HOME

Nie wieder ...: ... die kleinen Sternchen übersehen

Die Zinsversprechen klingen verlockend. Haken und Ösen verbergen Banken zunehmend geschickter - in klein gedruckten Erklärungen eingefügter Sternchen.

Mit gut klingenden Zahlen trommeln Banken gern für ih-re Zinsprodukte: "Garantiert 3,5 % Zinsen im ersten Jahr und die Chance auf mehr!", wirbt die Deutsche Bank in Anzeigen. Noch mehr bietet die "Topzins-Anlage" der Commerzbank. Sie sei "ein Meisterwerk: Hohe Zinsen und trotzdem hohe Sicherheit" und bringe "volle 4 % Zinsen* für ein Jahr".

Lassen Sie sich

von solchen Zinsversprechen nicht blenden. Stellen doch Geldhäuser im Regelfall nur das heraus, was Anlegern Appetit macht. Dagegen verstecken oder verheimlichen sie für Sparer wichtige, aber unerfreuliche Informationen im Kleingedruckten. Der genaue Blick, ob in der Anzeige oder im Flyer hinter den Verheißungen eines vermeintlichen Zinsknüllers ein kleines, unscheinbares Sternchen oder Ähnliches auftaucht, ist unerlässlich geworden. Leider.

Um die Vier-Prozent-Kampagne der Commerzbank zu entschlüsseln, muss notfalls eine Lupe her: Die Erklärung des Sternchens, gedruckt in Super-Mini-Schrift, findet sich ganz unten auf der dritten Seite des Flyers. Quasi in einer Randnotiz erfährt dort der Sparer, was sich hinter dem Angebot verbirgt: "*Die Topzins-Anlage ist eine Inhaberschuldverschreibung der Commerzbank." Der Käufer gibt der Großbank also einen Kredit. Erst auf Nachfrage räumt die Commerzbank ein, dass es sich um eine "nachrangige Inhaberschuldverschreibung" handelt. Und das bedeutet nichts Gutes: Geriete die Commerzbank wider Erwarten in Zahlungsschwierigkeiten oder ginge sie gar pleite, würden zunächst alle anderen Gläubiger entschädigt - erst dann kämen die Nutzer der "Topzins-Anlage" zum Zuge. Der Sparer trägt also das Verlust- risiko bis hin zum Totalausfall selbst. Die "Topzins-Anlage" ist damit alles andere als ein "Meisterwerk" mit "hoher Sicherheit". Denn: Höhere Zinsen bedeuten in der Regel auch ein höheres Risiko.

Werbung und Wirklichkeit klaffen auch bei anderen Sparangeboten wie dem "db Zinshoch" der Deutschen Bank weit auseinander. Um potenziellen Kunden eine heile Zinswelt mit der "Chance auf mehr!" in den Folgejahren vorgaukeln zu können, wird getrickst. Die Deutsche Bank versteckt die negativen Anlagebedingungen cleverer als die Konkurrenz. Denn die Schlagzeile mit dem Zinsknüller "Garantiert 3,5 % im ersten Jahr und die Chance auf mehr" bleibt frei von Einschränkungen - auch ein Sternchen fehlt.

Stattdessen wählt die Deutsche Bank zwei Klammern. Darin steht im Fußnotenformat: "(Der Emittent hat nach 12 Monaten ein Sonderkündigungsrecht)." Macht die Bank davon Gebrauch, platzen Anlegerträume von mehr Zinsen nach dem ersten Jahr.

Fündig werden kritische Kunden

momentan auch bei Cortal Consors: "3,5 % Superzins" - aber nur für Neukunden bis 10.000 Euro. Und bei der Citibank: "3,4 % für 1 Jahr garantiert" - allerdings erst ab 2500 Euro Anlagesumme. Beide Hinweise stehen in einer klitzekleinen Fußnote. Ein echtes Sternchen gibt es bei den "1.000 SchwedenKronen Extra-Einlage*" der SEB-Bank. Aber nur für neueröffnete Depots, Mindesteinlage 15.000 Euro, gebührenfrei nur bis 31. 12. 2007. Die 1000 Kronen sind zurzeit übrigens nur rund 110 Euro wert.

Gleichgültig, welches Lockangebot als nächstes auf den Markt kommt, es wird wohl noch höhere Zinssätze oder Prämien in Aussicht stellen als die bisherigen. Und häufig wird irgendwo ein kleines Sternchen stehen. Denn je mehr sich der angepriesene Zins vom aktuellen Marktzins entfernt, desto unangenehmere Bedingungen verbergen Banken meist vor den potenziellen Anlegern.

Wundern Sie sich also

nicht, wenn eine Bank demnächst unschlagbare "100 Prozent Zinsen für ein Jahr*" verspricht. Ohne draufzuzahlen, könnte sie hinter dem Sternchen anmerken: "*Maximaler Anlagebetrag 100 Euro. Dieser Zins wird nur für Neukunden gewährt, die gleichzeitig 10.000 Euro für ein Jahr auf einem Sparbuch zu zwei Prozent anlegen." Die Gesamtverzinsung dieses - erfundenen - Koppelprodukts läge unter den gerade üblichen drei Prozent.

Udo Keßler, Peter Lutzmann / print
Themen in diesem Artikel