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TIPPS: So Steuern Sie richtig

Warten Sie nicht, bis Hans Eichel die Steuern senkt. Wir zeigen Ihnen 25 legale Tricks, mit denen Sie bei jedem Finanzbeamten durchkommen.

Leicht erliegt man der Versuchung, vor der Bürokratie des Finanzamtes zu kapitulieren. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Steuerzahler dem Finanzminister jährlich rund eine Milliarde Mark schenken, weil sie Anträge und Steuerformulare nicht oder falsch ausfüllen.

Dabei lässt sich mit einfachen Steuertricks ganz legal das eigene Nettoeinkommen erhöhen. Besonders innerhalb der Familie gibt es durch Miet-, Schenkungs- und Arbeitsverträge viele Möglichkeiten, sich Vorteile zu sichern oder zu viel gezahlte Steuern zurückzubekommen. Deshalb ist es wichtig, dieses Jahr noch die Weichen zu stellen, damit das Finanzamt Ausgaben im nächsten Jahr als Werbungskosten und Sonderausgaben für 2001 anerkennt. Denn es tut sich einiges im Steuerrecht. Der stern hat 25 neue und bewährte Tipps und Tricks zusammengetragen, die sich garantiert auszahlen.

KINDER & FAMILIEKleine Kinder profitieren

Der Staat hat die Familienförderung reformiert. Die wichtigsten Änderungen:

* Ab Januar 2002 können Mütter und Väter die Kosten für Kinderbetreuung absetzen. Was über 1.548 Euro hinausgeht, mindert die Steuerlast. Maximal erkennt das Finanzamt 1.500 Euro als außergewöhnliche Belastung an.

* Das Kindergeld steigt um 16 Euro auf 154 Euro - ab dem vierten Kind gibt es sogar 179 Euro. Mehr Geld in die Familienkasse sollen auch die neuen Kinderfreibeträge von 3.648 Euro bringen. Ein Plus von 114 Euro.

* Verlierer sind dagegen Eltern mit Kindern, die sich in einer Ausbildung befinden - sie zahlen drauf. Gestrichen wird der jährliche Ausbildungsfreibetrag von 1.800 Mark für Kinder unter 18 Jahren, die nicht mehr zu Hause wohnen. Ebenso müssen Eltern, deren erwachsene Kinder noch daheim wohnen, künftig auf 2.400 Mark Freibetrag verzichten.

Wohnrecht für Ex-Partner

Unterhaltszahlungen an den geschiedenen Ehepartner können bis zu einer Höhe von 27.000 Mark (ab 2002: 13.805 Euro) als Sonderausgaben abgezogen werden. Voraussetzung: Der Empfänger versteuert diesen Betrag. Das Finanzamt muss jedoch nicht nur Geld anerkennen. Nutzt der Ex-Partner das gemeinsame Eigenheim weiterhin, kann ein Teil des Mietwerts abgesetzt werden - wenn die Unterhaltsregelung vertraglich festgehalten ist.

Den Kindern vermieten

Dem Nachwuchs die eigene Wohnung zu vermieten, bringt Vorteile. Viele Kosten, die im Zusammenhang mit der Wohnung entstehen, können als Werbungskosten von den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abgezogen werden. Voraussetzung: Die Kinder zahlen mindestens 50 Prozent der ortsüblichen Miete. Dies funktioniert nach Ansicht des Bundesfinanzhofes auch dann, wenn das Kind die Miete vom Barunterhalt der Eltern bezahlt. Nicht anerkannt wird das Mietverhältnis, wenn das Kind seinen Unterhalt nur mit Hilfe von BAföG bestreitet (FG Baden-Württemberg, 14 K 260/94).

Vorsicht, Nebenjob!

Schüler und Studenten mit Nebenjobs müssen mitrechnen. Denn Eltern verlieren Anspruch auf Kindergeld, wenn die Einnahmen des Sprösslings im Jahr 14.040 Mark übersteigen (ab 2002 7.188 Euro). Einkünfte aus Kapitalvermögen im Rahmen des Sparerfreibetrags dürfen jedoch nicht hinzugerechnet werden. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH/NV 2001, Seite 375) dürfen Kinder Aufwendungen für die Ausbildung von ihren Einkünften abziehen. Ausgaben für Bücher, Fahrten zur Uni oder Studiengebühren mindern die Einkünfte. Der Vorteil: Kinder können mehr verdienen, bis Eltern den Anspruch auf Kindergeld verlieren.

