Ölpreis Chinas fataler Durst nach Öl


Chinas wachsender Durst nach Öl ist einer der Gründe hinter dem Anstieg der Weltmarktpreise für diesen Rohstoff. Das Wirtschaftswunder des Milliardenvolkes ließ China zum zweitgrößten Ölimporteur nach den USA werden.

Chinas wachsender Durst nach Öl ist einer der Gründe hinter dem Anstieg der Weltmarktpreise für diesen Rohstoff. Der steigende Bedarf des Milliardenvolkes und sein Wirtschaftswunder haben China im vergangenen Jahr schon Japan überholen und zum weltweit zweitgrößten Ölimporteur nach den USA aufsteigen lassen. Lag der Zuwachs der Rohölimporte 2003 bei 31,2 Prozent, stiegen die Importe im ersten Quartal noch einmal schneller um 35 Prozent. Der zunehmende Bedarf übertrifft die Erwartungen der Händler, die China heute als "treibende Kraft der steigenden weltweiten Nachfrage" sehen.

Zunehmende Motorisierung

In diesem Jahr könnten die Einfuhren erstmals 100 Millionen Tonnen übersteigen, erwartet das Außenhandelsministerium in Peking. Das überraschend schnelle Wirtschaftswachstum von neun bis zehn Prozent mit einem enormen Zuwachs der Anlageinvestitionen, die wachsende Energieknappheit, die Petrochemie, der Transport und die zunehmende Motorisierung sind Ursachen für den starken Ölbedarf. 1992 hatte China gerade einmal 2,9 Millionen Barrel pro Tag verbraucht. Zehn Jahre später, 2002, waren es schon 5,4 Millionen Barrel pro Tag. Im vergangenen Jahr wurden sogar 6,2 Millionen Barrel erreicht.

In diesem Jahr erwartet Andy Xie von Morgan Stanley in Asien einen Verbrauch von sieben Millionen Barrel pro Tag. In zehn Jahren könnte sich diese Zahl sogar verdoppeln. Andere schätzen vorsichtiger, doch selbst wenn sich diese Vorhersagen nur zur Hälfte erfüllen, gibt es keinen Zweifel, dass China eine einflussreiche Kraft auf den Ölmärkten der Welt werden wird. Offiziell bestreitet die Regierung allerdings, dass die Volksrepublik für den Anstieg der Preise verantwortlich ist und nennt Gründe wie die Instabilität im Nahen Osten und Spekulationen auf dem Weltmarkt für Öl, um nicht als Schuldiger angeprangert zu werden.

Wunsch nach höherem Lebensstandard

Doch kein Zweifel, das Milliardenvolk und sein Wunsch nach einem besseren Lebensstandard werden den Energiehunger noch verstärken. In den nächsten zehn Jahren wird beständig mit sieben Prozent Wachstum jährlich gerechnet. Dabei wird China immer mehr zur Werkstatt der globalisierten Welt, die billige chinesische Arbeitskräfte ausnutzt, um Produkte günstig herstellen und billig in Europa, den USA oder Asien an die Verbraucher bringen zu können. Mit einem Fünftel der Menschheit werde China im Jahr 2020 einen Anteil von etwa 13 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs erreichen, schätzt der Experte Zheng Jianchao von der Akademie für Ingenieurwesen in Peking. Das werde dreimal mehr als Indien sein und etwa 60 Prozent der USA.

In China selbst ist die Abhängigkeit des Ölverbrauchs von Importen bereits auf knapp ein Drittel gestiegen. 2007 könnte der Anteil auf 50 Prozent zunehmen. Steigende Preise für Benzin machen ausländischen Autoherstellern, die angelockt von einem Wachstum des Automarktes um 70 Prozent (2003) nach China strömen, bereits Sorgen. Einige befürchten, dass ihre Träume zunichte gemacht werden könnten, wenn sich die Chinesen eines Tages das Benzin nicht mehr leisten könnten. Aus Sorge um den wachsenden Ölbedarf will die Regierung jetzt auch strenge Verbrauchsstandards für Autos durchsetzen.

Andreas Landwehr, dpa DPA

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