Pfandhäuser Keine 'Arme-Leute-Bank'


Die Pfandleiher in Deutschland wollen an ihrem Ruf feilen. Grünpflanzen, sanftes Licht und Diskretionsabstand - der Versuch eines Imagewechsels.

Mit repräsentativen Geschäftsräumen, die wie Bankfilialen oder Juwelierläden aussehen, möchten viele der etwa 200 Leihhäuser in Deutschland eine seriöse Alternative zu den herkömmlichen Geldinstituten werden. Penibel sollen die Pfänder ausgewählt und diskret die Kundschaft bedient werden. Einige Leihhäuser werden dem Klischee jedoch immer noch gerecht und haben mit schmuddeligen Geschäftsräumen scheinbar kein Problem. Die Branche insgesamt kann im schwierigen Wirtschaftsumfeld nicht klagen. Allein 2002 stiegen die Umsätze um 9,5 Prozent auf rund 400 Millionen Euro. Allerdings habe dies nicht an einem Ansturm von Bürgern gelegen, die ihren klammen Geldbeutel auffüllen wollten, erklärt Klaus Germann, Geschäftsführer des Zentralverbandes des deutschen Pfandkreditgewerbes (ZdP). Vielmehr bescherte der steigende Goldpreis den Pfandleihern das Erlöswachstum. Sie nahmen mehr ein, weil Goldschmuck und Uhren, die zusammen mit Tafelsilber etwa 80 Prozent aller Pfänder ausmachen, höher beliehen werden konnten.

Grünpflanzen und Wartebank

Im Leihhaus am Eschenheimer Turm in der Frankfurter Innenstadt trägt Geschäftsführerin Nicole Gentil ihren Teil zum Imagewechsel der Branche bei. Im Geschäftsraum stehen Grünpflanzen neben einer kleinen Wartebank. Ketten und Ohrringe sind rechts und links an den zwei Schaltern zum Verkauf ausgestellt. Die Kunden halten Abstand voneinander und unterhalten sich im Flüsterton. Gentil sieht das Leihhaus keinesfalls als Kreditgeber für Einkommensschwache an. Die Kunden kämen nicht, weil sie überhaupt kein Geld hätten, sondern weil es angenehm sei, sich auf diese Weise kurzfristig Kredit zu verschaffen. "Wir geben keine Almosen, sondern Geld für ein Pfand", betont sie. Dennoch liegt Unbehagen in der Luft, als ein junges Paar Abschied nimmt von seinen Habseligkeiten, die auf einem kleinen filzbezogenen Tablett auf die Waage und dann in den Tresor gelegt werden. Sie kassieren den Pfandbetrag und verlassen fluchtartig das Leihhaus. Eine elegant gekleidete Dame im Rentenalter hat dagegen keine Hemmungen, als sie einen Ring und zwei Ketten kurzfristig in Bares umtauscht. "Ich mag es hier lieber als in der Sparkasse, es geht schnell und einfach", sagt sie. Den Schmuck trage sie sowieso nicht mehr.

Vorteil: Kein Formularkrieg

Wer zum Pfandleiher geht, kriegt sein Geld innerhalb weniger Minuten. Einen "immensen Formularkrieg" und eine zuvor notwendige Anfrage bei der Kreditauskunft Schufa gibt es im Gegensatz zum Bankdarlehen nicht, betont Germann. Für den "Kredit" zahlt der Kunde monatlich ein Prozent Gebühr - das schreibt das Gesetz vor. Zusätzlich wird eine einmalige, gesetzlich festgelegte Kostenvergütung fällig. Die beliehenen Gegenstände werden vier Monate aufbewahrt. Zwei Verlängerungen sind möglich. Dann kommt das Pfand unter den Hammer. Mehr als 90 Prozent würden aber wieder ausgelöst.

Anderer Schauplatz: Goldarmbänder und Handys

Der Absprung vom alten Image glückt jedoch nicht überall. Schokoladenpapiere und eine leere Chipstüte liegen auf dem Boden des Fahrstuhls eines anderen Pfandhauses in der Frankfurter Innenstadt. Vor der Tür zum Geschäftsraum sitzen ein paar Teenager auf dem dreckigen Linoleumfußboden. Drinnen herrscht reger Andrang. Vor den drei mit Glas geschützten Schaltern hat sich eine Schlange gebildet. Die Wände sind kahl bis auf ein Plakat mit den Geschäftsbedingungen. Eine Frau in Joggingjacke hat ihre dünnen Goldarmbänder gleich tütenweise dabei. Sie will nur fragen, was sie dafür kriegen könnte. Die Frau hinterm Schalter wiegt den Schmuck und nennt den Betrag. "Wenn er echt ist", fügt sie hinzu. Ein junger Mann im Blaumann hat zwei Handys mitgebracht. Mit den Oberarmen auf den Tresen gelehnt will er eine gute Pfandsumme aushandeln. Für das eine bekommt er 80 Euro, das andere ist dem Leihhaus weniger wert. "Dann bring ich es eben woanders hin", sagt er beim Rausgehen.

Einnahmen steigen mit Höhe der Darlehen

Dem Vorurteil vom Pfandleiher, der möglichst wenig Geld gibt und bei den Versteigerungen mehr für sich rausschlagen will, widerspricht Germann. Die Einnahmen der Leihhäuser steigen mit der Höhe des Darlehens. Daher liegt es in deren Interesse, möglichst hohe Beträge für die Pfänder auszugeben. Auch wenn es zur Versteigerung kommt, macht das Leihhaus nach Angaben Germanns keinen Reibach: Erzielt es mehr als den Pfandwert, geht die Differenz an den ursprünglichen Besitzer zurück. "Und wenn der sich nicht mehr blicken lässt, kriegt die Stadt das Geld."

Nadine Schwede, DPA DPA

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