Frühes Schenken spart

Wer Vermögen verschenkt, kann Freibeträge nutzen. 600.000 Mark (2002: 307 000 Euro) an den Ehepartner und 400.000 Mark (205.000 Euro) an Kinder bleiben steuerfrei - und das alle zehn Jahre lang. Bei größeren Summen lohnt eine so genannte Kettenschenkung: Jeweils an Ehefrau und Kind wird ein steuerfreier Betrag verschenkt. Nach einer Wartefrist von mindestens sechs Monaten schenkt dann die Mutter dem Nachwuchs den Rest. Je länger die Mutter das Geld behält, bevor sie es weiterschenkt, desto weniger wird der Fiskus die Schenkung anzweifeln.

GESUNDHEIT & VORSORGEArztbesuch

Ein kleiner Unfall beim Joggen kann große Folgen haben: komplizierter Bänderriss, Operation, Krankengymnastik, Nachbehandlung. Das kostet Zeit und Geld. Regelmäßige Fahrten etwa zum Arzt können als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden. Das Gleiche gilt auch für Medikamente. Voraussetzung: Die Ausgaben übersteigen die zumutbare Eigenbelastung. Diese richtet sich nach Familienstand und Einkommen.

Diät auf Staatskosten

Wenn der Arzt dazu rät abzunehmen, um Krankheiten vorzubeugen, können entstandene Kosten als außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden. Neben dem Attest müssen allerdings alle Kosten genau aufgelistet und samt Quittungen eingereicht werden. Auch hier gelten die Grenzen der zumutbaren Eigenbelastung abhängig vom eigenen Einkommen.

Kranke unterstützen

Wer chronisch Kranken Unterhalt zahlt, sollte sich nicht mit der absetzbaren Höchstgrenze von 14:040 Mark (7:188 Euro) zufrieden geben. Denn zusätzlich zu den Aufwendungen für den Unterhalt können noch andere Kosten geltend gemacht werden. Das Finanzamt erkennt Kranken- und Lebensversicherungsbeiträge an, zusätzliche Lebensmittelkosten wie Obst fürs Krankenhaus oder übernommene Operations- oder Krankenhauskosten. Tipp: Solange die absetzbaren 14:040 Mark noch nicht erreicht sind, sollte man statt mit Sachleistungen immer finanziell unterstützen.

KAPITALANLEGERSpekulationsfrist einhalten

Wer den Fiskus nicht am Aktiengewinn beteiligen will, muss Wertpapiere länger als ein Jahr liegen lassen. Werden sie dagegen innerhalb eines Jahres verkauft, sind Gewinne bis zu 999 Mark steuerfrei. Eine Mark mehr, und der gesamte Betrag ist steuerpflichtig.

Ab dem 1. Januar 2002 müssen Gewinne jedoch nur noch zur Hälfte versteuert werden. Dann gilt das so genannte Halbeinkünfteverfahren. Aber aufgepasst: Gleiches gilt auch für Verluste. Anleger, die ihre Verluste vor Ablauf der zwölfmonatigen Spekulationsfrist im Jahr 2001 realisieren, können diese zu 100 Prozent mit den Spekulationsgewinnen des nächsten Jahres verrechnen.

Mehr Freibeträge

Gewinne wie Zinsen oder Dividenden sind steuerpflichtig. Pro Jahr steht Ihnen allerdings ein Sparerfreibetrag zur Verfügung. Bei Ledigen bleiben 3.000 Mark, bei Verheirateten 6.000 Mark unversteuert. Dazu kommt eine Werbungskostenpauschale von 100 Mark für Singles und 200 Mark für Ehepaare. Überschreiten die Erträge diesen steuerfreien Teil, sollten Sie handeln: Übertragen Sie einen Teil des Geldes zum Beispiel auf Ihre minderjährigen Kinder. Auch diesen steht ein voller Freibetrag zu.

Vorsorge für Kinder

Je eher Eltern damit beginnen, für ihre Kinder zu sparen, desto mehr Kapital sammelt sich an. Eltern, die für ihr Kind eine Kapitallebensversicherung abschließen, können die Beiträge als Sonderausgaben absetzen. Die Erträge bleiben steuerfrei.

