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Kursgewinne: Abgeltungssteuer greift Anlegern in die Börse

Die Schonzeit für Fondsparer läuft am 31.12.2009 aus. Danach greift die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent, mit gravierende Folgen für die Geldanlage. Mit der richtigen Strategie können Fondsanleger jetzt schon reagieren.

Von Heino Reents

Die Uhr tickt unbarmherzig: Ab dem 1. Januar 2009 fällt in Deutschland eine Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent auf Kursgewinne aus Wertpapieranlagen sowie Dividenden und Zinserträge an, zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Damit ändert sich die bisherige Praxis, in der Kursgewinne nach Ablauf einer Spekulationsfrist von einem Jahr steuerfrei blieben, Zinserträge mit dem persönlichen Steuersatz belastet wurden und auf Dividenden das Halbeinkünfteverfahren angewendet wurde.

Besonders bitter: Keiner der Änderungsvorschläge des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) wurde übernommen. BVI-Hauptgeschäftsführer Stefan Seip ist dementsprechend sauer: "Wir hatten gehofft, dass es für langfristige Wertzuwächse Erleichterungen bei der Besteuerung von Veräußerungsgewinnen und dabei für Sparverträge, die vor dem 1. Januar 2009 abgeschlossen werden, Bestandsschutz geben wird. Das ist nun nicht der Fall. Die Folgen sind gravierend und stellen eine erhebliche Beeinträchtigung der privaten Altersvorsorge dar", sagt Seip.

Folgendes Beispiel verdeutlicht das: Bei einer Einmalanlage von 10.000 Euro kann der Fondsanleger bislang bei einer angenommenen Wertentwicklung von acht Prozent pro Jahr nach 20 Jahren stolze 36 000 Euro Gewinn steuerfrei einstreichen. Mit der Abgeltungssteuer werden nun auf diese Summe 25 Prozent Steuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag fällig - insgesamt also 10 980 Euro, die dem Anleger im Alter künftig fehlen werden. "Der Gesetzgeber hätte sich ein Vorbild am Ausland nehmen sollen. In vielen Nachbarländern bleiben langfristige Wertzuwächse steuerfrei, oder es gibt großzügige Freibeträge", sagt der BVI-Chef.

Nicht in Panik verfallen

"Dennoch sollten die Anleger jetzt nicht in Panik verfallen und ihre Papiere vorschnell verkaufen", rät Lars Effenberger, Marketingmanager bei der comdirect bank. Schließlich sei ein Fondssparplan auf lange Sicht unter Renditegesichtspunkten attraktiver als eine klassische Zinsanlage - und bei Aktien und Fonds gelte für alle vor 2009 erworbenen Positionen ein so- genannter Bestandsschutz. Wer sich also bis Ende 2008 Aktien oder Fonds ins Depot legt, kann laut dem aktuellen Gesetzentwurf auch Jahre später die Kursgewinne noch steuerfrei vereinnahmen. Doch auch Anleger, die nach diesem Termin einen Fonds erwerben, haben laut Effenberger einen Vorteil im Vergleich zur Direktanlage in Aktien und Anleihen, da die Fondsmanager ab 2009 innerhalb ihrer Fonds auch weiterhin ohne steuerliche Auswirkungen umschichten können.

Empfehlenswert für die langfristige Anlage sind globale Aktienfonds mit einer ausgewogenen Anlagestrategie. Wichtig dabei: Es sollte ein renommierter Fonds sein, deren Existenz auch in vielen Jahren noch wahrscheinlich erscheint. Denn wird ein Fonds mangels Masse oder aus anderen Gründen geschlossen, bleibt dem Anleger nur die Neuanlage zu den dann schlechteren steuerlichen Bedingungen.

Zulauf für Dach- und Mischfonds

Zu den großen Gewinnern der neuen Abgeltungssteuer dürften Experten zufolge besonders Misch- sowie Multi-Assets-Fonds zählen. "Ich rechne damit, dass mehrere hundert neue vermögensverwaltende Fonds mit Blick auf die Abgeltungssteuer in den nächsten Monaten auf den Markt kommen", sagt Björn Drescher vom Fondsinformationsdienst Drescher & Cie.

Auch Dachfonds werden neuen Zulauf erhalten. Bei diesem Produkt werden die eingezahlten Vermögen in verschiedene Aktien-, Renten- und Geldmarktfonds deponiert und lassen sich damit ganz unterschiedlichen Risikoklassen zuordnen. Diese Lösung hat besondere Vorteile: beim Umschichten von einem Fond in den anderen wird keine Abgeltungssteuer fällig. Also können Zielfonds und Anlagestrategie schnell an die Erfordernisse des Marktes angepasst werden. Managt dagegen der Anleger sein Depot, wird für realisierte Gewinne aus Fondsverkäufen Abgeltungssteuer fällig.

Bestimmte Fonds profitieren

Comdirect-Experte Effenberger erwartet außerdem, dass die sogenannten Lebenszyklusfonds, die ihre Depotstruktur im Zeitablauf an das Alter und die Bedürfnisse des Anlegers individuell anpassen, von der neuen Steuer profitieren. Denn der Anleger muss einen solch flexiblen Fonds nicht wechseln und ist erst beim Verkauf der Fondsanteile steuerpflichtig. "Aktiv gemanagte Dachfonds könnten daher eine interessante Alternative für Anleger darstellen, die auch in Zukunft eine flexible Anpassung ihrer Anlagen an Marktveränderungen wünschen", rät Effenberger.

Darüber hinaus sei mit einem verstärkten Interesse der Anleger an kapitalgedeckten und fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen zu rechnen, die den staatlichen Förderbedingungen entsprechen, so der Steuerexperte weiter. Der Grund: Private Rentenversicherungen wie die Riester- oder Rürup-Rente sowie Lebensversicherungen sind von der Abgeltungssteuer ausgenommen; bei diesen Sparformen bleibt es bei den bestehenden Steuerregelungen. Auch Anlagen in Immobilien sind von der neuen Steuer nicht betroffen.

"Die Anleger sollten frühzeitig damit anfangen, ihr Depot zu überprüfen und gegebenenfalls Umschichtungen vorzunehmen", empfiehlt Effenberger. Zudem können sie ihr kurzfristig in Zinsanlagen geparktes Geld in Aktien oder Fonds investieren, um auf diese Weise auch noch nach 2009 davon zu profitieren. So können eventuelle Schwächephasen an den Aktienmärkten bereits jetzt genutzt werden, um das Depot sukzessive aufzustocken.