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Kostenlose Schufa-Auskunft: Die Nachfrage nach eigenen Verbraucher-Daten boomt

Vom Bezahl- zum Gratisservice: Seit April 2010 dürfen sich die deutsche Verbraucher kostenfrei über ihren Schufa-Eintrag informieren. Der Service kostet die Wirtschaftsauskunftei einen zweistelligen Millionenbetrag.

Nach der Abschaffung der Gebühren für eine Schufa-Auskunft bestellen sich deutlich mehr Verbraucher Informationen über ihre gespeicherten Daten. Das Interesse sei größer als erwartet, sagte Schufa-Vorstand Dieter Steinbauer der Tageszeitung "Die Welt". Rund 450.000 Anfragen seien seit April eingegangen, 30 bis 40 Prozent mehr als in der Zeit, als die Auskunft noch kostenpflichtig gewesen sei. Der Ansturm ebbe jedoch ab und erreiche wieder das ursprüngliche Niveau.

Verbraucher haben seit dem 1. April das Recht, einmal pro Jahr gratis alle über sich gespeicherten Daten abzurufen - und damit zu erfahren, warum etwa ein Handy-Vertrag aus heiterem Himmel abgelehnt wurde, obwohl keine Schulden vorliegen.

Täglich gingen etwa 4000 Anfragen ein, sagte Steinbauer. Die meisten Anrufer hätten Fragen zum Verfahren an sich. Andere verlangten, dass unangenehme Daten gelöscht würden. Der Rest habe berechtigte Korrekturwünsche, erklärte der Schufa-Chef. Dabei gehe es etwa um Konten und Kreditarten, die nicht mehr existierten. "Diese Einträge löschen wir umgehend", sagte Steinbauer.

Fehlerhafte Informationen möglich

Eine Neuregelung des Bundesdatenschutzgesetzes zwingt die Schufa und andere Auskunfteien, auch Licht ins Dunkel des streng gehüteten und heftig umstrittenen Scoring-Systems zu bringen. Diese Geheimdaten entscheiden darüber mit, ob Millionen Bürger kreditwürdig sind. Nach Erfahrungen von Verbraucherschützern sind viele der gesammelten Einzeldaten falsch.

"Das ist Unsinn", sagte Steinbauer der "Welt". Falsch sei eine "unzulässige Verkürzung". Allerdings lasse es sich bei rund 100 Millionen übermittelten Auskünften nicht völlig vermeiden, dass Daten auch mal falsch seien "im Sinne von: nicht richtig", erklärte der Schufa-Vorstand. Die Auskunftei arbeite nicht mit allen Kreditinstituten zusammen, so dass manche relevanten Informationen fehlten. So etwa könnten Hinweise auf Konten oder Karten unvollständig sein.

Die Schufa muss nach den Worten Steinbauers einen zweistelligen Millionenbetrag für den neuen kostenlosen Service aufwenden.

APN / APN
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