Straße von Hormus
Blockade am Golf – Wie der Krieg Reeder und Schiffe trifft

Weil die Straße von Hormus infolge des Iran-Kriegs praktisch gesperrt ist, ist der Schiffsverkehr zum Erliegen gekommen. (Archiv
Weil die Straße von Hormus infolge des Iran-Kriegs praktisch gesperrt ist, ist der Schiffsverkehr zum Erliegen gekommen. (Archivbild) Foto
© Altaf Qadri/AP/dpa
Tanker und Frachter stecken wegen des Iran-Kriegs am Persischen Golf fest. Gleichzeitig steigen Treibstoffpreise, Schiffsversicherungen werden teuer. Die Folgen bekommen nicht nur Reeder zu spüren.

Die Straße von Hormus, die Meerenge südlich des Irans, führt in den Persischen Golf – aus maritimer Sicht ist es zurzeit eine Sackgasse. Weil die wichtige Wasserstraße wegen des Kriegs und drohender iranischer Angriffe für den Schiffsverkehr praktisch gesperrt ist, liegen dort hunderte Tanker, Containerschiffe und Frachter fest. Für Reedereien und den Welthandel hat das weitreichende Folgen: 

Wie viele Seeleute und Schiffe sind von dem Konflikt betroffen? 

Rund 20.000 Seeleute, Kreuzfahrtpassagiere, Hafenarbeiter und Offshore-Besatzungen sind nach Angaben der International Maritime Organisation (IMO) (Stand: 17. März) in der Region betroffen. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) geht davon aus, dass darunter mindestens 1.000 Seeleute und mindestens 30 Schiffe von zehn Reedereien mit deutschem Bezug sind – etwa die Hälfte davon sind Containerschiffe. Der Verband verweist auch auf eine neuere Zählung der Deutschen Marine, demnach sollen es mehr als 50 Schiffe sein.

Wo genau die Containerschiffe, Tanker und Frachter liegen, ist unterschiedlich. Teils sind die Schiffe in der Nähe oder in Häfen anderer Golfstaaten. Andere Schiffe wiederum liegen auf Reede im Persischen Golf. Wo die Schiffe ankern, sei die individuelle Entscheidung der jeweiligen Reederei, heißt es vom VDR. 

Gleichzeitig warten aber auch viele Schiffe, die eigentlich in den Golf einfahren wollten, auf eine Passage der gesperrten Seestraße. Rund 500 Schiffe sollen es sein, wie viele davon deutschen Reedereien angehören, ist nicht bekannt.

Wie ist die Situation für die Besatzungen? 

Bislang wurden nach Daten der IMO 16 Handelsschiffe attackiert. Es gab Tote und Verletzte. Auch ein Containerschiff der größten deutschen Reederei Hapag-Lloyd wurde westlich der Straße von Hormus von einem Granatsplitter getroffen (12. März), wie die Reederei mitteilte. 

Die Situation sei dramatisch, sagte der VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger am Wochenende im Deutschlandfunk. "Wir sind ja zivile Handelsschiffe, wir können uns nicht wehren. Wir werden mit Drohnen und Raketen beschossen und das ist natürlich eine ziemliche Katastrophe." 

Zeitgleich müssen sich die Besatzungen an Bord weiter um den Schiffsbetrieb kümmern. Handelsschiffe können nicht einfach wie ein Auto "abgestellt" werden, erklärt ein VDR-Sprecher. Auch wenn ein Schiff auf Reede liege, müssten die Maschinen betrieben werden. 

Welcher wirtschaftlicher Schaden entsteht den Reedereien? 

"Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau quantifizieren", sagt der VDR-Sprecher, dessen Verband nach eigenen Angaben mit rund 200 Mitgliedern den größten Teil der deutschen Handelsflotte vertritt. Viel hänge davon ab, wie sich die Lage weiterentwickele und wie lange sie anhalte. 

Es gibt aber wirtschaftliche Folgen, die die Reedereien bereits zu spüren bekommen. Durch die gestiegenen Ölpreise verteuert sich auch der Treibstoff für Schiffe. Außerdem verlangen einige Schiffsversicherer deutlich höhere Policen, wenn sich Schiffe in der Konfliktregion aufhalten. 

Inwieweit sind Schiffe in dem Konflikt versichert? 

