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Lohngefälle: Gehaltserhöhung von der EU?

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Leider nicht in Deutschland: Hier bekommen Männer pro Stunde durchschnittlich 22 Prozent mehr Gehalt als Frauen. Und auch in der restlichen EU sieht's nicht allzu rosig aus. Das will die EU-Kommission jetzt mit Gesetzen ändern.

Die EU-Kommission plant neue Gesetze gegen das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen. Erste Vorschläge könnten 2008 auf den Tisch kommen, sagte EU-Arbeitskommissar Vladimir Spidla am Mittwoch in Brüssel. Der Kommissar denkt dabei auch an Deutschland, wo die Unterschiede extrem groß sind. Deutsche Männer bekommen pro Stunde durchschnittlich 22 Prozent mehr Gehalt als Frauen, die oft auf Posten oder in Branchen mit niedriger Bezahlung arbeiten. Im EU-Durchschnitt klaffe die Einkommensschere um 15 Prozent auseinander.

"Das ist nicht akzeptabel"

"Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich das auf Dauer verbessert", sagte Spidla. "Das ist ganz einfach nicht akzeptabel." Er habe deshalb die zweite Phase von Gesprächen mit den Sozialpartnern eingeleitet: Das sei ein Vorbote möglicher Gesetze etwa zur Arbeitszeit, zum Entlohnungssystem oder zum Vaterschaftsurlaub. Spidla lobte wichtige und gute Entscheidungen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland. Der Grundsatz "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" ist Spidla zufolge zwar weitgehend verwirklicht.

Frauen seien aber oft in schlechter bezahlten Funktionen tätig, weil sie ihre Karriere zur Kindererziehung unterbrächen und die Hausarbeit ihnen wenig Zeit für Weiterbildung und geforderte Überstunden lasse. "So geht es nicht", meinte Spidla und forderte die Männer zur Mithilfe auf: "Wir können diesen Gehaltsabstand nicht verringern, wenn wir nicht zu Hause mehr Aufgaben übernehmen."

Kleine Firmen zahlen besser

Frauen seien häufig auch in Berufsfeldern mit niedrigerem Lohnniveau tätig: "Wie erklärt es sich, dass eine Krankenschwester weniger verdient als ein Polizist?", fragte der EU-Kommissar. Er hob hervor, dass die Lohnunterschiede in kleinen Firmen geringer seien als in Großunternehmen. Das hänge mit der Sichtbarkeit der Benachteiligung zusammen. In Schweden habe man darauf reagiert und Unternehmen zur jährlichen Rechenschaft darüber verpflichtet.

In Schweden war die Differenz ebenso wie in Finnland, Dänemark und Deutschland von 1995 bis 2005 gewachsen. Doch das deutsche Lohngefälle von 22 Prozent wurde nur in der Slowakei mit 24 Prozent sowie in Estland und Zypern mit je 25 Prozent übertroffen. EU-weit sei der Unterschied binnen 25 Jahren um zwei Punkte auf 15 Prozent geschrumpft, sagte Spidla. In diesem Tempo würde es noch 187 Jahre bis zur gleichen Bezahlung von Männern und Frauen dauern.

Gewerkschaft begrüßt Vorstoß

Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) lobte die Vorschläge der Kommission, die den gesetzlichen Rahmen verbessern und Arbeitgeber zur Verringerung der Unterschiede anhalten sollen. "Dennoch würden wir gerne mehr konkrete Maßnahmen sehen, einschließlich der Wiedereinführung eines ausdrücklichen Ziels und Zeitplans zum Abbau des Lohngefälles in der europäischen Beschäftigungsstrategie", sagte die EGB-Expertin Catelene Passchier.

DPA / DPA
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