Währungsreserven Wie viel Gold braucht ein Land?


Während in Deutschland beim Thema Bundesbank-Gold die Wellen hoch schlagen, bauen die Nachbarländer ohne viel Aufregung ihre als zu hoch erachteten Goldbestände ab.

Die Deutsche Bundesbank hütet - nach der US-Notenbank - den zweitgrößten Goldschatz der Welt. Doch anders als in den europäischen Nachbarländern tobt hierzulande die Diskussion, wie hoch die Goldreserve zu sein hat. Gerade haben nach dem seit 2004 geltenden fünfjährigen Abkommen der Zentralbanken die Notenbanken Frankreichs, der Niederlande und Österreichs ihre Pläne zum Verkauf größerer Mengen bekannt gegeben. Nur die Deutsche Bundesbank wird wegen des Streits mit der Regierung um die Verwendung von Erlösen ihre Verkaufsoption über jährlich 120 ihrer insgesamt 3428 Tonnen vorerst weiter nicht nutzen. Anders als die Bundesbank konnten die Schwesterbanken allerdings auch fast unbehelligt von einer breiten öffentlichen Diskussion entscheiden, wie viel Edelmetall sie noch für notwendig halten.

Deutschlands Nachbarn sind pragmatischer

Notenbanken schätzen Gold als wichtige Reserve, weil es eine sichere Sachanlage ist. Anders als Währungsreserven ist es keine Forderung gegen einen anderen Staat, die auch platzen könnte. Die Währungshüter heben Gold mit seinem über Jahrzehnte und Jahrhunderte stabilen Wert deshalb außerdem für Krisenfälle in ihren Tresoren auf. Das Edelmetall sichert auch gegen den Wertverfall anderer Reserven ab - so steigt der Goldpreis, wenn der Dollar fällt. Durch Leihgeschäfte kann es zudem Erträge abwerfen. Gold hat außerdem einen Symbolwert für die Bevölkerung: Obwohl die Zeiten der Goldbindung vorbei sind, vermittelt es die Sicherheit, dass Papiergeld etwas wert ist.

Nach Worten von Rudolf Trink, Direktor der Hauptabteilung Treasury der Oesterreichischen Nationalbank, muss jedoch jede Zentralbank für sich entscheiden, wieviel Gold sie halten will, da es allgemeingültige Zielwerte nicht gibt. Allenfalls lassen sich Vergleiche ziehen, etwa zwischen dem Goldanteil an den Gesamtreserven. Weltweit macht Gold an den gesamten Reserven der Zentralbanken neun Prozent aus. In Deutschland bestehen 52 Prozent der Reserven aus Gold - was dem Durchschnitt der Euro-Zone entspricht. Unter den großen Zentralbanken klafft aber eine weite Spanne von gerade mal 1,4 Prozent bei der Bank von Japan bis zu 67,5 Prozent bei der US-Notenbank Federal Reserve.

Umschichtung in besser verzinste Währungsreserven

Die Bundesbank kam 2003 zu dem Ergebnis, dass Deutschland im internationalen Vergleich gemessen etwa am Bruttoinlandsprodukt oder den Importen eher wenig Gold besitzt. Frankreichs Notenbank, mit einem Goldanteil von 55 Prozent ähnlich üppig bestückt wie die Bundesbank, will bis zu 600 Tonnen verkaufen. Der Verkaufserlös wird in höherrentierliche Währungsreserven angelegt, mit denen die Banque de France einen jährlichen Zusatzgewinn von 200 Millionen Euro erzielen will. Ziel sei eine ausgewogenere Mischung der Reserven, dennoch bleibe Gold für die Bank wichtig, erläuterte eine Sprecherin der Notenbank.

Die Österreicher haben ohne aufgeregte Debatten seit Beginn der 90er Jahre ihren Bestand halbiert und werden mit den anvisierten Verkäufen von bis zu 90 Tonnen bis 2009 den Goldanteil an den Reserven auf rund 30 Prozent senken. Die OeNB setzt mehr als die Hälfte ihres Goldschatzes für Leihegeschäfte ein, mit denen sie derzeit zwar keine üppigen aber Trink zufolge doch zufriedenstellende Erträge erhält. Die Zentralbanken achteten immer stärker darauf, mit ihren Reserven Gewinn zu erzielen, auch wenn das nicht ihr oberstes Ziel sei.

Politische Weisungen darf es nicht geben

Anders als in Deutschland habe es in Österreich über die Verwendung der Reserven nie eine aufgeheizte Diskussion gegeben, die der Zentralbank die Entscheidung schwer macht. Denn die Hoheit über die Reserven ist Ausdruck der Unabhängigkeit der Zentralbank von politischen Weisungen. "Es ist fraglich, ob sich eine Notenbank in einem solchen Umfeld überhaupt bewegen kann, denn sie muss darauf achten, dass ihre Unabhängigkeit gewahrt bleibt", sagt Trink. Die Schweizer Nationalbank, die 2004 ihren umfangreichen Verkauf von fast 1300 Tonnen Gold abgeschlossen hat, zog aus dem acht Jahre dauernden Streit der Politiker über die Verwendung des Gewinns ihre Schlüsse. Die Entscheidung über den Verkauf an sich müsse strikt von der Frage der Verwendung getrennt werden, resümierte SNB-Direktoriumsmitglied Philipp Hildebrand kürzlich.

Ilona Wissenbach/Reuters Reuters

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