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Riester-Rente: Vom Mauerblümchen zum Star

Nach einem zähen Start entpuppt sich die Riester-Rente als Renner. Allein in den ersten sechs Monaten 2006 wurden über 1,1 Million neuer Verträge abgeschlossen. Tendenz steigend - denn Deutsche entdecken die Immobilie als Alterssicherheit.

Von Elke Schulze und Karin Spitra

Was auf den ersten Blick wie eine weitere trockene Aussendung des Bundesarbeitsministeriums aussah, war eigentlich eine Jubelmeldung: Allein im zweiten Quartal seien rund 568.000 neue Verträge zur staatlich geförderten privaten Altersvorsorge abgeschlossen worden, erklärte die Regierungsstelle in Berlin. Insgesamt wurden damit in den ersten sechs Monaten des Jahres mehr als 1,1 Millionen neue Verträge abgeschlossen. Damit haben sich den Angaben zufolge bundesweit schon fast 6,8 Millionen Menschen für diese Form der privaten Altersvorsorge entschieden. Üblicherweise liegen die Riester-Abschlüsse im zweiten Quartal deutlich hinter denen des ersten Quartals.

Trend hält an

Seit Einführung der Riester-Rente 2001 haben die Versicherten bereits mehr als eine Milliarde Euro an staatlichen Zulagen erhalten. Allein zum Auszahlungsstichtag 15. August 2006 seien 125,8 Millionen Euro an Grund- und Kinderzulage geflossen. In diesem Zusammenhang wies das Ministerium darauf hin, dass die Kinderzulage angehoben wird. Für Kinder, die ab 2008 geboren werden, steige der Zuschuss von 138 auf 300 Euro. Zudem werde die Förderung von selbst genutztem Wohneigentum stärker in die Riester-Vorsorge integriert.

Allerdings ist die Form der von der Bundesregierung angekündigten verstärkten Einbindung von Wohneigentum noch offen - und auch sonst streitet sich die große Koalition gerade über das "Wohn-Riester-Gesetz". Dabei geht es vor allem darum, ob und wie der Immobilienerwerb beim Renteneintritt besteuert werden soll. Während das SPD-geführte Finanzministerium das Immobilienvermögen erst beim Rentenalter - also nachgelagert - besteuern will, lehnt die Union das entschieden ab. Sie findet dies Vorgehen intransparent und plant deshalb schon die in der Riester-Rente gewährten Prämien zu kürzen.

Eigenheim bevorzugt

In einem ersten Referentenentwurf heißt es, dass die Verbraucher bis zu 50 Prozent der geförderten Sparsumme dazu verwenden können, selbst genutztes Eigentum zu erwerben - oder Schulden dafür abzuzahlen. Außerdem sollen auch laufende Tilgungszahlungen für Immobilienkredite förderfähig sein. Mit diesen Plänen dürfte die Regierung bei der Riester-Rente für noch mehr Wind unter den Flügeln sorgen.

Dazu passt, dass nach einer aktuellen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag des britischen Lebensversicherers Clerical Medical die eigene Immobilie in diesem Jahr zum beliebtesten Altersvorsorgeinstrument der Deutschen aufgestiegen ist. Und das, obwohl zum vergangenen Jahreswechsel die staatlich geförderte Eigenheimzulage gestrichen wurde. 38 Prozent setzen auf das eigene Heim, um Kapital fürs Alter anzusparen. 26,3 Prozent der Bundesbürger glauben an die betriebliche Altersvorsorge zur Absicherung, knapp gefolgt von der vermieteten Immobilie, die um mehr als zehn Prozentpunkte zulegen konnte (26,3%) und die damit der traditionellen deutschen Lebensversicherung den Rang ablief.

Von den Nachbarn lernen

Das eigene Heim ist eben nicht nur ein realer Vermögenswert, es schafft auch Sicherheit. Aber ob selbst bewohnt oder vermietet, die Nachfrage stottert noch. Seit Jahren verharrt die Zahl der Hausbesitzer auf niedrigem Niveau - gemessen am europäischen Vergleich. Obwohl es in anderen Ländern keine vergleichbare Förderung von Wohneigentum gibt, leben doppelt so viele Spanier und Iren (80 Prozent) unter dem eignen Dach wie Deutsche. Auch in Großbritannien und den USA liegt die Eigentumsquote traditionell hoch. "Bauen ist in Deutschland zu teuer", sagt Bernd Katzenstein, Sprecher des deutschen Instituts für Altersvorsorge. Außerdem müssen rund ein Viertel der Bau- und Kaufsumme vorab angespart sein. Zu viel für junge Familien. Denn wer kaufen will, muss hierzulande fünf bis sechs Jahresnettoeinkommen aufbringen - in den USA reichen zwei bis drei.

Hier dürfte die verbesserte Riester-Förderung sicher dem einen oder anderen die Entscheidung fürs Wohneigentum versüßen. Denn nach einer längeren Phase der Stagnation geht es bei den Preisen für Haus- und Wohnungskauf wieder bergauf. So kostete in Deutschland bisher ein Einfamilienhaus im Schnitt 173.700 Euro, jetzt 2,9 Prozent mehr. Im Zehn-Jahres-Vergleich bedeutet das einen Anstieg von 7,8 Prozent, wie das ifs-Städtebauinstitut ermittelte.

Preise ziehen an

Und das gilt nicht nur für den Westen Deutschlands. Auch in Ostdeutschland haben die Preise deutlich angezogen: Mit 99.400 Euro mussten im Schnitt sieben Prozent mehr bezahlt werden als im Jahr 2004. Spitzenreiter ist mit Abstand die Region München - hier kostete ein Einfamilienhaus im vergangenen Jahr erstaunliche 364.000 Euro - gefolgt von den Regionen Düsseldorf, Untermain und Stuttgart. Schlusslichter auf dem Immobilienmarkt sind die ostdeutschen Regionen Dresden und Halle.

Ifs-Institutsleiter Stefan Jokl prognostiziert den Immobilienpreisen eine sonnige Entwicklung: "Von einem Preisverfall kann überhaupt keine Rede sein. Ich gehe davon aus, dass das inzwischen in weiten Regionen verknappte Wohnungsangebot zu weiteren Preissteigerungen führen wird". Ein Grund mehr, seinem Vermieter adé zu sagen - vielleicht mit Riester.