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Sparkassen-Präsident: Hoppenstedt kritisiert private Banken als "abgehoben"

Sparkassen-Präsident Hoppenstedt kritisiert private Banken als "abgehoben"

Hamburg - Ungewohnt scharf hat Sparkassen-Präsident Dietrich H. Hoppenstedt die privaten Banken und deren Manager kritisiert. "Weite Teile der Finanzwirtschaft sind abgehoben", sagte Hoppenstedt in einem Interview mit dem stern. Die privaten Bankkonzerne in Deutschland bewegten sich "nicht mehr in der realen Welt, sondern in einer virtuellen, globalen Welt des Geldes". Wer den Rauswurf von Kunden und Mitarbeitern zur Strategie erhebe, verspiele seine Zukunft.

Besonders heftig griff Hoppenstedt die Deutsche Bank und deren Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann an. Zu dessen Auftreten im Mannesmann-Prozess in Düsseldorf, bei dem Ackermann das Victory-Zeichen gezeigt und das Verfahren kritisiert hatte, sagte Hoppenstedt: "Das Gebaren von Herrn Ackermann zeugt davon, dass er in einer anderen Welt lebt – so wie die Bank, die er vertritt." Unverständlich ist für Hoppenstedt auch die Äußerung Ackermanns, der bedeutendste Wert des Unternehmens seien die 200 Führungskräfte und Investmentbanker: "Das muss man sich mal vorstellen. 200! Und die anderen 67 500 Mitarbeiter, was ist mit denen?" Kunden und Mitarbeiter kämen in der Philosophie der Deutschen Bank nicht vor. Hoppenstedt: "Die Deutsche Bank hat ausschließlich vermögende Kunden weltweit im Visier, wir kümmern uns um alle in Deutschland. In Wahrheit sind wir die deutsche Bank."

Hoppenstedt warf den privaten Konkurrenten auch schlechte Beratung vor: "Natürlich passiert so etwas immer mal wieder, auch bei uns. Aber bei anderen kann man dahinter durchaus einen Trend erkennen." So hätten Großbanken ihren Kunden während des Börsenbooms fast ausschließlich zu Aktien geraten: "Fragen Sie heute mal diejenigen, die dem gefolgt sind, wie es ihrem Geld geht!" Wenn man das Gewinnstreben "über das Interesse des Kunden stellt und mehr auf Provisionen achtet als auf eine ausgewogene Beratung, darf sich niemand über ein schlechtes Image wundern".

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes wandte sich im stern-Interview abermals gegen eine Privatisierung oder Abschaffung von Sparkassen. Dies hieße, "das Feld drei oder vier großen Spielern zu überlassen". Das bedeute weniger Wettbewerb "und wäre für die Kunden am Ende teurer". Hoppenstedt sprach den privaten Banken zudem die Fähigkeit ab, eine ihrer jeweiligen Region verpflichtete Sparkasse führen zu können: "Sie verstehen von dem Geschäft nichts, das ist eine andere Welt."