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Milliardär Erwin Müller: Der Chef hört mit: Die dubiosen Methoden des Drogeriekönigs

Drogeriekönig Erwin Müller lässt sich vor Gericht als ehrenwerter Geschäftsmann inszenieren. stern-Recherchen zeigen, wie der Milliardär mit Mitarbeitern umspringt.

Von Dirk Liedtke, Wigbert Löer, Andreas Mönnich, Nina Plonka und Uli Rauss

Erwin Müller, 84, Drogeriekönig, Milliardär

Erwin Müller, 84, Milliardär. Er startete mit einem Ladengeschäft, expandierte und besitzt nun Deutschlands drittgrößte Drogeriekette.

Er kommt nicht, das ist schade. Zwar haben die Richter angeordnet, Erwin Müller müsse persönlich erscheinen zum Verfahren am Landgericht Ulm. Er klagt schließlich auf 45 Millionen Euro Schadenersatz. Doch diesem Prozess sein Gesicht geben, das will der scheue Patriarch lieber nicht.

Man hätte ihn gern erlebt, diesen Mann, 84 Jahre alt, der vom Friseur zum Milliardär aufstieg. Der aus einem Salon in Unterfahlheim bei Ulm ein Reich schuf mit 4,3 Milliarden Euro Umsatz und 770 Drogeriemärkten, die alle seinen Namen tragen. Zwischen Ruhrgebiet und Bodensee kennt jeder das schwarze Müller-M in orangefarbener Blüte, Hunderttausende Deutsche kaufen täglich bei ihm ein.

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Müller streitet vor Gericht gegen Sarasin-Bank

Die Schweizer Sarasin-Bank habe ihn bei Finanzgeschäften über den Tisch gezogen, lässt Müller an diesem Montag im April im Gerichtssaal seine Anwälte erklären. Die Bank widerspricht, Müllers Anwälte bleiben hart: "Schmarotzer-Fonds" habe man ihrem Klienten angedreht. Und Müller, nein, der habe nicht gewusst, was er tat.

Die "Schmarotzer-Fonds" waren sogenannte Cum-Ex-Geschäfte, bei denen Reiche und Superreiche sich die Kapitalertragssteuer gleich mehrfach erstatten ließen, ohne sie vorher überhaupt bezahlt zu haben. Ein Raubzug gegen die Staatskasse, von Banken trickreich organisiert. Der Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer, die Schauspielerin Veronica Ferres, der Fußballtrainer Mirko Slomka und der Fleischfabrikant Clemens Tönnies waren wie Müller beteiligt. Auch sie beteuern, die Anlagen nicht durchschaut zu haben.

"Müller, Friseur", so stellt sich Erwin Müller manchmal heute noch vor. Er startete mit einem Salon (hier 1967), expandierte und besitzt nun Deutschlands drittgrößte Drogeriekette.

"Müller, Friseur", so stellt sich Erwin Müller manchmal heute noch vor. Er startete mit einem Salon (hier 1967), expandierte und besitzt nun Deutschlands drittgrößte Drogeriekette.

Die Richter in Ulm werden in Kürze entscheiden. Vielleicht bekommt Müller sogar, was er fordert. Aber schon jetzt ist klar: Das Bild des Vorzeigeunternehmers, der sein Leben mal eine "schwäbische Variante" der amerikanischen Tellerwäschergeschichte nannte – dieses Bild hat eher wenig mit dem wahren Erwin Müller zu tun.

Über Jahrzehnte galten Unternehmer wie er, pflichtbewusst und sparsam, als Idealbild der deutschen Wirtschaft – die Verbindung von Ethos und Erfolg in der Person eines sorgenden Patriarchen. Vielleicht war diese Vorstellung schon immer falsch, zurzeit jedenfalls löst sie sich komplett auf. Da streitet der jahrzehntelang so verschwiegene Aldi-Clan öffentlich um Macht und Millionen. Da sitzt der ehemalige Drogeriekönig Anton Schlecker samt Frau und Kindern auf der Anklagebank, weil er vor der Pleite noch Millionen aus seiner Firma gezogen haben soll. Und dann ist da eben Erwin Müller.

