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Gigantischer Anlagebetrug: Madoff droht nun doch U-Haft

Der Milliardenbetrüger Bernard Madoff kommt möglicherweise doch in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft dem New Yorker Pleite-Investor vor, gegen Kautionsauflagen verstoßen zu haben. Erstmals beschäftigte sich der US-Kongress mit dem Skandal und warf der Börsenaufsicht eklatantes Versagen vor.

Der frühere US-Börsenchef und Milliardenbetrüger Bernard Madoff soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft kommen. Madoff, der seit Dezember unter Hausarrest steht, habe gegen die Kautionsauflagen verstoßen, teilte die Anklagebehörde in New York mit. Abgeordnete des US-Kongresses haben der amerikanischen Börsenaufsicht (SEC) unterdessen im Zusammenhang mit dem milliardenschweren Betrugsskandal Versagen auf ganzer Linie vorgeworfen. Als Konsequenz forderten sie eine Neuordnung der Aufsichtsbehörde, die den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts entspreche. "Unser Kontrollsystem hat offenkundig jämmerlich versagt, und wir müssen es jetzt umbauen", sagte der Abgeordnete Paul Kanjorski von den Demokraten am Dienstag bei der ersten Anhörung zum Madoff-Skandal in dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses. Sein republikanischer Kollege Spencer Bachus forderte ebenfalls eine Umstrukturierung der Börsenaufsicht.

Börsenaufsicht räumt Fehler ein

Der Generalinspekteur der SEC, David Kotz, räumte bei der Anhörung Versäumnisse ein und kündigte die Ausweitung einer bereits von SEC-Chef Christopher Cox angeordneten internen Untersuchung an. Unter anderem will er auch die Kontakte zwischen Mitarbeitern der Börsenaufsicht und der Madoff-Familie genau unter die Lupe nehmen. Kotz argwöhnt, dass berufliche und "soziale" Beziehungen zu Madoff das Verhalten der Kontrolleure beeinflusst haben könnten.

Der scheidende SEC-Vorsitzende Cox hat bereits im vorigen Monat Fehler eingeräumt und zugleich seine Mitarbeiter in ungewöhnlich scharfer Form kritisiert. Diese hätten es im vergangenen Jahrzehnt viele Male versäumt, trotz glaubhafter Anschuldigungen Hinweisen über ein Fehlverhalten Madoffs gründlich nachzugehen, sagte Cox im Dezember.

Bereits 1999 wurde die Behörde von einem Börsenaufseher in Boston gewarnt, bei Madoffs Gewinnen könne etwas nicht mit rechten Dingen zugehen. Auch spätere Warnungen führten jedoch nicht zur Einleitung einer formellen Untersuchung, bei der Madoff unter Eid hätte aussagen müssen, wie Cox einräumte. Vielmehr habe sich die Aufsichtsbehörde bei Nachfragen auf von Madoff freiwillig vorgelegte Zahlen verlassen.

Juwelen an Verwandte und Freunde geschickt?

Madoff ist Gründer der Bernard L. Madoff Investment Securities LLC. Wegen Verdachts auf massiven Betrug war Madoff, der maßgeblich am Aufbau der Technologiebörse Nasdaq beteiligt war, im Dezember festgenommen worden. Er soll Kunden, die ihr Geld bei seinem Unternehmen anlegten, hohe Renditen versprochen haben. Diese hat er zwar bezahlt, doch in einem Schneeballsystem wurden die Renditen mit Geldern neuer Anleger finanziert, irgendwann brach das System zusammen. US-Ermittler befürchten einen Schaden von bis zu 50 Milliarden Dollar.

Madoff, der seit Dezember in seinem Luxus-Appartement in Manhattan unter Hausarrest steht, könnte nun doch in Untersuchungshaft landen. In einer gerichtlichen Anhörung warf ihm die Staatsanwaltschaft vor, Wertgegenstände aus seinem persönlichen Besitz an andere Parteien verschickt und damit gegen Kautionsauflagen verstoßen zu haben. Im Zuge des Verzichts auf U-Haft hatte das zuständige Gericht das Einfrieren von Madoffs Vermögenswerten verfügt.

US-Medien berichteten, Madoff und seine Frau hätten Uhren, Schmuck und andere wertvolle Gegenstände in Höhe von rund einer Million Dollar an seinen Bruder und ihren Sohn sowie ein befreundetes Paar in Florida geschickt. Madoffs Anwalt sagte laut "Wall Street Journal", sein Mandant habe die Gegenstände "unschuldig" verschickt und nicht gegen seine Kautionsauflagen verstoßen. Der zuständige Richter will über den Antrag der Anklagebehörde auf Untersuchungshaft erst in einigen Tagen entscheiden: Zunächst sollen sich beide Parteien schriftlich detaillierter zu den Vorwürfen äußern.

AP/DPA/AFP / AP / DPA