Kreditberatung Dresdner Bank kassiert ein "mangelhaft"

Nur drei von 13 Banken beraten ihre Kunden gut, wenn es um Kredite geht. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Stiftung Warentest. Die meisten Geldhäuser versuchen, den Kunden teure Kreditversicherungen anzudrehen oder fragen heimlich Schufa-Daten ab.

Insgesamt 91 Gespräche bei 13 Banken führten die Testpersonen, die für das Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest unterwegs waren. Herausgekommen ist eine bunte Mischung der absurdesten Gespräche - und ein ziemlich verheerendes Ergebnis: "Nur die Commerzbank, die Berliner Sparkasse und die Postbank haben unsere Ansprüche fast vollständig erfüllt und das Finanztest-Qualitätsurteil 'Gut' erreicht", heißt es in dem Bericht.

Schlusslichter in dem Test sind die Dresdner Bank und die Santander Consumer Bank, die das Qualitätsurteil "mangelhaft" bekommen haben. Beide Banken fielen den Testern durch zu kurze und wenig informative Gespräche auf. "Nach zehn Minuten habe ich die Bank verlassen und wusste nur, dass ich monatlich 124 Euro zahlen soll", berichtet eine Testerin. Angaben über Kosten und Zinssätze gab es nicht, ebenso wenig wie einen Ausdruck des Angebots.

Insgesamt hat Stiftung Warentest von September bis November im vergangenen Jahr die Kreditberatung bei elf überregionalen und zwei regionalen Banken getestet. Pro Bank haben sich sieben Testkunden in unterschiedlichen, bundesweiten Filialen ein Kreditangebot über 5000 Euro geben lassen. Bewertet wurde nicht nur das Kreditangebot selbst, sondern auch die Kundenfreundlichkeit, wie schnell ein Beratungstermin zustande kam oder ob der Berater versucht hat, dem Testkunden auch noch andere Produkte zu verkaufen.

Stiftung Warentest kritisiert neben den undurchsichtigen Kreditangeboten, dass viele der Banken auch teure Kreditversicherungen verkaufen wollten - obwohl die Testkunden dies ausdrücklich abgelehnt hatten. Mit Argumenten wie "Sie kostet ja nur 2,30 Euro im Monat" versuchten die Berater, den Kunden umzustimmen, ohne zu erwähnen, dass das bei einer Laufzeit über fünf Jahre noch mal fast 140 Euro zusätzlich wären.

Urteile der Stiftung Warentest 2/07

Commerzbank

Gut (1,6)

Berliner Sparkasse

Gut (2,4)

Postbank

Gut (2,4)

BBBank

Befriedigend (2,6)

Berliner Volksbank

Befriedigend (3,3)

SEB

Ausreichend (3,7)

Hypovereinsbank

Ausreichend (3,9)

Deutsche Bank

Ausreichend (4,0)

Citibank

Ausreichend (4,5)

Dresdner Bank

Mangelhaft (4,8)

"Die Banken sichern sich bei kritischen Kunden doppelt ab, zum einen über die höheren Zinssätze, zum anderen über Kreditversicherungen ", sagt Heike van Laak von Stiftung Warentest. Die seien aber oft zu teuer, in einem Fall habe sich der Effektivzins sogar von elf auf 23 Prozent verteuert. Dabei sei in der Branche bekannt, dass weit weniger als zehn von 100 genehmigten Ratenzahlungen nicht ordentlich zurück gezahlt würden, eine Pflicht zur Restschuldversicherung sei also unsinnig.

Womit die unabhängigen Tester allerdings nicht gerechnet hatten: Die Berater von sieben der 13 untersuchten Banken starteten eine Schufa-Abfrage, ohne die Kunden darüber zu informieren. Zwar vergibt kaum eine Bank einen Kredit, ohne vorher bei der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) abgefragt zu haben, ob der potentielle Kunde bereits andere Kredite hat.

"Allerdings müssen die Banken den Kunden vorher um Erlaubnis fragen - sonst verstoßen sie gegen das Bundesdatenschutzgesetz", sagt van Laak. Deshalb sei sie doch schockiert gewesen, dass es immer noch Banken gebe, die heimliche Schufa-Abfragen machten.

Dazu kommt: Aus den Daten, die die Schufa sammelt, berechnet sie auch einen so genannten Scorewert, der die Wahrscheinlichkeit angibt, dass ein Kunde seine Raten nicht zurück zahlt. Mit dem wiederholten Abfragen der Kreditwürdigkeit verschlechtert sich dieser Wert zu Lasten des Kunden - es sei denn, er wird unter einer bestimmten Kategorie abgefragt, die seit Anfang Oktober eingeführt wurde.

Das allerdings hat sich bei den Banken noch nicht wirklich herumgesprochen", sagt van Laak. Keine der getesteten Banken habe nach den neuen Merkmalen abgefragt. Wer sich als Kunde bei verschiedenen Banken über Kreditkonditionen informiere, laufe Gefahr, den eigenen Scorewert nach unten zu drücken. "Der Bedarf an Nachschulungen hier ist evident", sagt van Laak und rät, den Berater auf die neue Abfragemethode hinzuweisen.

Dabei scheint es viele Berater nicht wirklich zu interessieren, ob der Kunde sich den Kredit wirklich leisten kann: Ein Testkunde der Deutschen Bank stand nach 15 Minuten wieder auf der Straße, in der Hand eine "Beispielrechnung für Ihren Ratenkredit". Für die wollte der Berater allerdings nicht einmal wissen, über welches Nettoeinkommen der Kunde verfügte und ob er überhaupt ein festes Arbeitsverhältnis hatte.

FTD

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