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Stiftung Warentest: Banken zocken ungeniert weiter mit Dispozinsen ab

Es sind vor allem kleine und ländliche Institute, die laut Stiftung Warentest geradezu unverschämte Dispozinsen kassieren. Viele Banken machten es den Testern schwer, die Sätze überhaupt zu ermitteln.

Viele Banken und Sparkassen in Deutschland kassieren einer Untersuchung der Stiftung Warentest zufolge von ihren Kunden für die Überziehung des Girokontos noch immer Zinssätze im zweistelligen Bereich. Ein flächendeckender Vergleich unter 1538 Instituten habe gezeigt, dass die Geldhäuser derzeit Dispozinsen von im Schnitt 11,31 Prozent verlangten, berichtet die Stiftung in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift "Finanztest". Sich selbst hingegen könnten Banken und Sparkassen derzeit bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einem historisch niedrigen Zinssatz von 0,5 Prozent Geld leihen.

Die "größten Abzocker" unter den Banken und Sparkassen in Sachen Dispozinsen seien oft kleine Institute auf dem Land, berichtete "Finanztest". Viele von diesen Geldhäusern nutzten "ihre Vormachtstellung" aus und verlangten teils "deutlich mehr als 13 Prozent". Insgesamt 119 Geldhäuser verlangen demnach 13 Prozent und darüber. Den höchsten Dispozinssatz hatte die Volksbank Feldatal in Hessen mit 14,75 Prozent verlangt.

22,5 Prozent, wenn der Disporahmen überschritten wird

Besonders krass: Dieses Institut stelle seinen Kunden einen Zinssatz von 22,5 Prozent in Rechnung, wenn auch der Rahmen für einen Dispokredit überzogen werde.

Die Stiftung Warentest beklagte mangelnde Transparenz der Banken. Von den 1538 verglichenen Instituten hätten nur 413 ihre Zinssätze "ohne Umschweife" genannt. Mehr als zwei Drittel der Institute hätten auf telefonische Anfrage die Dispozinsen nicht nennen wollen. Bei 519 dieser Verweigerer hätte man die Überziehungszinsen im Internet recherchieren könnten. Zu den übrigen 606 Banken habe man Tester geschickt, die den Preisaushang im Schaufenster fotografiert hätten. Bei 26 Instituten reichte auch das nicht, dort waren die Konditionen für Dispokredite nicht zu erfahren.

Insgesamt hätten die Tester Zinsunterschiede "von mehr als zehn Prozent" zwischen Deutschlands Banken und Sparkassen ermittelt, berichtete "Finanztest". Angesichts der niedrigen Marktzinsen aber, zu denen sich die Institute mit Geld versorgen könnten, sollten Dispozinssätze "zurzeit klar unter zehn Prozent liegen".

Einzelne Institute zeigten, dass es möglich sei, Kunden günstige Zinssätze für die Überziehung zu berechnen, berichtete "Finanztest". Beispiele seien die VR-Bank Uckermark Randow mit einem Zinssatz von 4,2 Prozent für ein bestimmtes Kontomodell sowie die Deutsche Skatbank mit 5,25 Prozent für ein Girokonto, das über das Internet geführt wird.

Insgesamt sanken die Sätze leicht

Die Ergebnisse des Vergleichs zeigten, dass viele Banken und Sparkassen lieber höhere Gewinne mitnähmen, "anstatt die Zinsvorteile an ihren Kunden weiterzugeben", kritisierte "Finanztest". Immerhin sei das durchschnittliche Niveau der Dispozinssätze seit dem Herbst vergangenen Jahres leicht von 11,76 Prozent auf jetzt 11,31 Prozent gesunken.

Die Verbraucherschützer werfen den Banken vor, sich nicht an Absprachen zu halten. Nach Ankündigungen der Bankenverbände sollten demnach mittlerweile die Preise für die Überziehung des Girokontos ins Internet gestellt werden. Am Stichtag 1. Juli hätten aber ein Drittel der Sparkassen und knapp zwei Drittel der Volks- und Raiffeisenbanken dies nicht gemacht.

Volksbanken sprechen von Stimmungsmache

In einer ersten Reaktion warfen die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken der Stiftung Warentest Stimmungsmache im Bundestagswahlkampf vor. "Ich kann das Getöse nicht nachvollziehen. Statt Aufklärung über den Mechanismus zu betreiben, der hinter der Preisfindung von Dispozinsen steht, mokiert man sich ausschließlich über die Höhe der Zinsen", sagte der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), Manfred Götzl, in München. Überziehungskredite seien unbesichert und damit für die Banken die teuerste Form der Kreditgewährung. Hohe Zinsen seien "schlichtweg eine kaufmännische Erfordernis", sagte Götzl.

Eine Obergrenze für Dispozinsen lehnte Götzl erneut strikt ab. Der Verbandschef hat bereits mehrfach die hohen Zinsen für Dispokredite verteidigt. Kein Kunde müsse sein Konto überziehen und Banken seien auch nicht verpflichtet, solche Kredite anzubieten, hatte Götzl vor einigen Monaten gesagt. Günstige Zinsen verführten Kunden sogar eher, ihr Konto zu überziehen. Dispokredite seien ein Service, um Verbrauchern kurzfristig mehr finanziellen Spielraum zu gewähren.

*Die ursprünglich von Stiftung Warentest ebenfalls als Spitzenreiter geführte Raiffeisenbank Taufkirchen-Oberneukirchen hat tatsächlich einen Dispozinssatz von 13,25 Prozent und nicht 14,75, wie Stiftung Warentest am Mittwoch, 21. August, mitteilte. Wir haben diesen Text deshalb korrigiert.

anb/AFP/Reuters / Reuters