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Weltspartag: Jeder zehnte Euro wird gespart

Die Deutschen haben gerne etwas auf der hohen Kante: In den ersten sechs Monaten des Jahres sparten sie 78 Milliarden Euro - das ist etwa der Jahresumsatz von Siemens. Allerdings füttern sie oft das falsche Sparschwein.

"Spare in der Zeit, dann hast du in der Not": Diese uralte Weisheit spricht den Deutschen offenbar aus der Seele. Wie das Statistische Zentralamt mitteilte, lag die Sparsumme in den ersten sechs Monaten des Jahres bei 78 Milliarden Euro - das entspricht etwa dem Jahresumsatz des Industriegiganten Siemens. Im Schnitt legten die Verbraucher in Deutschland 10,4 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zurück, das wäre eine Summe von 160 Euro je Bürger und Monat. Etwa jeder zehnte Euro wanderte dabei in ein Sparschwein.

Bei der Sparquote liegt Deutschland hinter Frankreich und Italien, ist aber weit entfernt von der Konsumlust der USA: Dort war die Quote zuletzt sogar leicht negativ - das langdauernde US-Wirtschaftswunder ist nichts anderes als exzessiver Konsum auf Pump. Der Durchschnitts-Amerikaner gibt mehr aus als er einnimmt. In Deutschland hatte die Sparquote in den 70er Jahren Werte von 16 Prozent erreicht, die 9,2 Prozent während des Internet-Booms im Jahr 2000 waren der historische Tiefpunkt - damals wagten sich breite Bevölkerungsschichten im Geldrausch mit ihrem Ersparten an die Börse.

Besonders beliebt: Wohungsbau

Die privaten Haushalte fütterten jedoch nicht nur ihre Sparschweine, sondern investierten auch kräftig: Netto kam dafür eine Summe von knapp 30 Milliarden Euro zusammen, die vor allem für den Wohnungsbau verwendet wurde. Mitte der 90er Jahre waren es allerdings noch 80 Milliarden Euro. Die große Mehrheit deutscher Haushalte setzt beim Sparen aber noch immer auf zu niedrig verzinste Anlagen. Allein auf bundesdeutschen Sparbüchern "fristen" nach Schätzung des Finanzdienstleisters AWD mehr als 600 Milliarden Euro ein zinsschwaches Dasein.

Bei einer aktuellen Untersuchung von 60.000 Haushalten hat der AWD ganz aktuell eine Hitliste der "größten Anlagefehler" der Deutschen berechnet: Unangefochtener Spitzenreiter ist dabei, dass Guthaben unverzinst auf einem Girokonto zu lassen (82 Prozent der Befragten). Gleich darauf folgt dann, das Ersparte mit sehr niedriger Verzinsung auf dem Sparbuch zu parken (81 Prozent).

Nach Ansicht der nordrhein-westfälischen Verbraucherzentrale können die Bundesbürger ihr Geld deutlich besser anlegen, als sie es gemeinhin tun. "Die deutschen Sparer verschenken Jahr für Jahr Milliarden Euro an Zinserträgen", erklärte Vorstand Klaus Müller. Rund 107 Milliarden Euro lägen auf normalen Sparbüchern mit einer Verzinsung von meist unter einem Prozent pro Jahr. Bei gleicher Anlagesicherheit lassen sich dagegen laut Müller etwa mit Tagesgeldkonten bis zu drei Prozent Anlageertrag jährlich erzielen. Nicht nur Direktbanken, sondern auch andere Banken und Sparkassen seien mittlerweile in den Markt mit Zinsschnäppchen eingestiegen. "Die Sparer sollten ihre falsche Bescheidenheit aufgeben und von der Hausbank eine marktgerechte Verzinsung ihres Geldes verlangen", betonte Müller.

Tagesgeldkonto ist oft besser

Denn Sparpläne auf Tagesgeldkonten bieten bei gleicher Sicherheit oft bessere Renditen bei höchstmöglicher Liquidität. Und wer bereit ist, überschaubare Risiken in Kauf zu nehmen, erreicht langfristig mit einer Zugabe von Fonds- oder Zertifikatssparplänen eine weitaus bessere Durchschnittsrendite als der reine "Sparbuch-Sparer".

Wobei das Vorstandsmitglied der Volks- und Raiffeisenbank Neumünster, Rolf Wagner, die Sparbuch-Sparer auch in Schutz nimmt. "Nach einer Studie unseres Bundesverbandes haben die Bundesbürger ihre Ersparnisse 2005 um drei Prozent auf 159 Milliarden Euro ausgeweitet", so Wagner. Dabei sei die Vorsorge fürs Alter ein Sparmotiv, das immer wichtiger werde.

Begriff "Angstsparen" ist unpassend

Den Begriff des "Angstsparens" nannte findet Wagner unpassend. "Wer spart, erwirbt natürlich ein Stück Sicherheit für die Zukunft, das ist ja nichts Schlechtes", sagte er. Trotz der hohen Sparquote bleibe noch genug Geld für den Konsum übrig. "In den 1980er Jahren lag die Sparquote zwischen 12 und 14 Prozent, seit Mitte der 1990er Jahre hat sie sich wieder normalisiert", so Wagner. Außerdem sei das Sparen eine Voraussetzung für das Wachstum der Volkswirtschaft, betonte er. "Denn nur Geld, das gespart wird, können die Banken den Unternehmen als Kredite zur Verfügung stellen."

spi/DPA / DPA
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