Herrschsüchtiger Patriarch

Wie die Aldi-Brüder oder Anton Schlecker lebte auch Müller lange als Phantom. Er misstraute den meisten und mied öffentliche Auftritte. Seine Philosophie beschrieb der Schwabe mit: "Arbeit, Arbeit, Arbeit." Einer der früh in die Firma fährt, seine Mitarbeiter fordert und erst zur Ruhe kommt, wenn um 22.15 Uhr die Tagesumsätze vorliegen. Der sich schon mal mit "Müller, Friseur" vorstellte und auf diese Weise mit seinem Aufstieg kokettierte. Dessen einzige Extravaganz, so konnte man meinen, seine Liebe zu Hunden war, die durchaus merkwürdige Blüten trieb: Vor der Firmenzentrale in Ulm wacht in Bronze gegossen Müllers Pekinesen-Dackel-Mischling Gordi, der Herrchen über Jahre ins Büro begleitete.

Schon 2005 sah man Anita Burghardt an seiner Seite, eine dunkelhaarige Frau, fast 30 Jahre jünger, einst als Sekretärin ins Unternehmen gekommen. Sie wurde ein Jahr später Müllers zweite Ehefrau.

Anita brachte ein wenig Glamour in Müllers Leben. Das Paar zeigte sich fortan schon mal beim Ski-Polo in Kitzbühel, im Aachener Karneval, bei der Starkbierprobe auf dem Nockherberg.

Es bewohnt eine Villa hoch über Ulm. Auf dem Anwesen, Hausnummer 13, weht die Bayernflagge. Das cremefarbene Haupthaus hat drei Flügel, vor der halbrunden Front erstreckt sich ein Park mit Rundweg und Ziergärten.

Im Unternehmen avancierte Anita Müller zum "Lady-Boss". Sie machte sich Feinde. Man warf ihr vor, den Zugang zum Chef zu kontrollieren.

Frühere Führungskräfte schildern den Patriarchen als herrschsüchtig. Alles gehe über seinen Schreibtisch, die Haustechnik, defekte Kantinenstühle, Probleme mit der Papierentsorgung. Flugumbuchungen für 60 Euro können ihn aufregen. Ein erratisches Mikromanagement. Müller zerstreitet sich mit vielen, die Fluktuation der Manager ist hoch.

"Klima der Angst vor Bespitzelung unter Mitarbeitern"

Einer von ihnen: Reinhard Müller, 58, Erwin Müllers Sohn aus erster Ehe. Der Junior wollte das Unternehmen modernisieren. Irgendwann sprach er nur noch über Mittelsmänner mit dem Vater. Nach dessen Hochzeit mit Anita wurde Reinhard Müller aus der Geschäftsführung entfernt. Heute handelt er mit Waffen und führt – als Teil des Familienkonzerns – Europas größtes Indoor-Schießzentrum. Müller junior bietet Nachtsimulation, eine Tontaubenhalle von 22 Meter Höhe und einen unterirdischen 300-Meter-Stand. Das große Geld wirft das nicht ab. Aber dafür kratzt der Sohn nicht am Chefsessel.

In dem Schießparadies ging 2009 "persönlich/vertraulich" eine anonyme Anzeige ein, zwei Seiten, Kopie an die Staatsanwaltschaft in Ulm. "Wann wacht Ihr Vater endlich auf?", stand darin. Der Verfasser erhob schwere Vorwürfe gegen "Frau Anita Müller", von Mobbing und Schikanen war die Rede, von illegalen E-Mail-Kontrollen und Zugang zu allen Konten. Beweise gab es keine, die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Ermittlungen. Müller nicht.

Der Milliardär vermutete einen seiner Geschäftsführer hinter dem Schreiben. Er ließ linguistische "Gutachten" erstellen und dem Manager fristlos kündigen. Der berief sich auf Fehler, Müller kündigte noch mal und noch mal, insgesamt achtmal. Der Geschasste gewann vor Gericht, Müller ging in Revision, bis hoch zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe – und verlor auch dort.

