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Medien: Reuters plant nach Rekordverlust Stellenabbau

Der weltgrößte Nachrichten- und Informationskonzern Reuters will sich nach einem Rekordverlust in dreistelliger Millionenhöhe stärker auf seine Kerngeschäfte konzentrieren und rund 3.000 weitere Jobs streichen.

Für 2003 gab sich Reuters skeptisch und kündigte für das erste Halbjahr einen weiteren Umsatzrückgang im Kerngeschäft an. Firmenchef Tom Glocer legte am Dienstag in London ein neues Restrukturierungsprogramm vor, mit dem Reuters in den kommenden drei Jahren rund 440 Millionen Pfund (657 Millionen Euro) einsparen will. Infolge der schwachen Wertpapiermärkte sowie hoher Firmenwertabschreibungen und Restrukturierungskosten verbuchte der britische Traditionskonzern 2002 mit 394 Millionen Pfund den höchsten Nettoverlust seiner 151-jährigen Geschichte.

Weiterer Stellenabbau

Die Mitarbeiterzahl soll bis Ende 2005 weltweit um 3.000 sinken. Derzeit sind in der Reuters-Gruppe insgesamt rund 18.000 Menschen beschäftigt, davon 16.000 im Kerngeschäft. In den vergangenen beiden Jahren hat Reuters konzernweit bereits rund 3.200 Stellen abgebaut. An der Londoner Börse sackte der Kurs der Reuters-Aktie am Morgen um mehr als zwölf Prozent auf 135 Pence ab, den tiefsten Stand seit 13 Jahren.

Trotzdem weitere Übernahme

Ohne Firmenwertabschreibungen, Wertberichtigungen und Verlusten aus Beteiligungsverkäufen sank der Vorsteuergewinn im Konzern um mehr als zwei Drittel auf 89 Millionen Pfund. In diesem Wert, der am oberen Rand der Analystenerwartungen lag, sind Restrukturierungskosten von rund 208 Millionen Pfund enthalten. Reuters kündigte zugleich die Übernahme des US-Informationsdienstleisters Multex - die Firma erstellt für Finanzkunden Geschäftsprognosen über weltweit rund 25.000 Unternehmen - für rund 195 Millionen Dollar an.

Krise der Finanzmärkte trifft hart

Reuters reagiert mit dem neuen Restrukturierungsprogramm auf die Krise an den Finanzmärkten und die damit verbundenen Einschnitte bei den Kunden des Anbieters von Finanznachrichten, Daten und Handelstechnologien für den Finanzsektor. Reuters solle so aufgestellt werden, dass das Unternehmen "auch einen sehr lang anhaltenden Bären-Markt profitabel überstehen wird", sagte Firmenchef Glocer zu Journalisten mit Blick auf die anhaltend schwachen Aktienbörsen. Die Investmentbanken-Branche, mit der Reuters etwa ein Drittel seines Umsatzes im Kerngeschäft erzielt, hat in den vergangenen Jahren schätzungsweise 100.000 Stellen gestrichen, was das Geschäft von Finanzinformationsanbietern wie Reuters und seinem wesentlichen Wettbewerber Bloomberg LP erheblich belastet.

Restrukturierung belastet Ergebnis

Der Konzernumsatz von Reuters verringerte sich 2002 um acht Prozent auf 3,58 Milliarden Pfund (rund 5,34 Milliarden Euro), wobei hier die elektronische Handelsplattform Instinet mit einem Erlösrückgang von mehr als 30 Prozent besonders stark zu Buche schlug. Das Reuters-Kerngeschäft ohne Instinet steigerte unterdessen den Vorsteuergewinn um 51 Prozent auf 194 Millionen Pfund. Die operative Gewinnmarge habe hier mit 13,1 Prozent die eigene Zielmarke von zwölf Prozent überstiegen, teilte Reuters mit.

Skepsis für 2003

Für das Geschäftsjahr 2003 zeigt sich Reuters allerdings noch skeptisch. Es werde erwartet, dass die regelmäßigen Einnahmen - die 90 Prozent der Reuters-Erlöse ausmachen - im ersten Quartal um mindestens neun Prozent und im zweiten Quartal noch etwas stärker zurückgingen, hieß es. Für das Gesamtjahr werde jedoch erneut von einer operativen Gewinnmarge von zwölf Prozent ausgegangen, allerdings vor Restrukturierungskosten, die sich 2003 allein auf 160 Millionen Pfund belaufen sollen.

Hohe Kosteneinsparung geplant

Im Rahmen des Restrukturierungsprogramms will sich Reuters stärker auf seine Kernkompetenzen als Informationslieferant konzentrieren. Bis Ende 2005 sollen Einsparungen von 440 Millionen Pfund realisiert werden, denen allerdings Restrukturierungskosten von 340 Millionen Pfund gegenüber stünden. Über fünf strategische Schritte plant Reuters die Rückkehr zu alter Ertragsstärke. Dabei will Reuters auf eine Plattform für die Verteilung von Daten und Nachrichten setzen, sein Produktangebot vereinfachen, dieses noch gezielter an Kundeninteressen ausrichten und sich zudem von Bereichen außerhalb des Kerngeschäfts verstärkt trennen. Analysten werteten den Ausblick von Reuters als enttäuschend.