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Letzter Ausverkauf Bei Schlecker geht das Licht aus


Ein Kapitel deutscher Einzelhandelsgeschichte ist zu Ende: Schlecker schließt endgültig. Die fast 14.000 zuletzt noch verbliebenen Beschäftigten erwarten in den kommenden Tagen ihre Kündigungen.

Planmäßig um 15.00 Uhr schlossen heute die letzten Läden der insolventen Drogeriekette Schlecker für immer ihre Türen. Am 8. Juni hatte Schlecker den Ausverkauf in seinen 2800 noch bestehenden Läden gestartet, nachdem sich die Gläubigerversammlung drei Tage zuvor auf die Zerschlagung der hochverschuldeten Drogeriemarkt-Kette geeinigt hatte. Mit mehreren Rabattrunden lockte das Unternehmen anschließend Kunden in die Läden.

Am Mittwoch hätten schließlich "sehr, sehr viele Märkte" bereits vor dem für den Nachmittag festgesetzten Ende dicht gemacht, weil sämtliche Waren verkauft gewesen seien, sagte der Sprecher. Am letzten Verkaufstag hatte die Drogeriekette sämtliche Produkte für 20 Cent angeboten.

Insgesamt sei die Insolvenzverwaltung mit dem Abverkauf zufrieden, sagt der Sprecher weiter: "Der Abverkauf ist wie ursprünglich geplant verlaufen." Einzelne, übriggebliebene Produkte sollten nun in den Schlecker-XL-Läden verkauft werden. Diese sind von der Schließung nicht betroffen.

24.000 Beschäftigte verlieren ihren Job

Die knapp 14.000 Mitarbeiter sind den Angaben zufolge bis Freitag noch damit beauftragt, die Läden auszuräumen. Die Insolvenzverwaltung ihrerseits will demnach Ende der Woche eine Freistellung an die Beschäftigten verschicken, die vom 1. Juli an gelte. Anfang Juli solle dann die Kündigung folgen. Weitere gut 10.000 Beschäftigte hatten bereits im März ihren Arbeitsplatz verloren.

Schlecker hatte Ende Januar Insolvenzantrag gestellt, nachdem das Unternehmen über Jahre hinweg Verluste angehäuft hatte. Nachdem die Suche nach einem Käufer fehlgeschlagen war, hatten die Gläubiger die Zerschlagung der einst größten Drogeriemarktkette Deutschlands beschlossen.

Tochter Meike Schlecker ist auch insolvent

Auch die Logistikfirmen von Sohn Lars und Tochter Meike Schlecker haben mittlerweile ihre Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Ebenso ist die Zukunft der Tochter-Gesellschaften Ihr Platz und Schlecker XL offen. Nachdem ein geplanter Verkauf in letzter Minute geplatzt war, verhandelt der zuständige Insolvenzverwalter, Werner Schneider, weiter mit Interessenten. In den kommenden Tagen könnte Verhandlungskreisen zufolge dazu ein Ergebnis vorliegen.

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz ist nun damit befasst, Übertragungen von Firmengründer Anton Schlecker an seine Familie zu prüfen. Er sucht dabei nach Vereinbarungen der vergangenen Jahre, die nach Insolvenzrecht wieder rückgängig gemacht werden können. Die Güter würden dann in die Insolvenzmasse fallen. Die Schlecker-Kinder hatten ihm dazu in der vergangenen Woche öffentlich zugesagt, "offen und transparent" zu kooperieren.

Die "Bild" vom Mittwoch berichtete in diesem Zusammenhang von einer großen Grundstücksschenkung Anton Schleckers an seine Kinder, wenige Monate bevor Schlecker im Januar 2012 Insolvenz anmeldete. Sohn Lars habe am 7. September 2011 ein 7000 Quadratmeter großes Firmengelände erhalten, zuvor habe Schwester Meike ein Grundstück der gleichen Größe bekommen, berichtete das Blatt unter Berufung auf einen Schenkungsvertrag. Zudem habe der Unternehmensgründer 2009, als die Drogeriekette bereits rote Zahlen schrieb, seiner Ehefrau Christa das auf acht Millionen Euro geschätzte Familienanwesen überschrieben.

ivi/AFP AFP

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