HOME

Deutsche Annington fusioniert mit Gagfah: "Wenn es gut läuft, bleibt es gleich schlecht"

Mit der Übernahme der Gagfah durch die Deutsche Annington entsteht ein Mega-Wohnungskonzern. Der Deutsche Mieterbund sieht das kritisch, denn besseren Service können Mieter nicht erwarten.

Mit der Übernahme der Gagfah durch die Deutsche Annington entsteht ein Mega-Mietkonzern. Eine Million Mieter hat das fusionierte Unternehmen dann.

Mit der Übernahme der Gagfah durch die Deutsche Annington entsteht ein Mega-Mietkonzern. Eine Million Mieter hat das fusionierte Unternehmen dann.

Es ist ein Paukenschlag für die Wohnungswirtschaft. Aber vor allem trifft die Nachricht die rund eine Millionen Mieter. Deutschlands größter Vermieter, die Deutsche Annington, will die Gagfah für knapp vier Milliarden Euro übernehmen. Zusammen verwalten die Unternehmen über 350.000 Wohnungen mit einem Marktwert von 21 Milliarden Euro. Ein Monster-Mietriese entsteht. Das macht vor allem Mietrechtsanwälten Sorgen. Denn beide Unternehmen standen wegen zu schleppender und unterfinanzierter Instandhaltung und miesem Kundenservice immer wieder in der Kritik. Der Deutsche Mieterbund sieht die Verschmelzung skeptisch. "Das ist heute kein Tag, der eine Verbesserung für die Mieter der Gagfah und der Deutschen Annington mit sich bringen wird", sagt Rolf Bosse, Rechtsexperte beim deutschen Mieterbund in Hamburg dem stern. Er fürchtet, dass es ein Chaos bei den Ansprechpartnern geben wird.

Zwei Konzerne, eine Strategie

"So eine Fusion braucht Manpower, um die Bereiche der Unternehmen zu verschmelzen", sagt Bosse. Doch diese Mitarbeiter, die dann interne Vorgänge zusammenbringen sollen, würden Ansprechpartner der Mieter fehlen. Die Gagfah sei dann nur noch mit sich selbst beschäftigt.

Das größte Problem ist für ihn aber die ähnliche Ausrichtung der Konzerne, die Bosse schon seit Jahren scharf kritisiert. "Hier tun sich zwei Unternehmen zusammen, die eine sehr ähnliche Strategie fahren", so Bosse. Hinter beiden Unternehmen stehen Finanzinvestoren, beide Konzerne sind an der Börse notiert - und der Renditedruck ist für beide Akteure am Markt enorm. Der stern hatte im August 2014 bereits über den schlechten Zustand der Annington-Wohnungen berichtet. Schon damals recherchierte ein Reporter-Team die Missstände: Dem Unternehmen gehe es vor allem um satte Gewinne - und weniger um die Instandsetzung maroder Wohnungen.

Das bestätigt auch Bosse. Beide Unternehmen hätten in der Vergangenheit viel zu wenig für die Instandhaltung ausgegeben. Die Beträge pro Quadratmeter seien viel zu niedrig gewesen. Zwar wurden diese Beträge nun leicht erhöht. Eine vernünftige Modernisierung von Wohnungen der Deutschen Annington erwarte Bosse allerdings nicht. Er fürchtet, dass der neue Mega-Konzern eine erdrückende Markmacht haben wird. Vorteile für den Mieter sieht er nicht: "Wenn's gut läuft, bleibt es gleich schlecht", so Bosse. Dass künftig Mängel schneller beseitigt werden, glaubt er nicht.

kg