Der Streit offenbart Müllers unnachgiebigen Führungsanspruch. Und er ermöglicht einen seltenen Blick in sein Reich. Aus den Schriftsätzen geht hervor, dass die Richter von "greifbar strafbaren Zuständen" erfuhren, von einem "Klima der Angst vor Bespitzelung unter den leitenden Mitarbeitern". Ein Zeuge erklärte, jemand habe für Müller "säckeweise Kassetten mit abgehörten Mitarbeitergesprächen" beseitigt.

Die Stasi-Methoden des Erwin Müller

Ein ehemaliger Mitarbeiter berichtete dem stern, dass Müller zuweilen auf der Rückbank seines S-Klasse-Mercedes saß, eine Kassette in den Walkman legte und über Kopfhörer die Mitschnitte von Telefonaten führender Manager anhörte. Einige Aufnahmen liegen dem stern vor. Per Stasi-Methode konnte der Chef so erfahren, wem der kaufmännische Leiter mehr Gehalt bewilligen wollte und wer aus Gesundheitsgründen an den Vorruhestand dachte. Es ist auf den Aufnahmen zu hören, wie seine Angestellten lästerten, der kaufmännische Leiter etwa, der dem Firmenanwalt verriet, dass bei einem Immobiliengeschäft Entscheidendes übersehen wurde: "Total schief g'laufe. Da ist eigentlich falsch g'macht worden, was falsch g'macht werden konnte."

Gerüchte über Abhörmethoden gab es im Management schon vorher, weil Müller immer mal wieder Vertrauliches aus Zweiergesprächen wusste. Die Richter verfolgten die Aussagen in dem Kündigungsschutzverfahren jedoch nicht weiter. Der Manager, den Müller unbedingt loswerden wollte, verließ das Unternehmen irgendwann tatsächlich. Er kassierte dafür. Und Müller konnte den Schein des Vorzeigeunternehmers wahren – nach außen.

Nach innen aber befahl nur einer: er. Kontrolle und Einschüchterung, Müller war da nicht zimperlich. Mitbestimmung, Gewerkschaften oder gar Betriebsräte empfand er als Frechheit. Sorgte er denn nicht selbst für seine Angestellten?

"Dieser Müller, was soll ich sagen?" Das waren die Worte des Lagerarbeiters Ahmet Harmanci in seinem Abschiedsvideo. Harmanci kämpfte für einen Betriebsrat. Er verlor seinen Job – später nahm er sich das Leben.

"Dieser Müller, was soll ich sagen?" Das waren die Worte des Lagerarbeiters Ahmet Harmanci in seinem Abschiedsvideo. Harmanci kämpfte für einen Betriebsrat. Er verlor seinen Job – später nahm er sich das Leben.

 Ahmet Harmanci war einer von ihnen, seit 2005 im Unternehmen, Kommissionierer im Zentrallager in Ulm, Stundenlohn damals acht Euro. Am Morgen des 20. April 2011 kam Harmanci, Anfang 30, glatt rasiert, volles schwarzes Haar, vom Arbeitsamt zurück. Er setzte sich auf sein blaues Sofa und schaltete die Webcam am Laptop an. "Ich bekomme keine Luft mehr", sagte er, zuerst auf Deutsch, dann auf Türkisch. "Ich möchte Suizid begehen." Dann schnäuzte er sich.

Verdi bezeichnet den Nüller-Konzern als "Black Box"

Harmanci hatte zu jenen gezählt, die mithilfe der Gewerkschaft einen Betriebsrat bei Müller gründen wollten. Der Patriarch hatte sich juristisch gewehrt, erfolglos. Harmanci war in ein anderes Lager versetzt worden. Im Fernsehen hatte er dann die Strafversetzung auch von anderen Müller-Mitarbeitern bestätigt, von solchen, hatte Harmanci gesagt, "die öfter krank sind, die schwerbehindert sind, die meisten also, die Leute, die alt sind".

Daraufhin bekam der Lagerarbeiter Post – von Erwin Müller persönlich. "Hetzkampagnen", "Stänkern, Miesmachen", "übelste Diffamierungen", solche Worte schrieb Müller. Er dürfe "doch wohl ein gewisses Maß an Respekt erwarten" als "Unternehmer mit nachweislich hoher sozialer Kompetenz". In 20 Punkten listete der Konzernchef auf, warum Betriebsräte in seinem Unternehmen nichts zu suchen hätten, darunter: der Ampelübergang vom Parkplatz zur Zentrale. Die jährlich "reich gefüllte Nikolaustüte". Der gelbe Boden im Lager, der für "angenehme Atmosphäre" sorge, "obwohl dieser teurer ist als Asphalt".

