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Vor dem Prozess: Neue Vorwürfe gegen Schlecker: 68 Millionen Euro nicht versteuert?

Am Montag beginnt der Prozess gegen den einstigen Drogeriekönig Anton Schlecker und seine Familie. Im Vorfeld werden Vorwürfe über beiseite geschafftes Geld und nicht versteuerte Millionen laut.

Eine Mitarbeiterin der Drogeriekette Schlecker reißt das Firmenlogo von der Eingangstür einer Filiale ab

Anton Schlecker wird vorgeworfen, absichtlich einen Bankrott herbeigeführt zu haben. Nun werden Vorwürfe laut, dass die Familie Millionen auf die Seite geschafft haben soll.

2012 brach das Drogeriemarkt-Imperium von Anton Schlecker zusammen und löste ein Beben im deutschen Einzelhandel aus: 9000 Märkte im In- und Ausland standen vor dem Aus, 25.000 Menschen vor der Arbeitslosigkeit. Am Montag beginnt gegen Schlecker und seine Familie vor dem Landgericht Stuttgart der Prozess, unter anderem wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung, Veruntreuung und vorsätzlichen Bankrott.

Bereits vor dem Prozessauftakt sieht sich die Familie mit unangenehmen Vorwürfen konfrontiert. Die Schleckers sollen Medienberichten zufolge den Schaden für sich selbst begrenzt und mit verschiedenen Tricksereien im Zuge der Pleite Millionen beiseite geschafft haben.

Vorwurf Nr. 1: 66 Millionen Euro nicht versteuert?

Unter anderem steht offenbar das Finanzamt Ehingen auf der Matte: Wie Spiegel Online berichtet, wirft die Behörde den Schlecker-Kindern Lars und Meike vor, 68 Millionen Euro nicht versteuert zu haben. Sohn und Tochter des Gründers waren bis 2012 Gesellschafter des Logistik-Dienstleisters LDG. Hauptkunde des Unternehmens war Schlecker.

Kurz vor der Pleite gaben die Kinder ihrem Vater offenbar einen Kredit über 50 Millionen Euro, den die Kinder nach der Schlecker-Insolvenz abschrieben. Nach Auffassung des Finanzamtes sei das kein echtes Darlehen, sondern eine "verdeckte Gewinnausschüttung", gewesen, die die Kinder privat an den Vater durchsteckten. Ebenso wie unbezahlte Unternehmensrechnungen in Höhe von 18 Millionen Euro, die der Vater noch bei der LDG offen hatte, wie Spiegel Online weiter berichtet. Auf die insgesamt 68 Millionen Euro hätte Kapitalertragssteuer gezahlt werden müssen, was nicht geschehen sei.

Vorwurf Nr. 2: 26 Millionen Euro zur Seite geschafft?

Darüber hinaus sollen der Firmenpatriarch und seine Familie mehr als 26 Millionen Euro beiseite geschafft haben. Das gehe aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Stuttgart für den am Montag beginnenden Prozess hervor, berichtet die "Wirtschaftswoche".

Allein 16 Millionen Euro sollen demnach dem Zugriff der Gläubiger entzogen worden sein, indem Anton Schlecker sie durch überteuerte Verträge mit dem Logistikunternehmen LDG an seine Kinder verschob. Der Sohn und die Tochter waren Gesellschafter der LDG. In der Auflistung der Staatsanwaltschaft tauchen daneben laut "Wirtschaftswoche" unter anderem Schenkungen an Schleckers Enkelkinder, Beraterhonorare an seine Frau und eine Gewinnausschüttung der LDG auf.

Schleckers Anwalt Norbert Scharf sagte der "Wirtschaftswoche", die in der Anklageschrift aufgeworfenen Fragen "betreffen einen umfangreichen, komplexen und rechtlich schwer einzuordnenden Sachverhalt aus der Historie der Firma". Daher verböten sich voreilige Festlegungen.

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Ein letzter Kredit vom Lidl-Gründer

Die "Süddeutsche Zeitung" wiederum berichtet von einem letzten Kredit über 30 Millionen Euro, den Dieter Schwarz, Inhaber der Lebensmittel-Discounterkette Lidl, seinem Unternehmerkollegen Anton Schlecker kurz vor dem Zusammenbruch gewährt habe. Schlecker soll die Summe als "Privateinlage" in seinem angeschlagen Imperium verbucht haben.

Der Prozess gegen Anton Schlecker, seine Frau, seine beiden Kinder und zwei Wirtschaftsprüfer beginnt am Montag vor dem Stuttgarter Landgericht. Das Insolvenzverfahren läuft weiterhin und wird laut Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz noch mehrere Jahre dauern.

rös/dpa