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Schlechte Riester-Verträge Nur nichts überstürzen


Der Frust vieler Riester-Sparer ist groß: Die staatlich geförderte Rente bringt in vielen Fällen keine oder nur eine mickrige Rendite. Doch was tun? In keinem Fall übereilt kündigen.

Die Erkenntnis trifft immer mehr Riester-Sparer: Sie haben einen schlechten Vertrag abgeschlossen. In übereilten Aktionismus sollte deshalb niemand verfallen - und sich stattdessen die Alternativen genau durchrechnen, empfehlen Verbraucherschützer.

Eine Kündigung wäre dabei der ungünstigste Weg. Denn in diesem Fall müsste der Sparer sämtliche bereits erhaltenen staatlichen Zulagen zurückzahlen, erläutert Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das betrifft sowohl die Gelder, die direkt auf das Riester-Konto geflossen sind, als auch die steuerliche Förderung. Ein weiterer Nachteil der Vertragskündigung: Bereits geleistete Abschlussgebühren werden vom Anbieter einbehalten. Außerdem muss der Kunde eine zusätzliche Gebühr für seinen vorzeitigen Ausstieg zahlen.

Zwei Verträge pro Riester-Sparer

Experten raten: Anstatt übereilt das Handtuch zu werfen, wird der bestehende Vertrag besser beitragsfrei gestellt. Das ist deutlich günstiger und funktioniert relativ unkompliziert mit einem entsprechenden Antrag an den Anbieter. Der Vertrag ruht dann bis zu seiner Fälligkeit. Heißt: Bis dahin zahlt der Kunde keine weiteren Beiträge ein. Der Vorteil: Alle bisher erhaltenen Zulagen und bereits genutzte Steuervorteile bleiben erhalten, so Verbraucherschützer Scherfling. Weitere staatliche Zulagen fließen aber nicht, solange der Vertrag ruht.

Auch bei einer Beitragsfreistellung haben Riester-Sparer immer noch die Möglichkeit, einen neuen Vertrag abzuschließen. Denn per Gesetz sind jedem Riester-Berechtigten zwei Verträge erlaubt. Eine weitere Alternative: "Auch der Wechsel von einer Riester-Versicherung zu einem geförderten Bank- oder Fondssparplan ist möglich", sagt Scherfling. Auch in diesem Fall blieben alle staatlichen Zulagen erhalten, die der Sparer bisher bekommen hat. Wichtig ist, sich in diesem Fall genau durchzurechnen, ob sich der Wechsel lohnt. Sprich: Ob die fälligen Gebühren nicht zu sehr zu Buche schlagen.

So alt wie Methusalem

Dass Riester-Kunden oft genug Grund zur Unzufriedenheit haben, belegen immer mehr Studien. Gerade die Anbieter von Riester-Versicherungen langen oft kräftig zu – die Gebühren fressen nicht selten die staatlichen Zulagen auf. Außerdem kalkulieren die Versicherer zum Teil mit abstrusen Lebenserwartungen. Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) errechnet hat, müssen Riester-Sparer bei einigen Verträgen 90 Jahre alt werden – um überhaupt ihr Erspartes wieder herauszubekommen.

Experten empfehlen deshalb Riester-Bank- oder Fondssparpläne. Denn diese sind im Vergleich zu den klassischen Riester-Versicherungen für den Kunden meist in ihrer Gebührenstruktur leichter durchschaubar - und vor allem auch deutlich kostengünstiger. Auch bei einem Anbieterwechsel werden in der Regel weniger Gebühren fällig. Dabei taugen Riester-Fonds vor allem für jüngere Sparer: Weil sie nach einer längeren Ansparphase höhere Renditechancen bieten.

Warentest-Checks bieten Orientierung

Bei welchen Anbietern aber lohnt sich überhaupt noch ein Riester-Vertrag? Eine äußerst hilfreiche Unterstützung bei der Suche nach dem richtigen Vertrag können die Checks der Stiftung Warentest sein. Die Tester nehmen regelmäßig Riester-Verträge von Banken, Versicherungen und Fondsanbietern nach konkreten Vorgaben unter die Lupe und geben ihnen Noten.

tav/DPA DPA

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