HOME

Preise: Kaffee bleibt vorerst so billig wie nie zuvor

Nach üppigen Ernten in Brasilien und Vietnam führt das Überangebot zu so niedrigen Preisen, wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Auch mittelfristig sollen die Tiefpreise bleiben.

Wegen üppiger Ernten in Brasilien und Vietnam bleibt Kaffee nach Einschätzung des Deutschen Kaffeverbandes vorerst so billig wie nie zuvor. Was den Verbraucher freuen mag, sorgt in der Branche für Kopfschütteln: "Die Kaffeepreise sind so niedrig, dass es eigentlich schon gar keinen Spaß mehr macht", betonte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Winfried Tigges. Momentan liege der Durchschnittspreis für ein Pfund Röstkaffee mit 2,93 Euro so tief wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Überangebot von 15 Prozent

Ein Ende ist demnach nicht abzusehen: "Wir sehen mittelfristig keine Preiserhöhung“, erklärte Tigges. Der Grund: Wegen der guten Ernten in Brasilien und Vietnam gibt es auf dem Weltmarkt ein Überangebot von 15 Prozent. Die beiden Länder stehen an der Spitze der Kaffee-Produktion und "drücken mit Mengen auf den Markt, die im Moment gar nicht konsumiert werden", erklärte Tigges. Die Rekordernten entstehen, weil Brasilien und Vietnam Tiefland-Kaffee anbauen, der maschinell geerntet werden kann. "Solange dieses Überangebot besteht, wird sich der Preis nicht verändern", prognostizierte der Kaffee-Experte. Einen Trost gebe es: "Der Durchschnittspreis von 2,93 Euro ist schon seit Monaten stabil. Es scheint also nicht weiter runter gehen." Allerdings senkte der Discounter Aldi jüngst den Preis auf 2,39 Euro pro Pfund.

Qualität lässt nach

Am Absatz in Deutschland ändern die Niedrigpreise nicht viel, der ist seit Jahren stabil oder sogar rückläufig, wenn man den ständig wachsenden Anteil des löslichen Kaffees abzieht. Den Röstern macht aber auf Dauer die Kaffeequalität Sorgen. "Das ist natürlich ein Problem für den Ursprung", betonte Tigges. "Wenn der Farmer nicht mehr in der Lage ist, seine Plantage zu pflegen, dann kriegen wir auch nicht mehr die Qualitäten, die wir brauchen." Im Moment gelinge es aber noch, durch geschickte Mischungen die Qualität deutschen Kaffees zu halten.

Pure Kaffees sind teurer, aber besser

Hinter den großen Kaffeemengen aus Brasilien und Vietnam verbirgt sich laut Tigges die Sorte Robusta, die im Tiefland gut gedeiht, aber in der Qualität weit hinter den hochwertigen Hochlandkaffees etwa aus Kolumbien oder den afrikanischen Anbauländern zurückbleibt. Deshalb sind die deutschen Röster jetzt dazu übergegangen, pure Kaffees anzubieten. Solche Angebote liegen im Preis deutlich über den üblichen Mischungen.

DPA
Themen in diesem Artikel