Ungedeckte Leerverkäufe Bundestag verbietet riskante Börsenwetten


Den Spekulanten an der Börse dürfte das gar nicht gefallen: Der Bundestag hat mehrere riskante Spekulationsgeschäfte verboten - als bislang einziges Land in Europa. Die Kritik der Opposition kam prompt. Der Gesetzesentwurf sei ein "Placebo".

Als weitere Konsequenz aus der Finanzkrise sind eine Reihe riskanter Spekulationsgeschäfte an deutschen Börsen künftig verboten. Der Bundestag untersagte am Freitag ungedeckte Leerverkäufe von Aktien und Staatsanleihen von Euro-Ländern. Sie gelten als Brandbeschleuniger der Krise, die den Finanzmarkt mehrfach an den Rand des Zusammenbruchs getrieben hatten. Mit dem Verbot steht die schwarz-gelbe Koalition international weitgehend isoliert da. Kritiker bemängeln, deshalb werde das Gesetz keine Wirkung entfalten.

Bei ungedeckten Leerverkäufen wetten Investoren auf fallende Kurse. Dabei haben sie die zugrundeliegenden Wertpapiere allerdings noch nicht im Besitz. Verboten wird außerdem der Abschluss ungedeckter Kredit-Ausfallversicherungen auf Anleihen von Euro-Ländern. Die CDS genannten Spekulationsinstrumente waren in der Euro-Krise in die Kritik geraten. Mit dem Gesetz werden die Börsenaufsicht Bafin und das Finanzministerium zudem ermächtigt, bei Bedarf weitere Finanzgeschäfte zu untersagen. Das Gesetz muss noch den Bundesrat passieren und vom Bundespräsidenten unterzeichnet werden. Beides gilt als Formalie. Es tritt unmittelbar nach seiner Verkündung in Kraft.

Europäische Zentralbank moniert Alleingang

Die Opposition kritisierte das Gesetz. Der SPD-Finanzpolitiker Manfred Zöllmer bemängelte: "Dieser Gesetzentwurf ist ein Placebo. Er ist wirkungslos. Er ist reine Symbolpolitik." Ein gravierender Geburtsfehler des Vorhabens sei, dass es ein unabgestimmter Alleingang sei. Wer so vorgehe, zeige, dass er nicht Regulierung wolle, sondern dieses nur vortäuschen wolle. Barbara Höll von den Linken und Gerhard Schick von den Grünen begründeten die Enthaltungen ihrer Fraktionen damit, dass das Gesetz zwar gerade in Sachen Transparenz in eine richtige Richtung gehe, es sei aber lückenhaft und gehe das Übel der Spekulation nicht konsequent an.

Kritik an dem Verbot war selbst aus dem Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) gekommen. Frankreichs Zentralbankpräsident Christian Noyer hatte moniert, Einzellösungen könnten weniger effektiv sein und Schwankungen an den Märkten erhöhen. Die Bundesregierung sieht sich dagegen als Vorreiter in Europa.

mre/Reuters Reuters

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