Doping US-Rennfahrer belastet Rasmussen

Neue Vorwürfe bringen den Tour-de-France-Führenden Michael Rasmussen immer mehr in Bedrängnis: Rasmussen habe ihm 2002 Infusionsbeutel mit menschlichem Blutersatz zum Schmuggeln untergeschoben, sagte ein US-Radsportkollege.

Ein ehemaliger US-Radsportamateur hat dem dänischen Tour-de-France-Spitzenreiter Michael Rasmussen vorgeworfen, er habe ihn vor fünf Jahren als Kurier für den Schmuggel von Doping-Mitteln benutzen wollen. Whitney Richards sagte, Rasmussen habe ihn gebeten, eine Schachtel mit Radsportschuhen im März 2002 nach Italien mitzubringen. Als er die Schachtel geöffnet habe, habe er 14 Infusionsbeutel mit menschlichem Blutersatz entdeckt. Er habe sie in den Abfluss geschüttet.

Der 31-jährige Richards sagte, er mache dies öffentlich, weil Rasmussen den Radsportfans versprochen habe, dass sie ihm vertrauen könnten. Bei einer Pressekonferenz auf die Vorwürfe angesprochen sagte Rasmussen, er kenne Richards’ Namen. Mehr wollte er nicht sagen. Richards bezeichnete Rasmussen als "sehr netten Kerl". "Das ist, was mir an der ganzen Sache stinkt. Er ist ein wirklich talentierter Athlet und ein superkluger Bursche. Er ist kein Monster. Nur hat er eine schlechte Entscheidung getroffen - und mich dann hineingezogen."

Richards sagte weiter, es tue ihm um Rasmussen, den Radsport und die Tour leid, aber er wisse in seinem Herzen, das er das Richtige getan habe, indem er mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit geht. Seine Vorwürfe kamen einen Tag, nachdem Rasmussen aus der dänischen Nationalmannschaft ausgeschlossen wurde, weil er seinen Aufenthaltsort für unangekündigte Doping-Tests nicht bekannt gegeben habe.

"Ich werde das für niemanden durch den Zoll tragen"

Richards sagte, der Däne und er seien bei den Vorbereitungen auf die Mountainbike-Weltmeisterschaft in Vail 2001 Freunde geworden. Rasmussen habe sich von Italien gemeldet und gebeten, ihm ein Paar Radsportschuhe mitzubringen, die er vergessen habe. Richards sei damals dabei gewesen, mit seiner Verlobten nach Italien zu ziehen.

Er wisse nicht mehr, wie ihm die Schachtel nach Boulder gebracht worden sei. Beim Packen habe die Schachtel nicht in seine Koffer gepasst und deshalb habe er beschlossen, sie herauszunehmen. Dabei habe er die Infusionsbeutel mit der Aufschrift "Biopure" gefunden. Er habe eine befreundete Ärztin, Taro Smith, befragt und zusammen sei man zu dem Schluss gekommen, dass es sich um einen auf Hämoglobin basierenden Sauerstoffträger handelt, der als "Hemopure" bekannt sei. Das Mittel ist nach den Welt-Doping-Regeln verboten. Er habe dann zur Schere gegriffen und den Blutersatz in den Abfluss geschüttet. Er habe sich gesagt: "Ich werde das für niemanden durch den Zoll tragen."

Smith bestätigte Richards’ Darstellung der amerikanischen Fachzeitschrift "VeloNews", die auch zuerst über die Vorwürfe des Amerikaners berichtete. Richards sagte, er habe die US-Behörden nicht über seinen Fund unterrichtet, weil er am nächsten Tag abgereist sei. Rasmussen sei sehr wütend geworden, als er erfahren habe, was er mit den Infusionsbeuteln gemacht habe. Seitdem hätten sie nicht mehr miteinander gesprochen. Er habe Jahre mit sich wegen dieser Geschichte gerungen, sagte Richards. "Es ist so, als ob man zusieht, wie jemand das Auto des Nachbarn stiehlt und nichts sagt. Ich habe gemischte Gefühle. Ich will kein Chaos hervorrufen - aber ich bereue nichts."

Arnie Stapleton/AP AP

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