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Krankenversicherung: Mit Kreditkarte zum Zahnarzt

Kaum ein Deutscher ist über Lücken im Angebot seiner Gesetzlichen Krankenkasse informiert. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage. Dabei sind die Löcher im Versicherungsschutz in letzter Zeit größer geworden.

Von Björn Maatz

Junge Kassenpatienten misstrauen dem Gesundheitsschutz der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und wollen sich verstärkt zusätzlich versichern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die vielen Versicherten einen mangelnden Überblick über Leistungslücken der GKV bescheinigt. Viele Kassenversicherte benötigen noch mehr Orientierungshilfe, um den eigenen Bedarf an Ergänzungspolicen richtig identifizieren und decken zu können - so heißt es in der Studie "Kundenkompass Zusatzversicherungen", die die Gothaer Krankenversicherung am Mittwoch in Köln vorstellte. Im Auftrag der Versicherung hatte das FAZ-Institut 1000 Deutsche zwischen 20 und 65 Jahren befragt.

Danach beklagen drei Viertel der befragten Versicherten, dass ihnen ein Überblick über die Lücken im Leistungskatalog ihrer Krankenkasse fehle. Sie wüssten also nicht konkret, welche Leistungen der Gesetzgeber in den vergangenen Jahren gekürzt oder gestrichen habe. Betroffen waren etwa die Kostenerstattung beim Zahnersatz, der Anspruch auf Sehhilfen sowie versicherungsfremde Leistungen wie das Sterbegeld.

Junge werden aktiv

Überwiegend Versicherte mit einem niedrigen Haushaltseinkommen von maximal 1000 Euro vertrauen auf die Angebote ihrer eigenen Krankenkasse. Kassenpatienten mit einem höheren Haushaltsnettoeinkommen versuchen dagegen häufiger, sich einen Marktüberblick zu verschaffen und hören sich bei Verwandten und Bekannten sowie Krankenkassen um beziehungsweise informieren sich über die Medien. Knapp jeder fünfte Befragte, der bereits eine Ergänzungspolice abgeschlossen hat oder dieses in den kommenden zwei Jahren plant, informiert sich zusätzlich bei professionellen Finanzberatern.

Vor allem junge Kassenpatienten haben laut der Studie die Notwendigkeit erkannt, selbst aktiv zu werden: Rund 40 Prozent der 20- bis 29-Jährigen wollen künftig die Lücken bei den GKV-Leistungen zusätzlich abdecken beziehungsweise mehr Geld in qualitativ hochwertigere Behandlung investieren. Die Angebote der eigenen Kasse spielten für sie eine große Rolle, "um sich im Versicherungsdschungel zu orientieren", wie es in der Studie heißt.

Zahn-Zusatzpolicen sind gefragt

Bislang haben 45 Prozent der befragten GKV-Mitglieder mindestens einen Ergänzungstarif abgeschlossen. Seit 2004 dürfen die Krankenkassen auf Grundlage des Gesetzes zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung ihren Mitgliedern und Familienversicherten Zusatzpolicen vermitteln.

Tarife für Zahnersatz werden laut Studie seitdem besonders häufig nachgefragt. Fast jedes dritte Kassenmitglied besitzt den Angaben nach bereits eine solche Police, die mit den privaten Krankenversicherungsunternehmen geschlossen werden. Die gesetzlichen Krankenkassen fungieren nur als Vermittler. Hinter den Dentaltarifen, mit denen der Festzuschuss der Krankenkassen aufgestockt wird, rangieren das Krankentagegeld sowie Zusatzversicherungen für ambulante Behandlungen.

Um die Bedeutung einer privaten Pflegergänzungsversicherung wissen zwar 72 Prozent der Befragten, jedoch haben bislang nur 13 Prozent einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen. In den kommenden zwei Jahren wollen sich laut Befragung auch nur weitere acht Prozent eine solche Police zulegen.

FTD
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