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Bauen und Wohnen: Wer steckt hinter Immobilien-Scout24?

Vor 12 Jahren hatte Arndt Kwiatkowski die Idee seines Lebens: Immobiliensuche per Internet. Heute werden 80 Prozent aller Wohnungen so vermittelt - und er ist Umsatz-Millionär

Von Anja Lösel

Jeans, Pullover, Jungsgesicht: So also sieht der Chef eines der erfolgreichsten Internetunternehmen Deutschlands aus. Arndt Kwiatkowski, 45, gibt den lässigen Kumpel, holt selbst den Kaffee für seinen Gast und empfängt in einem Büro, das jedem anderen Boss zu klein und zu unpersönlich wäre. Repräsentieren? Er sagt: "Ich brauche keine Show. Das Tolle ist doch, dass wir mit allem, was wir tun, im Netz sind, und jeder es sehen kann."

Immobilien-Scout24 heißt Kwiatkowskis Erfolgsmodell. 53 Millionen Euro Umsatz macht er damit, Tendenz steigend. Inzwischen nutzen mehr als 80 Prozent der Wohnungssuchenden die Internetbörse mit ihren 1,2 Millionen Angeboten im Monat.

Niemand kann sich heute mehr das Misstrauen vorstellen, das Kwiatkowski und seinem Freund Joachim Schoss vor zwölf Jahren entgegenschlug. Häuser und Wohnungen übers Internet vermieten und verkaufen? Blödsinn! Dabei hatte doch jeder schon mal erlebt, wie ätzend Wohnungssuche sein kann. Was in der Zeitung paradiesisch klang, stellte sich bei der Besichtigung oft als fiese Mogelpackung mit Verkehrslärm und Gammelbad heraus. Da musste sich was ändern.

Anfängliches Misstrauen

Mit zehn Leuten fingen sie in Berlin an. Betriebswirt Kwiatkowski hatte zuvor Erfahrungen bei Siemens-Nixdorf und verschiedenen Beratungsfirmen gesammelt. 1996 entdeckte er die Möglichkeiten des Internets - und hatte die Idee seines Lebens. Die Immobilienmakler waren misstrauisch und boykottierten das Portal. Aber viele private Anbieter zogen mit und stellten ihre Objekte mit Fotos und detaillierter Beschreibung im Netz vor. Bequem am Schreibtisch konnten die Wohnungssuchenden die Angebote sichten.

Das Problem: Noch hatten nur wenige Menschen in Deutschland einen Internetanschluss. Der bundesweite Durchbruch kam erst 2000 mit "Big Brother". Weil zunächst niemand in der umstrittenen Fernsehsendung werben wollte, gab es günstige Konditionen. Immo-Scout24 wagte eine große Kampagne mit dem Slogan: "Einziehen statt losheulen." Ein Riesenerfolg.

Heute hat Kwiatkowski mehr als 300 Mitarbeiter. 20 Prozent aller Immobilien laufen über ImmoScout. Ladenhüter? "Gibt es nicht. Manche Liebhaberstücke warten nur etwas länger auf den richtigen Käufer. Aber am Ende passt auf jeden Topf ein Deckel."

Inzwischen bietet er alles an, was "die nervige Situation Umzug erleichtert": von der Finanzierung übers Transportunternehmen bis zur Handwerker-Adresse. Jüngstes Kind der Familie: "Meine Nachbarschaft". Wer umzieht, kann sich dort über die neue Gegend informieren. Wo ist das beste Kaffeehaus? Welcher Park ist der schönste? Und welcher Kindergarten hat noch einen Platz frei? "Das entwickelt sich gerade zu einer richtigen Community", sagt Kwiatkowski. Noch klappt nicht alles perfekt. Vieles ist unübersichtlich und ungeordnet, aber "wir arbeiten heftig dran".

Teil einer Scout-Familie

Zudem ist der Immobilien-Scout Teil der großen Scout-Familie, die Hilfe für fast alle Lebenslagen anbietet. Da gibt es AutoScout, FriendScout, TravelScout, MotoScout, JobScout und FinanceScout. Wenn einer beim Autokauf im Netz gute Erfahrungen gemacht hat, dann will er vielleicht auch eine Reise per Internet buchen, einen Job oder eine Wohnung suchen.

Immer wieder gibt es außerdem nette Sonderaktionen wie "WMzimmer2006". 17 000 private Unterkünfte für Fußballfans konnte ImmoScout zur Weltmeisterschaft anbieten. Das nächste Projekt ist ein Ummeldeportal mit Behörden-Guide. Weiter, immer weiter muss es gehen, bloß kein Stillstand.

Nur einmal wurde Arndt Kwiatkowskis Zuversicht erschüttert. Noch heute kippt seine Stimme, wenn er von dem Schicksalsschlag erzählt, der seinen Gründungspartner Joachim Schoss traf. Der verlor 2002 bei einem schweren Motorradunfall ein Bein und einen Arm. Kaum jemand glaubte, dass er jemals wieder arbeiten würde. Aber Schoss schaffte einen Neuanfang und gründete das Internetportal "Myhandicap" für alle, die mit einer Behinderung fertig werden müssen.

"Für mich ist daraus eine zusätzliche Portion Zuversicht entstanden", sagt Kwiatkowski. "Es war sehr berührend, mit welcher Kraft Joachim aus diesem Unfall herausgekommen ist und sein Leben wieder neu aufgebaut und gestaltet hat."

Daraus zieht auch Arndt Kwiatkowski Energie für sein aufreibendes Leben. Schon seit Jahren ist er eine Art Luxus-Pendler. Seine Frau und die vier Kinder leben in Hamburg, er arbeitet in Berlin. Die Wohnung nahe den Hackeschen Höfen fand er natürlich per Immobilien-Scout 24. "Hier in Berlin-Mitte ist es lebendig, und ich bekomme noch was Gutes zu essen, wenn ich spätabends aus dem Büro komme." Dann trifft er Freunde zum Reden, Planen, Weiterdenken. "Den Status des Nichtarbeitens gibt es bei mir nicht."

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