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Schufa-Umfrage: Deutsche lässt Krise kalt

Die Krise hat Deutschland im vergangenen Jahr kräftig durchgeschüttelt. Aber ist sie auch bei den Verbrauchern angekommen? Nein, lautet das Fazit einer Schufa-Umfrage. Und das könnte auch so bleiben.

Die Wirtschaft bricht um fünf Prozent ein, die Regierung teilverstaatlicht Banken und große Konzerne müssen Insolvenz anmelden. Es steht schlimm um Deutschland, möchte man meinen. Aber die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise haben die deutschen Verbraucher weitgehend kalt gelassen.

Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Kreditauskunft Schufa hat ergeben, dass 39 Prozent der Deutschen von der Krise völlig unberührt sind und davon ausgehen, "dass es auch so bleibt". Weitere 27 Prozent geben an, dass die Krise sie bislang nicht beeinflusst hat, sie aber befürchten, "dass sich dies bald ändern wird".

Damit hatte die Krise auf rund zwei Drittel der Bundesbürger bislang keinen negativen Einfluss. Nur ein Viertel der von Allensbach befragten Verbraucher ist von der Krise "etwas betroffen, aber nicht so stark". Sechs Prozent sagten aus, "stark" betroffen zu sein.

Positive Entwicklung am Arbeitsmarkt

Thomas Petersen vom Allensbach-Institut sieht einen Grund für die positive Einschätzung der Bundesbürger in den "gewaltigen Anstrengungen, die Krise sozial abzufedern". Eine Beleg ist für ihn die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt: Zwar ist die Zahl des registrierten Arbeitslosen im Januar um 342.000 auf jetzt 3,617 Millionen gestiegen. Im Vergleich zu anderen Ländern - allein in den USA sind durch die Wirtschaftskrise mehr als sieben Millionen Jobs verloren gegangen - ist die Lage in Deutschland jedoch noch entspannt. Neben dem verlängerten Kurzarbeitergeld wirkte auch die Abwrackprämie dämpfend und verhinderte Massenentlassungen.

Hinzu kommt laut Petersen, dass "ein großer Teil der Bevölkerung nicht unmittelbar von der Wirtschaft abhängt, sondern in irgendeiner Weise vom Staat lebt". Gemeint ist damit unter anderem die große Zahl an Rentnern, deren Einkommen trotz Krise gesichert ist.

Trend wird anhalten

Aber der Allensbach-Experte nennt auch eine typisch deutsche Eigenschaft, die sich in der Krise auszahlt: "Die Bevölkerung geht sehr behutsam mit Geld um", sagte er stern.de. "Damit lassen sich Krisen besser überwintern. Im Gegensatz zu Amerika, wo die Verbraucher deutlich höher verschuldet sind und kaum gespart wird." Die Sparquote lag in Deutschland 2009 mit 11,2 Prozent auf ähnlich hohem Niveau wie 2008.

Dazu passt, dass die Vergabe von Krediten an Verbrauchern nach Angaben der Schufa trotz vielfach verschärfter Bedingungen der Banken auf stabilem Niveau geblieben ist. Zwar sank die Zahl der abgeschlossenen Kreditverträge im vierten Quartal 2009 um sechs Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Die Zahlen pendeln sich jedoch wieder auf Vorjahresniveau ein - nachdem die Abwrackprämie für den Neuwagenkauf die Zahl der Kredite im Frühjahr nach oben getrieben hatte.

Allerdings stieg die Zahl der Kreditausfälle im Krisenjahr 2009 gegenüber dem Vorjahr deutlich um sieben Prozent. "Insgesamt kann man aus diesen Zahlen nicht schließen, dass die Krise auf das Konsumentenverhalten der Bürger einen Einfluss hatte", sagte der Vorstandsvorsitzende der Schufa Holding AG, Rainer Neumann.

Allensbach-Experte Petersen geht davon aus, dass sich die positive Einschätzung im laufenden Jahr nicht umkehren wird. "Selbst wenn die Arbeitslosigkeit in diesem Jahr steigen wird, glaube ich bei aller Vorsicht, dass die Deutschen optimistisch bleiben werden", sagte er.

Und das es am Arbeitsmarkt nicht zu einem massiven Einbruch kommen wird, davon gehen auch Wirtschaftsexperten aus: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet beispielsweise für 2010 mit durchschnittlich 3,8 Millionen Arbeitslosen, das sind etwa 400.000 mehr als im vergangenen Jahr. Doch noch im vergangenen Jahr hatten die Wirtschaftsexperten 4,1 Millionen Arbeitslose befürchtet.

"Der Absturz ist nicht so hart, weil die Unternehmen unter anderem viel über Kurzarbeit abfedern konnten und weil sie in 2009 von sinkenden Ölpreisen profitieren konnten", sagt DIW-Experte Christian Dreger. Außerdem hätten die Firmenchefs beim letzten Aufschwung unter dem Fachkräftemangel gelitten, berichtet Dreger: "Deswegen binden viele ihre Arbeitskräfte länger ans Unternehmen und entlassen sie nicht mehr so schnell."

msg