Für Seeschiffe gibt es verschiedene Pflichtversicherungen. Dazu zählt etwa eine Haftpflicht und Kaskoversicherung. Wenn Schiffe in Risikogebiete fahren, schließen Reedereien zudem sogenannte Kriegsrisikenversicherungen ab, die Schäden etwa durch Raketenangriffe oder Minen abdecken. Die Bedingungen für solche Policen basieren auf Risikobewertungen, vor allem des Joint War Committee in London. Das hat Teile der Golfregion inzwischen als höchste Risikokategorie eingestuft. In der Folge kündigten mehrere Schiffsversicherer bestehende Policen und verlangten deutlich höhere Versicherungsprämien. 

Das sei grundsätzlich ein übliches Verfahren, wenn sich die Risikolage kurzfristig ändere, teilt der VDR dazu mit. Für die Reedereien bedeutet das zusätzliche Kosten. "In ähnlichen Krisensituationen haben Versicherer für Kriegsrisikodeckungen Prämien von etwa 0,5 Prozent bis in Ausnahmefällen teils bis zu 10 Prozent des Schiffswertes verlangt – oft für sehr kurze Zeiträume, etwa nur wenige Tage Versicherungsschutz", erklärt der VDR-Sprecher. Bei großen Handelsschiffen könne dies Millionensummen erreichen. 

Wenn Schiffe versichert sind, könnten sie dann nicht die Passage wagen? 

Nein, heißt es vom Verband Deutscher Reeder. Die aktuelle Lage sei viel zu brisant. "Letztlich hilft auch der beste Versicherungsschutz nur begrenzt, wenn ein Schiff tatsächlich getroffen wird und dabei Menschen an Bord zu Schaden kommen", teilt der Verbandssprecher mit. Die Reeder sagen, auch weil sich Handelsschiffe nicht selbst verteidigen können, sei für eine sicherere Passage militärischer Schutz nötig.

Welche Folgen hat die Blockade für Handel und Verbraucher? 

Im Einzelnen ist das momentan noch schwer abzusehen. Aber wenn Energie teurer wird, steigen in der Regel auch die Kosten für Produktion und Transport. In der Schifffahrt könnten höhere Frachtraten fällig werden. Einige Reedereien wie Hapag-Lloyd und Maersk haben bereits angekündigt, Sicherheitsaufschläge und Aufschläge wegen des teureren Treibstoffs zu erheben. 

"Kosten werden üblicherweise entlang der Lieferkette weitergegeben und können sich am Ende auch in Verbraucherpreisen niederschlagen", heißt es vom Verband Deutscher Reeder. Die Beträge seien aber vergleichsweise klein, sagt der Sprecher. "Für einen Container, in dem zum Beispiel 40.000 T-Shirts liegen und man 1.000 Dollar mehr pro Container zahlt, entspricht das nur wenigen Cent pro Stück. Das sind keine großen Mehrkosten pro T-Shirt."

Bereits gestiegen sind Charterraten. Denn weil zurzeit viele Schiffe im Golf festhängen, stehen weniger Schiffe am Markt zur Verfügung und das Angebot an Frachtkapazitäten wird geringer. Das betreffe vor allem Tanker, heißt es vom VDR. Vor der Eskalation habe die Charterrate bei etwa 200.000 US-Dollar pro Tag gelegen. Inzwischen seien es bis zu 700.000 US-Dollar. 

Wie lang können die Schiffe in der Lage ausharren? 

Viele Reedereien stehen laut Reeder-Verband mehrmals täglich mit ihren Kapitänen und Crews in Kontakt, etwa um Lageeinschätzungen auszutauschen. Die Sicherheit der Crew stehe jederzeit an erster Stelle, heißt es. Wichtig sei zudem, dass die Seeleute den Kontakt zu ihren Familien halten können. 

Proviant, Trinkwasser und Verbrauchsgüter haben die meisten Schiffe ohnehin so gebunkert, dass sie mehrere Wochen auf See bleiben können. Aber: "Wenn sich Wartezeiten verlängern oder Routen deutlich verändern, muss früher oder später auch Nachschub organisiert werden – sei es über Häfen, Versorger oder andere logistische Lösungen", teilt der VDR-Sprecher weiter mit.

dpa