Harmanci bekam Hausverbot. Er klagte. Und wurde wenig später gefeuert. Grund dafür, so schrieb ihm das Unternehmen, seien "die häufigen (Kurzzeit-)Erkrankungen", zusammen mit einer "entsprechenden negativen Gesundheitsprognose".

"Mama, ich liebe dich sehr. Bleibt zusammen", sprach Harmanci an jenem Aprilmorgen 2011 auf seinem Sofa in die Kamera. "Sie haben mich alle niedergemacht. Niedergemacht." Und: "Dieser Müller, was soll ich sagen?"

Man sieht ihn weinen in dem Video. Zwei Tage nach der Aufnahme fand man Ahmet Harmanci tot in seiner Wohnung. Auf einem Zettel hatte er die Dateinamen mit dem Abschiedsvideo hinterlassen. Erwin Müller ließ Fragen zum Tode Harmancis und zu den weiteren Recherchen des stern unbeantwortet*.

Der Milliardär hält bis heute nichts von Betriebsräten. Gerade hat er es in Österreich wieder zu Protokoll gegeben. Eine Gewerkschafterin hatte dort Müller-Angestellte zum Interesse an Betriebsräten befragt. Gegenüber der Zeitung "Junge Welt" zitierte sie aus Müllers Reaktion darauf: "... möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich meine Mitarbeiter wie bisher selbst führen werde und bei uns im Aufenthaltsraum rote Kuverts ausliegen, wo jeder MA, wenn er einen Wunsch oder ein Problem hat, an mich direkt schreiben kann."

2012 hat Erwin Müller seinem Unternehmen eine verschachtelte Struktur verpasst. Die "Müller Holding" wird seitdem von einer englischen Briefkastenfirma geführt, der "Müller Management Ltd". Das erspart dem Chef unter anderem einen Aufsichtsrat mit Arbeitnehmervertretern. Die Gewerkschaft Verdi bezeichnet den Konzern als "Black Box".

So hart wie nach innen tritt Müller auch gegenüber Geschäftspartnern auf. Da nimmt er zuweilen wenig Rücksicht – und zieht im Konfliktfall vor Gericht. Das zeigt ein Streit auf Mallorca.

Deals unter der Sonne

Auf der Insel ließ Müller zwei Fincas bewirtschaften, eine mit Ölbäumen, die andere mit Mufflons, Straußen und Weinstöcken. Seine Villa lag an einem Hang, mit Meerblick und Palmengarten. Auf seinem Golfplatz Canyamel spielte deutsche Wirtschaftsprominenz wie Hartmut Mehdorn oder Josef Ackermann. Müller eröffnete auf Mallorca Drogerie-Läden und gründete Unternehmen. Und so kann man dort auch Müllers langjährigen Geschäftspartner Gabriel Alcina treffen, Ende 60, ein Immobilienunternehmer in Shorts und Poloshirt. Alcina führte Müllers Mallorca-Filialen. Andere Firmen gehörten ihm und dem Milliardär gemeinsam. Der Spanier nennt den Deutschen "un personaje", eine Persönlichkeit, ein Unikat. Er sagt: "Was Müller macht, macht er gut. Sonst macht er es nicht."

Alcina holte Müller oft vom Flughafen ab. Sie waren sich nahe, manchmal schnitt Müller Alcina die Haare. Irgendwann stritten sie um Geld. Alcina fand heraus, dass Müller heimlich mit dem Kapital einer gemeinsamen Firma gezockt hatte, sogenannte Swap-Geschäfte, hochriskant und schließlich auch verlustreich. Fast eine Million Euro ging verloren. Am Ende musste Müller zahlen, wie viel, das darf Alcina nicht sagen. Er darf aber lächeln.

