Hauseigentümer Könnten Sie's als Geschenk einpacken?


Wie lange die Erbschaftssteuer bei Häusern nur gemäßigt zuschlägt, ist unsicher. Wer möchte, dass das Haus kostengünstig in der Familie bleibt, kann aber vorsorgen - und stückchenweise verschenken.

Das Erben von Immobilien wird aller Voraussicht nach im kommenden Jahr deutlich teurer. Ein Wegfall der bislang günstigen Steuerregelung könnte schon in der ersten Hälfte 2004 auf den Weg gebracht werden, wie Fachleute erwarten. Für Erben heißt das: Müssen sie heute im Schnitt nur auf etwa die Hälfte des tatsächlichen Immobilienwertes Erbschaftssteuern zahlen, würde bald der volle Satz fällig. "Wer in nächster Zeit noch Vermögen weitergibt, kann drastische Erhöhungen umgehen", rät Wolfgang Kastner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Erbrechtskunde in Bonn, zum Handeln.

"Lieber an die Kinder als an den Staat" - dieses Motto gilt bald nicht mehr nur für Bürger mit viel Immobilienbesitz, ist der Jurist überzeugt. "Insbesondere der Mittelstand wird die Veränderungen zu spüren kriegen und über Schenkungen nachdenken müssen", betont er. Wer seinen Nachkommen hohe Steuerlasten ersparen und dem Fiskus ein Schnippchen schlagen will, ist gut beraten, die derzeit günstige Situation auszuschöpfen - am besten noch in den kommenden Wochen, solange die Gesetzeslage noch beim Alten ist.

Informieren und handeln

Auch Jan Bittler, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge e.V.(DVEV), empfiehlt: "Wer ein hochpreisiges Haus besitzt oder mindestens zwei Objekte sein Eigen nennt, gewerblich genutzte und vermietete Immobilien hat, sollte sich zumindest informieren und wenn nötig bald handeln."

Der legale Kniff, den Fiskus ums Miterben zu bringen, ist die Schenkung. Dabei können die geltenden Freibeträge der Erben ausgenutzt werden. Und weil Schenkungen alle zehn Jahre aufs Neue gemacht werden können, gelten auch wieder die Freibeträge. Ehegatten haben 307.000 Euro frei, Kinder 205.000 Euro, entfernte Angehörige deutlich weniger. Zudem können engste Verwandte von kleinen Steuersätzen profitieren.

Schenkungsfreibeträge nutzen

Ein Beispiel: Überträgt ein Vater seinem Sohn das elterliche Einfamilienhaus im begünstigten Steuerwert von 200.000 Euro, geht der Staat leer aus. Schenkt er ihm elf Jahre später nochmals ein Vermögen, kann wieder der Freibetrag von maximal 205.000 Euro genutzt werden, wie Kastner erläutert. Der Spielraum wäre kleiner, würde der Steuerwert einer Immobilie im Schnitt nahezu verdoppelt. Die jetzigen Freibeträge wären in vielen Fällen schneller erschöpft.

Mit einer Schenkung können grundsätzlich im Lauf der Jahre erhebliche Vermögenswerte steuerfrei übertragen werden, ohne dass der Übergeber Ansprüche aufgibt, wie Bittler betont. Furcht davor, plötzlich ohne Sicherheit dazustehen, muss niemand haben, der sich ausreichend beraten lässt. Verschenkt eine Mutter ein Haus an ihre Kinder, kann sie beispielsweise vereinbaren, dass sie lebenslanges Wohnrecht oder die Einnahmen aus der Vermietung behält, dass sie womöglich im Alter gepflegt wird. Oder sie behält sich die Rückforderung des Anwesens für den Fall vor, dass der Beschenkte pleite geht. Sind solche Rechte im Grundbuch eingetragen, wird auch ein heimlicher Verkauf ohne Zustimmung der Schenkenden unmöglich, betont Bittler.

Verstoß gegen Gleichheitsgrundsatz?

Bisher musste sich eine Durchschnittsfamilie nicht allzu viele Gedanken um Steuersparmodelle machen: In der Regel reichen die persönlichen Freibeträge des Ehepartners oder der Kinder aus, um ein Häuschen plus Bar- oder Wertpapiervermögen steuerfrei weiterzugeben. Das könnte sich ab 2004 ändern. Können zurzeit noch Objekte im tatsächlichen Verkehrswert von bis zu 400.000 Euro steuerfrei an ein Kind vererbt werden, könnte demnächst dafür eine Erbschaftssteuer von rund 21.450 Euro zu berappen sein, wie Kastner vorrechnet.

Pläne für ein neues Erbschaftsrecht hat nicht nur die Bundesregierung. Immerhin kassiert der Staat jedes Jahr rund drei Milliarden Euro Erbschaftssteuern. Bei einem Großteil der Nachlässe sind Immobilien im Spiel. Druck macht auch der Bundesfinanzhof. Schon im August 2002 hatten die Richter das Ungleichgewicht bei der Bewertung von Vermögen kritisiert. Während Bargeld, Wertpapiere und alles andere Vermögen zu 100 Prozent versteuert werden müssen, werden Immobilien eben oft nur mit etwa der Hälfte ihres Verkehrswertes angesetzt.

Anders gesagt: Wer ein Häuschen, eine Eigentumswohnung oder Firma erbt oder geschenkt bekommt, zahlt weniger Steuern als der, der den Wert in Bargeld kriegt. Ein klarer Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz - so sieht es der Bundesfinanzhof. Damit die Ungleichbehandlung ein Ende hat, riefen die Münchner Richter das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe an. Fachleute gehen davon aus, dass die jetzige Regelung kippt.

Berrit Gräber DPA

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