HOME

Stern Logo Extra Steuererklärung

Fehler im Steuerbescheid: Wie Sie dem Finanzamt richtig widersprechen

Ihre Steuerrückzahlung ist nicht so hoch wie erwartet, Sie müssen sogar nachzahlen? Oftmals lohnt es sich, den Bescheid anzufechten. Zwei Drittel aller Einsprüche haben Erfolg.

Von Björn Erichsen

Wenn der Steuerbescheid ungünstiger ausfällt als erwartet, kann sich ein Einspruch lohnen

Wenn der Steuerbescheid ungünstiger ausfällt als erwartet, kann sich ein Einspruch lohnen

Das deutsche Steuerrecht ist hochkomplex, selbst Fachleute stoßen im Dschungel aus Paragraphen und Ausnahmeregelungen an ihre Grenzen. Für Finanzbeamte gilt das ebenso: Dem Bund der Steuerzahler zufolge ist jeder dritte Einkommensteuerbescheid fehlerhaft. Wer sich als Steuerzahler vom Fiskus zu Unrecht zur Kasse gebeten fühlt, sollte die Möglichkeit zum Einspruch nutzen. Der Aufwand kann sich lohnen: Über fünf Millionen Steuerzahler setzen sich Jahr für Jahr gegen vermeintlich falsche Steuerbescheide zur Wehr – rund zwei Drittel von ihnen erfolgreich.

Zuvor jedoch sollten Sie Ihren Steuerbescheid genau prüfen. Gehen Sie die Formulare Zeile für Zeile durch, manchmal steckt der Fehlerteufel im Detail: Sind die Einnahmen korrekt angesetzt? Gibt es irgendwo Zahlendreher? Oder wurden gar Sonderausgaben, Werbungskosten oder Freibeträge nicht wie erwartet angerechnet? Dies müsste durch das Finanzamt in jedem Fall begründet werden. Hier kann zunächst ein Anruf beim zuständigen Finanzbeamten sinnvoll sein, die direkte Durchwahl steht rechts oben auf dem Steuerbescheid.

Frist beachten!

Wer trotzdem Einspruch einlegen möchte, hat dafür vier Wochen Zeit. Fristbeginn ist der Tag, an dem das Schreiben des Finanzamtes im Briefkasten liegt, im Streitfall gilt das Datum des Poststempels. Der Einspruch sollte in schriftlicher Form erfolgen, wahlweise per Brief oder Fax (Download Musterschreiben). Es besteht aber auch die Möglichkeit, diesen mündlich beim Finanzamt protokollieren zu lassen. Wichtig: Machen Sie deutlich, dass Sie mit dem Bescheid nicht einverstanden sind. Ihr Schreiben sollte daher Worte wie "Einspruch", "Widerspruch" oder "Einwand" enthalten.

Darüber hinaus sollten Sie Ihren Einspruch begründen. Oft ist es sinnvoll, den eigenen Standpunkt mit Belegen zu untermauern oder auf entsprechende Urteile oder Erlasse zu verweisen. Sollte Ihnen innerhalb der Frist zu wenig Zeit bleiben, können sie diese auch nachreichen. Gegebenenfalls können Sie sich mit Ihrem Einspruch auch an ein laufendes Verfahren am Bundesverfassungsgericht oder Bundesfinanzhof anhängen, dies geschieht mit Verweis auf das jeweilige Aktenzeichen.

Gezahlt werden muss trotzdem

Achtung: Der Einspruch entbindet Sie nicht davon, die Forderung des Finanzamtes zu begleichen. Einen Zahlungsaufschub erreichen Sie nur, wenn Sie einen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung stellen. Außerdem müssen Sie beachten: Während des Einspruchs bleibt der komplette Steuerbescheid offen, sodass zuvor eingeräumte Erstattungen bei erneutem Nachrechnen von den Finanzbeamten wieder gestrichen werden – "Verböserung" hat sich dafür als Begriff im Amtsdeutsch eingebürgert.

Ist der Einspruch abgeschickt, heißt es zunächst einmal warten, eventuell könnte das Finanzamt weitere Belege von Ihnen einfordern. Hat der Einspruch Erfolg, bekommen Sie einen korrigierten Steuerbescheid zugestellt. Bleibt das Finanzamt dagegen bei seiner Sicht der Dinge, erhalten Sie eine förmliche Einspruchsentscheidung. Das Verfahren selbst ist kostenlos – jedoch müssen Sie zahlen. Ansonsten bleibt Ihnen nur noch der Klageweg.

Themen in diesem Artikel