Müller spielte gern an den Finanzmärkten. Auch diese Zockereien passen so gar nicht zum Bild des bodenständigen Unternehmers, das er gern von sich zeichnet. Zur "Arbeit, Arbeit, Arbeit" kam Risiko, Risiko, Risiko. Müller schloss etwa Wetten auf Euro und türkische Lira gegen den Schweizer Franken ab. Ein Hundenarr, der mit den Haien spielte – und einen Verlust von 241 Millionen Euro in seine Firmenbilanz spekulierte.

Einen Teil dieser Geschäfte wickelte Erwin Müller über geheime Konten ab. 2010 zeigte er sich selbst an. Müller hat demnach bei Deals in der Schweiz zwischen 1999 und 2007 teils Schwarzgeld eingesetzt. Er zahlte Steuern nach und kam ohne Haftstrafe davon.

Die nun vor Gericht verhandelte Finanzaffäre begann in der Zentrale in Ulm im März 2010, Müller hatte gerade ein Führungskräfteseminar abhalten lassen. In der ersten Reihe saß der Patriarch, auf dem Schoß ein Hündchen. Dessen Napf stand unterm Stuhl, gleich neben Anita Müllers High Heels. 116 Müller-Manager hörten Referate zur sozialen und emotionalen Kompetenz und auch zur Vorbildfunktion.

Ein Zocker mit Niveau

Zwei Tage später empfing Müller einen Besucher aus der Schweiz, der bei ihm für ganz und gar nicht vorbildhafte Geschäfte warb: für jene die Staatskasse belastenden Cum-Ex-Deals. Der Mann trug einen Doktortitel und das schwarze Haar gestriegelt. Geschickt hatte ihn Eric Sarasin, Teilhaber des Geldhauses Sarasin & Cie AG in Basel, das heute J. Safra Sarasin heißt.

Für die Bank war Erwin Müller einer der vielversprechendsten Privatkunden, mit riesigem Potenzial. Müller unterhielt seit 2005 ein Depot bei der Bank. Er hatte auch Konten einrichten lassen, für die Müller KG, für Tochterfirmen, für sich selbst. Gutachter der Wirtschaftskanzlei Freshfields beschreiben das Profil des Großanlegers so: "ein äußerst erfahrener Investor", "vertraut mit komplexen Finanzprodukten" und "willens, beträchtliche Risiken einzugehen und in unorthodoxe Investments ein zusteigen".

Ein Zocker mit Niveau also. Irgendwann erwähnte der Sarasin-Banker eine Anlage, bei dem Fonds mit "Dividendenstripping“ Geschäfte machten, Ziel-Performance zehn bis zwölf Prozent.

Der Kick des großen Geldes "Kunde kauft zwei Dividenden Arbitrage Fonds", notierte die Bank später in einem Kundenkontaktbericht. Weil Müller den Zeichnungsschein für einen Fonds nicht sofort unterschreiben konnte – er war gerade zur Jagd in Argentinien – schrieb die Sarasin-Bank: "Sehr geehrte Familie Müller, wir danken Ihnen, insgesamt 100 Mio. EUR in zwei Fonds zu investieren". Müller kassierte anschließend zwei Rückzahlungen über je rund 55 Millionen Euro, machte also, Waidmannsdank, ein Plus von 10,3 Millionen Euro.

Die Sarasin-Bank blieb dran an ihrem XXL-Kunden, der zu den reichsten 100 Deutschen zählt. Sie ließ das Sondergeschäft "Bond Stripping I" entwickeln, exklusiv für Müller, Volumen: 183 Millionen Franken.

Dann aber blockierte der deutsche Fiskus die Erstattung von Kapitalertragssteuern bei ausländischen Cum-Ex-Geschäften, plötzlich, unerwartet. Müller hatte die Sarasin-Bank jedoch angewiesen, noch einmal 50 Millionen Euro nach Luxemburg und von dort zu Pensionsfonds in den USA zu transferieren. Diesmal, Waidmannspech, kam keine Rendite.

*Kurz nach Erscheinen dieses Artikels im stern, Nr. 20, reagierte Erwin Müller in der "Augsburger Allgemeinen" mit einer kurzen Erklärung. Diese kann hier nachgelesen werden.


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