Versicherungen verschenken

Wer seine Lebensversicherung verschenkt, muss auf die Freibeträge achten. Nur noch dieses Jahr besteht bei bereits länger laufenden Versicherungen die Möglichkeit, die steuerliche Bewertung zu drücken. Beispiel: Sie verschenken eine Versicherung. Der Beschenkte wird neuer Versicherungsnehmer und übernimmt die weiteren Beitragszahlungen. Insbesondere unter Familienangehörigen ist dies problemlos möglich. Die Bemessungsgrundlage für die Schenkungssteuer beträgt dann nur zwei Drittel der bereits eingezahlten Beiträge. Aber ab 2002 wird voraussichtlich nur noch die Bewertung mit dem Rückkaufwert möglich sein.

Sparen mit Spezialfonds

Interessant für Besserverdienende, die den Spitzenabgabensatz von 48,5 Prozent zahlen, sind steuersparende Geldanlagen mit hohen Verlustzuweisungen. Das Prinzip: Über geschlossene Fonds beteiligt man sich an Immobilien, Schiffen, Windparks und anderen Großprojekten. Gewinne werden bei diesen Spezialfonds erst nach Jahren ausgeschüttet. Bis dahin profitieren Anleger von steuerlichen Verlusten, die das Finanzamt mit dem Einkommen verrechnet. Doch Vorsicht: Zwei aktuelle Urteile des Bundesfinanzhofs lassen die Steuervorteile schrumpfen. Generell sind geschlossene Fonds nur etwas für Anleger, die sich zutrauen, die jeweiligen Wirtschaftlichkeitskonzepte zu beurteilen. Sonst ist das Risiko schwer einzuschätzen. So platzten Fonds über Flugzeugbeteiligungen nach den Terroranschlägen am 11. September 2001, als einige Fluggesellschaften ihre Orders stornierten.

ARBEITNEHMERAuf Firmenkosten telefonieren

Überlässt der Chef seinen Mitarbeitern betriebliche Mobiltelefone oder Computer, so ist deren Nutzung komplett steuerfrei. Das bedeutet: Auch die privaten Kosten sind für den Arbeitnehmer steuerfrei. Vorteil für den Chef: Er kann Internet- und Telefonkosten wie etwa Grundgebühren und Einheiten als Betriebsausgaben absetzen.

Privater Computer

Wer am heimischen Computer Geschäftliches erledigt, hatte bislang Pech: Das Finanzamt lehnte die Anerkennung von Werbungskosten bei PCs, die privat genutzt wurden, kategorisch ab. Doch damit ist jetzt Schluss. Wer den geschäftlichen Anteil der Kosten glaubhaft macht, darf sie auch absetzen. Dabei genügt es, die Ausgaben für drei Monate nachzuweisen, damit diese Kosten für das ganze Jahr zugrunde gelegt werden. Gut funktioniert die Überzeugungsarbeit mit Listen von besuchten Websites oder Schreiben vom Arbeitgeber. Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hält inzwischen auch eine Schätzung der Kosten für rechtens. 35 Prozent standen nach Ansicht der Finanzrichter dem Steuerzahler zu (Az: 5 K 1249/00).

Umzugskosten reduzieren

Wer aus beruflichen Gründen umzieht, kann den Staat an den Kosten beteiligen. Der Transport der Arbeitszimmereinrichtung wird auch beim privaten Umzug als Werbungskosten akzeptiert. Für das Trinkgeld der Möbelpacker, für Inserate, Telefongespräche, den Abbau von Heizgeräten und Vorhängen können Sie eine Pauschale geltend machen (Alleinstehende 1.027 Mark, Ehepaare 2.054 Mark, 452 Mark für jedes weitere Familienmitglied). Insgesamt zwei Fahrten zur neuen Wohnung mit je 0,58 Mark pro Kilometer sowie eventuelle Übernachtungskosten können Jobwechsler absetzen.

Doppelte Haushaltsführung

Liegen Wohnort und Arbeitsort so weit auseinander, dass Sie in der Nähe des Büros eine Unterkunft anmieten müssen, liegt doppelte Haushaltsführung vor, vorausgesetzt, Sie unterhalten am Wohnort einen eigenen Hausstand. Dann mindern Kosten wie etwa Miete, Verpflegungsaufwand, Telefongebühren und Familienheimfahrten Ihre Steuern. Besonders wichtig: Die erhöhte Kilometerpauschale von 0,80 Mark gilt bei den wöchentlichen Heimfahrten ab dem ersten Kilometer.

