Zigarren Tabak-Tourismus der Edelklasse

Wer seine Cohibas liebt, der fliegt - zum Habanos Festival nach Kuba. Dort treffen sich alljährlich die Luxus-Raucher um gepflegt zu feiern, bis es qualmt.

Die Zigarrenverkäufer in der kubanischen Hauptstadt rüsten sich jährlich auf den Ansturm der Genuss-Touristen. Schachtel über Schachtel der wertvollen Ware stapelt sich dann in den Schaufenstern - Anziehungspunkt für zahlungskräftige Kundschaft aus dem Ausland. Fünf Tage Ende Februar steht die Stadt unter dem Zeichen der erlesenen Glimmstängel. Mehr als 900 Gäste aus 48 Ländern waren 2003 vor Ort, um den weltberühmten Tabak des kommunistischen Landes zu feiern.

Aber nicht nur die Qualität des kubanischen Tabaks ist legendär, auch sein Preis. Rund 384 Dollar (etwa 440 Euro) kostet eine Schachtel mit 25 Cohiba 'Esplendidos' in einem der vielen Tabakläden Havannas. Für die meisten Kubaner ein unbezahlbarer Luxus. Schließlich beträgt das durchschnittliche monatliche Regierungsgehalt etwas weniger als zehn Dollar (elf Euro). Dafür teilt die Regierung Rauchern jeden Monat vier Zigarren zu - die sind allerdings manchmal von zweifelhafter Qualität.

Doch den pensionierter Fahrer Francisco Rodriguez stört das wenig. "Die Marke ist mir egal", sagt der 68-Jährige, während er genüsslich auf einer Parkbank an seiner Zigarre zieht. "Diese hier kostet einen Peso (wenige Cents) und sie ist gut."

Tabak ist Kubas Exportschlager

Zunehmendes internationales Interesse an kubanischen Zigarren hatte die Regierung auf die Idee gebracht, ihren Exportschlager Tabak besser zu vermarkten. 1999 fand dann mit luxuriösen Abendessen, Zigarrenproben und Plantagenbesuchen das erste Habano-Festival statt. Allein die Dinner-Veranstaltungen haben in den letzten Jahren Millionen eingebracht, sagte Ana Lopez, Marketingdirektorin der kubanischen Zigarrenfabrik Habanos SA.

Und nicht nur die Regierung profitiert von dem Zigarren-Trend, auch die Qualität der Zigarren habe sich in den letzten sieben acht Jahren merklich verbessert, erklärte der französische Journalist Jean Paul Kauffmann, der im auf dem Festival schon als Mann des Jahres ausgezeichnet wurde. "Die Qualitätsunterschiede sind enorm", sagte er. Der Franzose ist Herausgeber der Zeitschrift 'Havanoscope', die jedes Jahr 200 kubanische Zigarren bewertet - von der Durchschnittsware bis zu absoluten Spitzenprodukten. Inzwischen hat sich die in Frankreich erscheinende Zeitschrift zur Zigarren-Bibel Europas entwickelt.

Die Zigarrenindustrie blüht

Mindestens 70 Prozent der kubanischen Zigarren-Exporte gehen mittlerweile nach Europa, die anderen 30 Prozent verteilen sich auf Asien, Kanada und den Nahen Osten. In den USA ist der Verkauf kubanischer Zigaretten auf Grund des Handelsembargos verboten. Wurden im Jahr 2000 noch 118 Millionen Zigarren für den Export produziert, waren es 2001 schon 153 Millionen - Nachfrage steigend.

Die Zigarrenindustrie blüht, und das, obwohl sie schon vor Jahren einen der wichtigsten Raucher verloren hat. Der kubanische Präsident Fidel Castro, der immer eine brennenden Zigarre in der Hand zu haben schien, gab das Rauchen 1986 im Zuge einer nationalen Gesundheitskampagne auf. Aber selbst als Nichtraucher besuchte er das Habano-Festival.

Sein älterer Bruder, Ramon Castro, dagegen raucht immer noch. 65 seiner 77 Lebensjahre habe er geraucht, nachdem er die Gewohnheit im Alter von zwölf Jahren von seinem Vater übernommen habe, erzählt er. "Und bislang bin ich das Laster auch nicht losgeworden."


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