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Währung: "Wir nehmen auch Euro"

Skurril sind sie schon, die Briten. Obwohl die große Mehrheit immer noch strikt gegen die Euro-Einführung ist, wird die EU-Währung in Großbritannien doch überraschend oft akzeptiert.

Der Andenkenladen gegenüber von Colchester Castle im Südosten Englands gibt sich weltoffen: "Wir nehmen auch Euro", steht auf dem kleinen Schild im Schaufenster. Hier kann man Postkarten, Nippesfiguren und Schokolade mit Euro erwerben. Und das ist keine Ausnahme: Obwohl die große Mehrheit der Briten nach allen Umfragen gegen eine Einführung des Euro ist, kann man auf der Insel doch vielerorts damit bezahlen. Das gilt vor allem dort, wo sich mit Touristen vom Kontinent Geld verdienen lässt. Im Londoner Edel-Kaufhaus Harrods zum Beispiel kann man sowohl mit Euro als auch mit US-Dollar zahlen. Allerdings nimmt das Kassenpersonal nur Scheine, das Wechselgeld bekommt man in Pfund zurück.

Geschäft mit den Touristen

Dabei ist es egal, ob man einen Bleistift für 50 Pence oder ein Paar Schuhe für 50 Pfund kauft. Der Wechselkurs liegt bei 1,61 Euro für 1 Pfund - etwas mehr, als man beim Umtauschen auf der Bank bezahlen würde. "Dass wir ausländische Währungen annehmen, richtet sich alleine nach der Nachfrage", sagt Harrods-Sprecherin Vicky Arscott.

Nicht nur der Einzelhandel, auch Pensionen und Hotels stellen sich auf den Euro ein. Das Marcliffe Hotel im schottischen Aberdeen zum Beispiel beherbergt Touristen, die für einen Kurzurlaub oder zum Golf spielen kommen, und akzeptiert seit über einem Jahr auch die europäische Währung. Der für die Finanzen zuständige Alan Jappy meint: "Man sollte den Euro unter denselben Bedingungen annehmen wie das Pfund. Nur so kann man voll von einem Markt mit 300 Millionen Menschen vor der eigenen Haustür profitieren."

Auch Telefonzellen schlucken Euro

Selbst Telefonzellen werben seit einem Jahr mit einem Aufkleber, wonach die Fernsprecher neben dem Pfund jetzt auch Euro schlucken. Wer also mal kurz die Oma anrufen will, um ihr von der Wachablösung am Buckingham-Palast zu erzählen, kann das auch mit heimischen Münzen tun. Rund 4000 Telefonzellen auf den britischen Inseln sind schon auf Euro eingestellt, die meisten davon in London und Umgebung.

"Der Service ist unter anderem für Touristen gedacht, die gerade angekommen sind und noch kein Geld umgetauscht haben oder nur über Scheine verfügen", erläutert Lesley King, Pressesprecher bei British Telecom (BT). Außerdem könnten Briten, die auf dem europäischen Kontinent Urlaub gemacht hätten, ihre restlichen Münzen im eigenen Land vertelefonieren.

Sogar EU-Gegner sehen's gelassen

Anstoß nehmen daran noch nicht einmal die größten EU-Feinde. Selbst die United Kingdom Independence Party, die für den sofortigen EU-Austritt Großbritanniens kämpft und bei der Europawahl drittstärkste Kraft wurde, hat nichts dagegen einzuwenden. Das sei mit Sicherheit kein "Hintertürchen", um den Euro inoffiziell als Zahlungsmittel einzuführen, sagt Pressesprecher Quentin Williams: "Wir wollen mit unseren Freunden auf dem Kontinent und in Deutschland durchaus Handel treiben, wir wollen nur nicht mit ihnen in einer politischen Union sein."

Gaby Mahlberg, dpa / DPA
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