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"Der größte Crash aller Zeiten": Stiftung Warentest zerreißt Finanzcrash-Fonds von Bestseller-Autoren

Ihr Buch über einen angeblich bevorstehenden Finanzcrash ist ein Bestseller. Den von den Autoren vermarkteten "Wertefonds" kritisieren die Experten der Stiftung Warentest allerdings deutlich.

Buchautoren

Die Buchautoren Matthias Weik (links) und Marc Friedrich bei einem ihrer zahlreichen Presseauftritte

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Marc Friedrich und Matthias Weik sind die derzeit wohl populärsten Untergangspropheten des Landes. In ihrem Bestseller "Der größte Crash aller Zeiten" warnen die Autoren vor nichts weniger als dem bevorstehenden Zusammenbruch unseres Finanzsystems. Praktischerweise verkaufen die beiden Gründer einer Honorarberatung allen, die Angst um ihr Geld haben, die Lösungen für das Problem gleich mit.

Mit dem "Friedrich & Weik Wertefonds R." vermarkten sie ein Finanzprodukt, das das Vermögen der Anleger gegen die vorhergesagte Krise absichert. Die Finanzexperten der Stiftung Warentest haben sich den "Wertefonds" für die Zeitschrift "Finanztest" nun genauer angesehen – und das Konzept ordentlich abgewatscht. Unterirdische Rendite, zu hohe Kosten und ethisch fragwürdig, lautet das vernichtende Fazit der Finanzexperten.

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Der als einzigartiger Schutz gegen Inflation und Nullzins angepriesene Fonds besteht aus den Anlageklassen Gold, Minenaktien, Aktien, Sachwerte sowie Barvermögen. Derzeit stecken laut "Finanztest" jeweils mehr als ein Fünftel des Fondsvermögens in Goldbarren, Goldminenaktien und in anderen Aktien, mit einem starken Fokus auf europäischen Nebenwerten, vor allem aus Deutschland. Zu den Sachwerten zählt ein Silber-ETF, perspektivisch seien auch Anlagen in Diamanten, Wald und Ackerland geplant. 20 Prozent des Fonds sind Barvermögen.

Die Kritikpunkte der Finanztester im Einzelnen:

Unterirdische Rendite

Das Zeitalter hoher Renditen sei vorbei "und das wird auch noch lange so bleiben", schreiben Friedrich und Weik auf ihrer Fonds-Website. Das gilt bislang vor allem für die Anleger des Wertefonds selbst: Seit dem Start im Januar 2017 hat der Wertefonds mickrige 4,4 Prozent Rendite erzielt. Und das in einer Zeit, in der nicht nur die Aktienmärkte boomten, sondern auch der Goldpreis stark gestiegen ist. Der globale Aktienmarkt stieg im gleichen Zeitraum laut "Finanztest" in Euro gerechnet um 38 Prozent, der Goldpreis um rund 29 Prozent.

Hohe Kosten

Das Tagesgeschäft des Fonds regeln nicht die Namensgeber Friedrich und Weik, sondern ein eigenes Management. Und das kostet offenbar einiges: "Mit Kosten von 1,94 Prozent pro Jahr ist der Wertefonds selbst für einen aktiv gemanagten Fonds relativ teuer", schreibt "Finanztest". Dazu kommt auch noch eine Erfolgsgebühr, sofern die Wertentwicklung über dem harmonisierten Verbraucherpreisindex plus drei Prozentpunkte pro Jahr liegt – dann würden 7,5 Prozent auf den Überschuss fällig. Bislang wurde diese Gebühr allerdings – mangels Erfolg – noch nie fällig. 

Ethisch fragwürdig

Die Initiatoren des Wertefonds stünden "nicht nur für das feste Vertrauen in Sachwerte, sondern auch für Werte wie Moral, Anstand und Ethik ein", heißt es im Werbeversprechen. Dahinter macht "Finanztest" ein dickes Fragezeichen. Wie das Ethik-Versprechen zur Anlage in Goldminenkonzerne oder Diamanten passe, bleibe rätselhaft. Die Goldförderung stehe in heftigem Konflikt mit dem Umweltschutz. Auch der Besitz von Goldbarren und -münzen sei aus ethisch-ökologischer Sicht problematisch.

Das Fazit der "Finanztest"-Experten: Ein Crash an den Finanzmärkten sei prinzipiell zwar immer möglich. Es gebe aber bessere Wege, sich dagegen zu schützen als den Wertefonds. Eine breite Streuung und die Investition in Sachwerte wie Aktien und – in geringem Maße – auch Gold ließe sich deutlich günstiger erreichen.

In Sachen Aktien empfehlen die Verbraucherschützer einen Weltaktien-ETF, also einen passiven Aktienfonds, der bei niedrigen Kosten die Entwicklung an den weltweiten Aktienmärkten nachvollzieht. Gold empfehlen die Finanztester nur als Ergänzung im Depot bis zu einem Anteil von zehn Prozent. Eine bequeme und preiswerte Alternative zu Barren und Münzen seien börsengehandelte Gold-ETC.

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