Milliardenbetrüger Madoff soll 150 Jahre brummen


Bernard Madoff hat mit einem Schneeballsystem Dutzende von Milliarden verzockt und so Tausende Anleger um ihr Vermögen gebracht. Am Montag fällt das Urteil. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Vorstellung von einer gerechten Strafe für den 71-Jährigen bereits formuliert.

Wenige Tage vor der Urteilsverkündung im Prozess gegen den geständigen Milliardenbetrüger Bernard Madoff hat die US-Staatsanwaltschaft eine Haft bis zum Lebensende gefordert. Der Betrug sei einzigartig in Umfang und Dauer, angebracht wäre deswegen eine Verurteilung zu 150 Jahren für den 71-Jährigen. Madoffs Anwalt plädierte auch wegen des Alters seines Mandanten für lediglich zwölf Jahre Haft. Das Strafmaß soll am Montag festgelegt werden.

Ein New Yorker Gericht entzog Madoffs Ehefrau derweil den Großteil des noch millionenschweren Familienbesitzes entzogen. Villen, Autos, Yachten und anderes Vermögen im Gesamtwert von mehr als 80 Millionen Dollar sollen der Entschädigung der Opfer dienen.

Immerhin 2,5 Millionen Dollar (1,8 Millionen Euro) darf Ehefrau Ruth, 68, behalten. Diesen Vergleich mit den Strafverfolgern segnete Richter Denny Chin am Freitag in New York ab. Das Nobel-Appartement im Stadtteil Manhattan, in dem das Paar zuletzt wohnte, wird wie andere Immobilien auch verkauft.

Mega-Betrüger Madoff will bei seinem 65 Milliarden Dollar schweren Schneeballsystem ganz allein gehandelt haben. Die Ermittler werfen seiner Frau bisher nichts vor. Auch seine zwei Söhne und sein Bruder, die alle mit in der Firma beschäftigt waren, sollen nichts gewusst haben. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt bisher nur noch einen externen Buchprüfer.

Der 71-jährige Madoff hatte sich vor dem Bezirksgericht in Manhattan in allen elf Anklagepunkten für schuldig bekannt, darunter Betrug, Geldwäsche und Untreue. Richter Chin lehnte daraufhin eine Freilassung gegen Kaution ab. Der ehemalige Verwaltungsratschef der Technologiebörse Nasdaq hat laut Anklage weltweit 4800 Anleger um ihr Vermögen gebracht. Gewinne bestehender Kunden bezahlte er mit dem Geld neuer Anleger. In der Finanzkrise zogen Anleger hohe Summen ab und brachten das System so zum Einsturz.

Nach Berechnungen der Ermittler floss in Madoffs Firma die enorme Gesamtsumme von 170 Milliarden Dollar. Diese vom Gericht im Grundsatz bestätigte Summe hat aber laut Einschätzung von Experten eher Symbolcharakter. Sie soll die Basis für Entschädigungsansprüche der Opfer sein. Der Großteil des Geldes gilt aber als verloren. Neben dem Strafprozess gibt es eine Flut weiterer Rechtsstreitigkeiten. Weltweit kämpfen Opfer um ihre Vermögen und verklagten dazu auch beteiligte Fondsgesellschaften und Banken. Erste Gelder wurden bereits zurückgezahlt. Einige Banken boten Entschädigungen an.

Reuters/DPA/AP AP DPA Reuters

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