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Vor Entscheidung der EZB: Finanzexperten warnen vor Leitzinssenkung

Heute wird die Europäische Zentralbank verkünden, ob sie den Leitzins auf ein neues Rekordtief senken wird. Experten warnen: Mit der Niedrigzinspolitik schlage man einen gefährlichen Weg ein.

Vor der mit Spannung erwarteten Leitzinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) haben Finanzexperten noch einmal vor einer Niedrigzinspolitik gewarnt. "Das ist ein ganz gefährlicher Weg, den die EZB da einschlägt", sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, im ARD-"Morgenmagazin". "Wir entwerten die Vermögen der Menschen in Europa mit diesem niedrigen Zins. Das hilft niemandem."

Die EZB verkündet um 13.45 Uhr in Frankfurt am Main ihre Entscheidung zur Entwicklung der Leitzinsen in der Euro-Zone. Es wird erwartet, dass die Währungshüter den Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB mit Geld versorgen, von derzeit 0,25 Prozent auf ein neues Rekordtief absenken werden. Zudem äußert sich EZB-Präsident Mario Draghi zu möglichen weiteren Schritten, mit denen die EZB die niedrige Inflation in der Euro-Zone antreiben könnte. Ein Instrument könnte eine Art Strafzins für Banken sein, die überschüssiges Geld bei der EZB parken, anstatt es für Unternehmenskredite auszugeben.

"Die Europäische Zentralbank ist nicht der richtige Ort, um die Strukturprobleme europäischer Mitgliedsstaaten zu lösen. Da überhebt sie sich", kritisierte Fahrenschon. Auch Christian Ahlers, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband, warnt: "Die Geldpolitik wird sich irgendwann normalisieren müssen. In den USA hat der Abschied vom billigen Geld bereits begonnen", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Für die Eurozone komme es darauf an, die Stagnation in den südlichen Mitgliedsländern zu überwinden.

Anstelle der EZB seien die Regierungen der Euroländer gefordert, gegen die "wirtschaftliche Misere Europas" vorzugehen, sagte der Grünen-Politiker Gerhard Schick der "NOZ". "Sie müssen endlich mit Zukunftsinvestitionen für neue wirtschaftliche Dynamik sorgen, insbesondere auch in Deutschland."

car/DPA / DPA