Pech bei der Arbeit

Der Absatz bricht ab, oder die Brille geht kaputt: Wenn das Malheur im Büro passiert, können Sie die Rechnungen für Reparatur oder Reinigung grundsätzlich beim Finanzamt einreichen und als Werbungskosten absetzen. Doch der Fiskus will es genau wissen. Hilfreich ist ein Nachweis. Legen Sie der Quittung nach Möglichkeit eine Bescheinigung des Arbeitgebers oder einen Unfallbericht eines Arbeitskollegen bei.

Direkt Steuern sparen

Wer eine Direktversicherung wählt, spart kräftig. Das Prinzip: Arbeitnehmer schließen über den Arbeitgeber eine Lebensversicherung ab. Die Prämien werden dann beispielsweise vom Bruttogehalt oder aus dem Weihnachtsgeld bezahlt. Vorteil: Der Fiskus verlangt auf Beiträge bis zu jährlich 3.408 Mark (1743 Euro) nur einen pauschalen Steuersatz von 20 Prozent. Weiterer Vorteil: Auch der zu entrichtende Solidaritätszuschlag sowie die Kirchensteuer verringern sich. Tipp: Weihnachtsgratifikationen gelten als Sonderzahlungen. Finanzieren Sie die Beiträge zur Direktversicherung vollständig daraus. Liegt Ihr Bruttoeinkommen unter der Bemessungsgrenze der Sozialversicherung, lassen sich zudem noch die Beiträge zur Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sparen. Dies gilt auch für die Beiträge zur Pflegeversicherung.

Neue Pauschale

Arbeitnehmer können in diesem Jahr für den Weg zur Arbeit die neue Entfernungspauschale nutzen. Ob zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem Auto - für alle gilt: Die ersten zehn Kilometer zum Arbeitsplatz schlagen mit 0,70 Mark zu Buche, jeder weitere mit 0,80 Mark. Ohne Belege erkennt das Finanzamt bis zu 10.000 Mark an. Auch Pendler in Fahrgemeinschaften sparen nicht nur Benzin: Für die Tage als Beifahrer rechnen Sie pauschal maximal 80 Pfennig pro Kilometer ab. Die Fahrten mit dem eigenen Auto werden ebenfalls auf diese Weise abgerechnet. Kommen Sie über die 10.000-Mark-Grenze, verlangt der Fiskus Belege. In der Regel genügen Bestätigungen der mitfahrenden Kollegen.

Nützliche Weihnachtsgeschenke

Großzügigkeit kann Steuern senken: Denn Geschenke für Geschäftspartner sind abzugsfähig. Allerdings werden nur 75 Mark (2002: 40 Euro) pro Jahr und Empfänger akzeptiert. Teurere Geschenke können Sie gar nicht absetzen.

Günstiger Steuerberater

Beträgt das Honorar für die Beratung bis zu 1.000 Mark, können Sie entscheiden, ob Sie die Kosten als Sonderausgaben oder Werbungskosten geltend machen. Denken Sie auch daran, Belege für Steuerfachliteratur, Software, Porto, Fax und Telefonrechnungen aufzuheben.

Wachhund absetzen

Wer seinen Betrieb von einem Hund bewachen lässt, kann Steuern sparen. Denn nicht nur Bellos Kaufpreis, auch Aufwendungen für Futter, Steuer und Haftpflicht sind als Betriebskosten ab setzbar. Wer allerdings angibt, das Schoßhündchen Mimi liege an der Kette, um Einbrecher in die Flucht zu schlagen, ist wenig glaubwürdig.

Verkehrsfunk hören

Jeder, der seinen Pkw hauptsächlich für berufliche Zwecke nutzt, kann Anschaffungskosten und Rundfunkgebühren für das Autoradio als Betriebsausgaben von seinen Einkünften abziehen. Ausschlaggebend ist, ob das Radio eingebaut wurde, um den Verkehrsfunk hören zu können.

Eltern arbeiten mit

Eltern, die in Ihrem Betrieb mitarbeiten, helfen, Steuern zu sparen. Voraussetzung ist, dass Sie einen Arbeitsvertrag abschließen, in dem die Aushilfstätigkeit geregelt ist. Die Beschäftigung darf nicht regelmäßig sein und nicht mehr als 50 Tage im Jahr betragen. Außerdem darf maximal an 18 zusammenhängenden Tagen gearbeitet werden. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, ist die Arbeit sozialversicherungsfrei. Lohn- und Kirchensteuer sowie Solidaritätszuschlag werden vom Arbeitgeber pauschal übernommen und als Betriebsausgaben verbucht, das Gehalt der Eltern bleibt steuerfrei.

Von Jessica Krauss