Nie wieder ... ... Sicherheit erkaufen

Die Deutschen sind Hasenfüße - zumindest wenn es ums Geldanlegen geht. Nirgendwo auf der Welt sind Fonds und Zertifikate mit Geld-zurück-Garantie ein derartiger Verkaufsschlager. Leider! Denn sie bringen Sparern wenig, den Verkäufern aber umso mehr - garantiert!

Berlin Hauptbahnhof. Warten auf den Zug nach Hamburg. Ein Mann, Mitte 30, ein paar Meter entfernt, telefoniert. Lauthals. "Heute hab ich einen Bausparvertrag abgeschlossen." Kurze Pause. "Ja, war ganz interessant, das mal erklärt zu bekommen." Längere Pause. "Jo, der Billigdollar is’ schon heftig. Jetzt müsste man in New York sein." Lachen. Man kennt sich offenbar gut aus in Finanzdingen. Und dann das: "Bin jetzt in so ’n Garantie-Ding eingestiegen. Wenn’s läuft, mach ich damit bis zu sieben Prozent." Atem holen. "Na ja. Und wenn nicht, gibt’s halt die Kohle zurück." Deutschland Ende 2007. Mehr als zehn Milliarden Euro zogen die Bundesbürger in diesem Jahr aus Aktienfonds ab. Mehr als drei Milliarden investierten sie stattdessen in sogenannte Garantieprodukte. Das sind Wertpapierkonstrukte, die Börsengewinne in Aussicht stellen - mit einer Geld-zurück-Garantie. Genial! Genau das Richtige für die Nation, die vielleicht gierigsten Hasenfüße der Welt. Mitzocken, Mitverdienen, aber bloß nix verlieren. So ticken wohl viele - und schließen deshalb unsinnige Geschäfte in Milliardenhöhe ab.

Jawohl: unsinnig. Denn Geldanlagen mit Garantie rechnen sich für den Garantiegeber, also die Bank, immer, für den Kunden praktisch nie. Beispiel: Wir legen 100 Euro in ein Garantieprodukt (Fonds oder Zertifikat) an. Die Verkaufsprovision beträgt bis zu vier Prozent, wirklich angelegt werden also nur 96 Euro. 80 Prozent davon, also 76,80 Euro, steckt der Fondsoder Zertifikatemacher in ein Wertpapier ohne laufende Verzinsung, Null-Kupon-Anleihe genannt. Diese Anleihe verspricht, nach einem genau festgelegten Zeitraum, zum Beispiel nach fünf Jahren, eine Rückzahlung von genau 96 Euro. Genau so viel also wie zur Einhaltung der Garantie nötig. Solche Versprechen sind also keine Hexerei. Mit den restlichen 20 Prozent des Anlegergeldes, also 19,80 Euro, spekulieren die Fonds- oder Zertifikatemacher an Terminbörsen, gewissermaßen bei Buchmachern für Wetten auf künftige Börsenkurse. Das soll die Rendite bringen.

Garantien am Kapitalmarkt kosten Geld

Warum an der Terminbörse? Weil man dort so spekulieren kann, als ob nicht nur 20, sondern 100 Prozent des Kundengeldes an der Börse investiert wären. Das klappt so weit - kostet Sparer aber bares Geld. Denn anders als bei der Direktanlage in Aktien oder Aktienfonds gibt es häufig keine Dividenden. Aber immer mit Abschlag für den Anleger. Die Garantiefonds der Deka, Fondsanbieter der Sparkassen, erwirtschafteten im Schnitt der vergangenen fünf Jahre rund sieben Prozent. Okay. Aber Fonds, die ohne Garantie weltweit in Aktien anlegen, kommen seit Ende 2002 auf rund zwölf Prozent Jahresprofit. Grund für die Differenz: Garantien am Kapitalmarkt kosten Geld. Beziehungsweise Rendite. Und sie kosten umso mehr, je länger die Anlagedauer ist, wie wissenschaftliche Studien zeigen. Spätestens nach vier, fünf Jahren, so Finanzmarktforscher, kostet Geld-zurück unverhältnismäßig viel Profit.

Die Deka spricht von gut einem Prozent pro Jahr - was noch vergleichsweise wenig wäre. Also: Angenommen, die Aktien in Frankfurt stiegen in den nächsten fünf Jahren im Schnitt um jährlich fünf Prozent. Dann würden aus 100 Euro in einem Aktienfonds, abzüglich ein Prozent Ankaufspesen an der Fondsbörse, abzüglich ein Prozent jährliche Verwaltungskosten, 120,45 Euro. Also ein Plus von 20 Prozent. Bei einem gängigen Garantiefonds (oder auch Zertifikat) kämen etwa 105 Euro heraus. 96 investierte Euro abzüglich rund drei Prozent Garantie- und Verwaltungskosten. Macht fünf Prozent Gewinn. In fünf Jahren. Puh. Ein Bausparvertrag hätte mehr gebracht. Ob das der reisende Finanzexperte weiß? Der Zug ist jedenfalls abgefahren.

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