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Mieter berichten ihre Horrorgeschichten: Schimmelpilz und Kabelbrand zu vermieten

Nach dem Miethai-Artikel des stern haben uns Leser ihre Erfahrungen geschildert: Wände schimmeln, und durch alte Leitungen droht Lebensgefahr. Manchmal sind aber auch die Mieter das Problem.

Sie hatten sich so gefreut. Endlich eine richtige, eigene Wohnung. Nicht mehr das kleine 1,5-Zimmer-Nest, sondern eine große Wohnung im Grünen, unweit des Flüsschens Emscher in Castrop-Rauxel. Dass noch einiges an der Wohnung gemacht werden musste, war dem jungen Paar klar. Sie nahmen sich Urlaub und renovierten zwei Wochen. Dann kam der Schock: Der Kücheninstallateur entdeckte die völlig maroden Leitungen - und warnte die beiden vor Kabelbrand. Der Vermieter erklärte hingegen, dass keine Gefahr bestünde. Alles sei in Ordnung. Also bastelt das Pärchen weiter: Tapezieren, streichen, verputzen und ein neuer Fußboden. Als sie endlich fertig wurden, kam der Anruf des Vermieters: Es bestehe in der Wohnung akute Brandgefahr, sie müssten unverzüglich ausziehen. Der Name des Vermieters: Die Deutsche Annington.

Deutschlands größter Vermieter

Kein anderes Unternehmen in Deutschland vermietet so viele Wohnungen wie die Deutsche Annington. Der Mietkonzern betreibt ein gnadenloses Geschäft mit dem Wohnen. Der stern hat über diese Machenschaften berichtet - und rief seine Leser auf, die eigenen Erlebnisse mit Horrorvermietern zu schildern. Die Geschichten über schimmelnde Wände, undichte Dächer und fragwürdige Kündigungen sind erschütternd und zeigen: Die Mieter der Deutschen Annington teilen häufig ihre Sorgen. Doch auch andere Vermieter nutzen gesetzliche Spielräume und lassen die Wohnungen verkommen, um die bestmögliche Rendite aus den Häusern zu erzielen.

Bloß nicht investieren

Ein werdender Vater aus Glücksburg erlebt derzeit den Super-Gau: Schimmel an den Schlafzimmer-Wänden. Seinem Vermieter, der Deutschen Annington, hatte er gleich Bescheid gegeben, auf eine Antwort musste er wochenlang warten. Jetzt sorgt er sich um die Gesundheit seiner schwangeren Frau. "Die Annington sind für mich wie Vampire", schreibt er. Ein anderer Leser teilt seine Einschätzung: "Ein unmöglicher Verein mit Mafiamethoden." Vor allem die mangelnde Investitionsbereitschaft kritisieren die Leser in ihren Zuschriften.

Eine Leserin wohnt in einer Wohnung der Deutschen Annington in Düsseldorf. Der Wohnblock, in dem sie lebt, ist bewohnt durch Mieter und auch Besitzern von Eigentumswohnungen. Bei sämtlichen Eigentümerversammlungen, bei denen auch die Deutsche Annington einen Mitarbeiter hinschickt, werden von dem Wohnungsunternehmen Investitionen immer wieder abgeschmettert. Selbst Risse im Mauerwerk zu stopfen, war dem Unternehmen zu teuer, so die Leserin. Sie sagt: "Die Deutsche Annington ist ein schönes Beispiel für Profitgier und Servicewüste, denn als Mieter und somit auch als Kunde ist man bloß ein notwendiges Übel."

Doch nicht nur die Deutsche Annington macht den stern-Lesern das Leben schwer - auch mit kleineren Wohnungsunternehmen oder privaten Vermietern gibt es immer wieder Probleme. "Meiner Ansicht nach muss es definitiv aufhören, dass jeder Wohnungen vermieten kann, der Lust und Laune dazu hat", schreibt ein Leser. Er hat kein gutes Verhältnis zu seiner Vermieterin. Und schlägt vor: "Vermieter sollten, bevor sie Objekte vermieten dürfen, Kurse belegen."

Vermüllte Wohnungen, keine Miete

Aber nicht nur unzufriedene Mieter haben ihre Eindrücke geschildert - auch Vermieter müssen mitunter starke Nerven haben. So schreibt ein Leser, dass Vermieter "mit unglaublichen Dreistigkeiten leben müssen". Wohnungen würden vermüllt, die Miete nicht bezahlt. "Das ist Alltag", schreibt der Leser. Mieter würden wegen tropfender Wasserhähne oder wegen kleinerer Reparaturen vor Gericht ziehen.

Das junge Paar aus Castrop-Rauxel musste am Ende zusehen, wie in der frisch renovierten Wohnung Wände aufgerissen wurden, um neue Leitungen zu legen. "Mittlerweile sind wir nervlich so am Ende, dass wir am liebsten wieder ausziehen möchten", sagt sie. "Doch wir haben so viel Geld und Zeit in diese Wohnung gesteckt, dass es nicht möglich ist."

Katharina Grimm