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Wer steckt hinter ...: ... der Schufa?

Rainer Neumann: Schwabe, Familienmensch, Zahlen- und Datenfreund. Er verwaltet die Angaben zur Zahlungsmoral von 64 Millionen Menschen.

Bevor Rainer Neumann 1977 seinen ersten Kredit für ein Auto bekam, war ein quälend langes Verhandlungsgespräch nötig. Und das, obwohl der frischgebackene Mathematiker die Hälfte der erforderlichen 10.000 Mark zusammen mit einem gerade unterschriebenen Arbeitsvertrag in der Tasche hatte. Die Kundenkarte vom Modehaus Breuninger bekam der damals 26-Jährige dagegen sofort. Grund: Der Verkäufer hatte über den unbescholtenen Neumann eine Schufa-Auskunft eingeholt. Neumann war klar: Die Schufa ist ein Segen.

Kein Kredit ohne Schufa-Okay

Diese Meinung vertritt der 55-Jährige mehr denn je: Seit fast sieben Jahren ist er Vorstandsvorsitzender der "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung", kurz Schufa, in Wiesbaden. Diese Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft soll Zahlungsausfälle jeder Art verhindern helfen und das Risiko für die Unternehmen kalkulierbarer machen. Daten zum Zahlungsverhalten von rund 64 Millionen Menschen sind bei der Schufa gespeichert, 200.000 Anfragen werden jeden Tag bearbeitet. Ohne ihr Okay kann in Deutschland kaum jemand einen Handyvertrag abschließen oder einen Fernseher auf Pump kaufen.

Zwischen 50 Cent und zwei Euro zahlen Banken, Kreditkartenunternehmen oder Versandhäuser für eine Abfrage. Dafür erhalten sie nur die Auskunft, ob, aber nicht wo der Verbraucher ein Konto unterhält. Und sie erfahren nicht, was dort gebucht wird, sondern nur, wenn nicht bezahlt wird. Trotzdem wird der Schufa AG oft unterstellt, dass sie die Daten nicht anonymisiert weitergebe. Schließlich gehört sie ihren Kunden, den Banken und Versandhäusern - die auch die meisten Informationen für die gewaltige Datenbank liefern.

Einge Auskunft online abrufbar

Den Vorwurf mangelnden Datenschutzes weist der Chef natürlich zurück. Neumann, zuvor Vorstand für Informationstechnologie bei der Postbank, hat in Wiesbaden nur eine kleine Wohnung, am Wochenende fährt der gebürtige Kornwestheimer nach Hause, bekocht seine Familie oder reitet mit seinen beiden Töchtern aus.

Die Idee der Schufa entstand bereits 1927. Damals gründeten der Elektrokonzern AEG und der Berliner Energieversorger Bewag den Vorläufer. Auslöser: Die Ratenzahlung, nichts anderes als ein Kleinkredit vom Händler, wurde eingeführt. Mittlerweile hat die Schufa bundesweit mehr als 700 Mitarbeiter. "Wir schaffen Vertrauen", lautet ihr neuer Leitspruch. "Es ist uns wichtig, das zu kommunizieren", sagt Neumann. Im Internet, unter www.meineschufa.de, können Verbraucher jetzt für 7,60 Euro ihre persönliche Auskunft anfordern.

Die neue Transparenz der Schufa gibt aber auch Kritikern neue Nahrung: Die Zeitschrift "Börse Online" ließ von 32 Testern Einträge anfordern. Nur elf stimmten. Das ZDF-Magazin "Frontal 21" berichtete von einer Frau, der fälschlicherweise unterstellt wurde, einen Offenbarungseid geleistet zu haben. "Einzelfälle", sagt Neumann. "Die haben wochenlang nach so einem Fall gesucht." Schließlich werden pro Jahr nur 200 bis 300 solcher harten Fälle korrigiert, in denen Leute ihre Rechnungen nicht bezahlt haben oder ihnen ein Kredit gekündigt wurde. Dumm nur, wenn man selbst - und sei es durch eine Namensverwechselung - dazugehört. Drei Jahre bleibt ein solches Negativmerkmal gespeichert und macht das Leben schwer.

Darüber redet der Schufa-Chef nicht so gern. "Je mehr wir über jemanden wissen, desto eher bekommt er einen Kredit", rechtfertigt er sich. Dass so viel Wissen vielen Angst macht, versteht Rainer Neumann nicht.

Elke Schulze / print
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