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Lockerungen des Corona-Lockdowns Handwerk und Reisebranche sind nach Corona-Gipfel bitter enttäuscht

Eine Frau mit Sonnenbrille trägt eine Maske mit der Aufschrift "I love Reisebüro"
"I love Reisebüro" steht bei einer Protestaktion gegen die prekäre wirtschaftliche Lage von Touristikunternehmen auf der Mund- und Nasemaske einer Frau. Diese Aktion fand bereits im vergangenen Juni statt, die Lage hat sich für die Branche nicht gebessert.
© Christoph Soeder / DPA
Nach dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern dürfen demnächst Buchhandlungen, Blumengeschäfte und Gartencenter wieder öffnen. Das Handwerk und die Reisebranche jedoch gehen erstmal leer aus. Die Enttäuschung ist groß. 

Die beim Corona-Gipfel beschlossenen Lockerungen stoßen in Teilen der deutschen Wirtschaft auf herbe Enttäuschung. Das Handwerk und die Reisebranche kritisierten die Pläne als nicht ausreichend. "Die Beschlüsse bringen für viele unserer von Schließungen betroffenen Betriebe nicht die erhoffte Öffnungsoption schon in nächster Zeit", sagte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, am Donnerstag in Berlin.

Um ein Sterben der Betriebe auf breiter Front zu verhindern, müsse wirtschaftliches Leben schnellstens wieder ermöglicht werden, wo immer das epidemiologisch vertretbar sei. Der Handwerkspräsident kritisierte, es wäre beim Corona-Gipfel deutlich mehr drin gewesen, "als einen Öffnungsfahrplan mit einer angezogenen Handbremse zu präsentieren".

Kritik an zu wenigen Tests und schleppender Impfung gegen das Coronavirus

Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) zeigte sich enttäuscht. DRV-Präsident Norbert Fiebig sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, es sei "inakzeptabel, dass wir aufgrund des Fehlen von Tests und des viel zu langsamen Impfprozesses gezwungen werden, weitere Monate im Lockdown zu verharren". Fiebig forderte die Politik auf, ihre Appelle zum Reiseverzicht zu beenden.

Insbesondere die Quarantäne bei der Rückkehr nach Deutschland schrecke Urlaubsfreudige ab. "Hier brauchen wir unbedingt Wege, um mit einem negativen Corona-Testergebnis eine drohende Quarantäne auszuhebeln – mehr Tests helfen hier definitiv", sagte Fiebig.

Nach den Beschlüssen des Corona-Gipfels wird ein kleiner Teil der deutschen Wirtschaft nächste Woche wieder vorsichtig hochgefahren. Dazu gehören Buchhandlungen, Blumengeschäfte und Gartencenter. 

"Impfen, Testen, Notbremse" - Sehen Sie die PK zum Corona-Gipfel in voller Länge

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zeigte sich nach dem stundenlangen Bund-Länder-Gipfel dagegen zufrieden. Er sehe in den Beschlüssen "für einige Bereiche sehr große Schritte". Er glaube, dass die Lockerungen belastbar seien, ohne dabei euphorisch zu sein, sagte Söder in der Nacht zum Donnerstag im Anschluss an die Gespräche. Er habe schon Sorgen und Bedenken, "es ist nicht vorbei". Dennoch glaube er, dass die richtige Balance gefunden wurde.

Markus Söder spricht von einem Monat des Übergangs

Der CSU-Vorsitzende nannte den gerade begonnenen März dabei einen Monat des Übergangs. "Es kann sich zum Guten, aber auch zum Schlechten entwickeln." Eine besondere Bedeutung gab er dem Impfen, das "Wunder" bewirken könne. "Wir verimpfen alles, was geht." Deshalb sei so wichtig, dass nun auch die Hausärzte mit einbezogen würden. Damit gebe es statt einer starren Impfbürokratie mehr Flexibilität.

anb AFP

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