Luftverkehr Lufthansa-Kapitalspritze in Rekordhöhe stößt auf Kritik


Das Überraschungsmoment hatte die Lufthansa in jedem Fall auf ihrer Seite, als sie am Montag die größten Kapitalerhöhung der Luftfahrtgeschichte bekannt gab. Das Wohlwollen der Anleger und des Marktes blieb aber vorerst aus.

Das Überraschungsmoment hatte die Lufthansa in jedem Fall auf ihrer Seite, als sie am Montag die größten Kapitalerhöhung der Luftfahrtgeschichte bekannt gab. Das Wohlwollen der Anleger und des Marktes blieb aber vorerst aus. Börsen und Investoren reagierten verschnupft auf einen Coup, der 750 Millionen Euro in die Kassen des Unternehmens spülen soll. Mit der Ausgabe neuer Aktien zwischen dem 3. und 16. Juni will die Deutsche Lufthansa vor allem den Kauf des neuen Großraumairbus A 380 finanzieren. Der vermeintliche Schritt in eine bessere Zukunft könnte sich aber auch als Fehltritt erweisen.

Geld für neuen Großraumjet

Die Lufthansa will sich mit dem A 380 und anderen neuen Airbus- Maschinen ihrem Chef Wolfgang Mayrhuber zufolge auf das profitable Geschäft mit Langstreckenflügen zwischen internationalen Drehkreuzen, so genannten Hubs, konzentrieren. Der Großraumjet gilt als wichtiger Baustein eines insgesamt 4,7 Milliarden Euro schweren Programms, mit dem das Unternehmen zur führenden Netzfluggesellschaft aufsteigen will.

Deutschlands größte Airline will 76,32 Millionen Aktien zu mindestens 9,85 Euro ausgeben. Die Aktie der Lufthansa gab daraufhin am Montag gegen den Markttrend nach und sackte anfänglich um 6,77 Prozent ab. Am späten Nachmittag lag der Kurs entgegen dem allgemeinen Trend mit 11,52 Euro noch immer um 4,87 Prozent im Minus und war damit der schwächste DAX-Wert.

Aktionäre lieben Kapitalerhöhungen nicht

Allen Zukunftsvisionen zum Trotz sind Kapitalerhöhungen bei Anlegern nicht sonderlich beliebt, verwässern sie doch durch die höhere Stückzahl den Konzerngewinn je Aktie und belasten den Kurs. Überdies fordert Lufthansa den Anlegern und Mitarbeitern für den Konkurrenzkampf einiges ab. Die Aktionäre sollen deutlich mehr Geld nachschießen, als in den vergangenen Jahren an Dividende gezahlt wurde. Bei den Mitarbeitern steht möglicherweise das Einfrieren der Gehälter an.

Nach Einschätzung von LRP-Analyst Per-Ola Hellgren können die Chancen, die die Investition in den A 380 bieten, die Verwässerung des Gewinns nicht ausgleichen. Im Falle der Lufthansa aber soll das Geld überdies in ein Projekt gesteckt werden, das selbst noch nicht realisiert ist, kurz: in ein Flugzeug, das noch nicht fliegt. Risiken und Verzögerungen sind möglich.

Stabliste Bilanz der ganzen Branche

Die Entscheidung sei angesichts der soliden Lufthansa-Bilanz nicht nachzuvollziehen, meint Luftfahrtanalyst Antony Bor von Merrill Lync. "Lufthansa hat die stabilste Bilanz der ganzen Branche. Der zu erwartende Kassenbestand ist mehr als ausreichend, um die geplanten Ausgaben zu decken." Bei der Fondsgesellschaft Union Investment hieß es, die expansive Strategie sei "mit Vorsicht zu genießen". Lufthansa-Finanzvorstand Karl Ludwig Kley verteidigte den Schritt: "Wir haben uns entschieden, das zu machen, wenn der Markt reif ist und die eigentlichen strategischen Ziele es erfordern." Überdies bewahre sich Lufthansa damit ihre finanzielle Flexibilität.

Er hätte eine normale Kreditaufnahme für ausreichend gehalten, sagte Nils Machemehl von der Privatbank MM Warburg. Möglicherweise wolle sich die Lufthansa ein Türchen für Akquisitionen offen halten. Das wenige Lob für die Lufthansa kam dagegen von Aktionärsschützern. Die Entscheidung der Lufthansa sei langfristig richtig, meinte Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Ulrich Hocker. "Das muss sein. Wer in der ersten Reihe mitspielen will, der braucht den Großraumairbus." Die Lufthansa versüßte den Anlegern überdies die Entscheidung und gab bekannt, für 2004 sei wieder mit einer Dividende zu rechnen.

Michael Friedrich und Rüdiger Schoß, dpa DPA

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