendlichen. Sinnvoll sei eine Erhöhung um einen Euro je 0,1 Liter.

Gefährlich: Alkohol wird 'maskiert'

Die Mixgetränke sind nach Ansicht von Caspers-Merk besonders für junge Frauen und Jugendliche gefährlich, die bislang keinen Alkohol mochten: "Der bittere Alkohol wird durch Süßungsmittel und intensive Aromen maskiert. Dadurch merkt niemand, dass man in Wirklichkeit harten Alkohol trinkt", sagte sie der "Berliner Zeitung". In einer handelsüblichen Flasche ist aber ein doppelter Schnaps enthalten. Die SPD-Politikerin verwies auf das Beispiel von Frankreich, wo seit 1997 eine Zusatzsteuer auf Alcopops erhoben wird. Dadurch habe sich der Preis im Schnitt verdoppelt, der Markt sei praktisch zusammengebrochen. Pro Dose liegt der Steueranteil im Nachbarland derzeit bei etwa 0,90 Euro. Dieser Weg sei "Erfolg versprechend und gangbar, weil er EU-konform ist", sagte sie. Derzeit werde geprüft, ob er sich auf Deutschland übertragen lasse: "Noch in diesem Jahr wollen wir eine Entscheidung treffen."

Erlös sollte zweckgebunden eingesetzt werden

Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) sagte der Zeitung, der Erlös einer Steuer müsse zweckgebunden in Aufklärungskampagnen oder andere Drogenbekämpfungsmaßnahmen fließen. Auch DHS-Geschäftsführer Hüllinghorst plädierte dafür, das Geld zur Vorbeugung zu verwenden. Oft werde das Abgabeverbot an unter 18-Jährige unterlaufen, beklagte er. "Das ist wie bei Zigaretten." 37 Prozent der 15-jährigen Jungen und 25 Prozent der Mädchen trinken seinen Angaben zufolge regelmäßig Alkohol. 1997/1998 waren es 29 Prozent der Jungen und 22 Prozent der Mädchen gewesen, 1993/1994 nur 25 Prozent der Jungen und 18 Prozent der Mädchen.

Alcopops verdrängen Bier

Zugleich stieg der Umsatz mit Alkoholmixgetränken im Lebensmitteleinzelhandel von 2001 auf 2002 um 341 Prozent, sagte Hüllinghorst. Nach Angaben des Gesundheitswissenschaftler Matthias Richter von der Universität Bielefeld greifen Elfjährige mittlerweile öfter zu Alcopops als zu Bier, das wegen seines bitteren Geschmacks verschmäht wird. Das habe eine Untersuchung aus dem Jahr 2002 gezeigt, für die 20.000 Jugendliche in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Sachsen und Hessen befragt wurden. Das Verbraucherschutzministerium in Berlin rief Industrie und Handel dazu auf, die Kennzeichnung der Getränke zu verbessern und den Verkauf an Jugendliche unter 18 Jahren strenger zu kontrollieren.

DPA

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