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Aufnahmetests an Universitäten: So kriegen Sie Ihren Studienplatz

Vielen Universitäten reicht das Abitur alleine schon lange nicht mehr. Es gibt zusätzliche Hürden. Hier finden Sie Tipps, wie Sie sich am besten auf die Tests und Aufnahmegespräche an ihren bevorzugten Hochschulen vorbereiten - und so Ihren gewünschten Studienplatz erhalten.

Von Nikola Sellmair

Völlig unvorbereitet und in Jeans und Pulli ging die Abiturientin Jennifer zu ihrem Aufnahmegespräch für das Fach Biologie auf Lehramt an der Universität Hohenheim. "Meine Stimme zitterte, meine Hände waren pfützig. Ich hatte Ehrfurcht - das erste Mal an der Uni, das erste Mal Auge in Auge mit den Professoren. Ich fragte mich: Gehör ich da überhaupt dazu?" Jennifer hatte keine Ahnung, was die Professoren von ihr erwarteten.

Wo früher allein Abiturnote und Wartezeit entschieden, steht inzwischen vor knapp jedem zweiten Studiengang ein Auswahlverfahren. Universitäten und Fachhochschulen dürfen jetzt 60 Prozent ihrer Studenten selbst auswählen. Mal sind es Aufnahmegespräche wie bei Jennifer Cesario, mal Tests über Intelligenz und Allgemeinwissen, auch den 1997 abgeschafften Medizinertest gibt es an vielen Fakultäten wieder - jede Uni kocht ihr eigenes Süppchen, das Chaos ist perfekt.

Immer höhere Erwartungen

Die Bewerbung an Hochschulen wird der bei Unternehmen immer ähnlicher. Viele Fakultäten fordern Motivationsschreiben und Angaben zu Jobs und Praktika. Im Fach Anglistik an der Uni Mannheim etwa werden Praktika und Auslandsaufenthalte mit Bonuspunkten belohnt. Professorin Rosemarie Tracy findet die Bewertung von Lebensläufen nicht einfach: "Was ist toller - ein Jahr als Au-pair in England oder ein Schuljahr in Australien?"

Der Druck auf Abiturienten nimmt zu, sagt Tracy: "Sie sollen nicht nur gute Noten haben, sondern neben der Schule noch Praktika machen, ins Ausland gehen, sich sozial engagieren und brillante Essays für ihre Wunsch-Uni schreiben."

Keine übertriebenen Motivationsschreiben

In den USA, wo Aufnahmeverfahren an den Unis seit Langem üblich sind, ist ein ganzer Dienstleistungszweig entstanden: "College Counselors" beraten Schüler, raten zu Hilfsdiensten in Obdachlosenheimen, weil sich das im Lebenslauf gut macht, und verfas-sen Bewerbungsessays. Rosemarie Tracy hofft, dass es in Deutschland nicht so weit kommen wird. Sie überprüft das Verfahren für Anglistik regelmäßig: "Bei uns gibt es mittlerweile für Auslandsaufenthalte weniger Punkte, weil sich das viele nicht leisten können. Wir wollen nicht die Kinder Wohlhabender bevorzugen."

Für Motivationsschreiben, die einige Unis verlangen, gilt dasselbe wie für Bewerbungen bei Unternehmen: Schlicht, knapp, präzise sollte der Text sein. Auf Phrasen wie "dynamisch", "hochmotiviert", "internationaler Einsatz", "Teamarbeit" reagieren nicht nur Personaler allergisch, auch bei Professoren kommt das nicht gut an. Niemand will einen Bewerber, der sich selbst inszeniert wie ein Theaterstück. Lieber in einfachen, ehrlichen Sätzen aufschreiben, was genau man warum gemacht hat. Minuspunkte gibt es für peinliche Fotos im Internet: Ausländische Unis wie Oxford oder Harvard recherchieren im Internet, bevor sie Studienplätze vergeben.

Üben, aber richtig

Im Trend liegen auch computergestützte Tests. Als "Testpapst" in Deutschland gilt der Psychologe Günter Trost. Er hat den Medizinertest mitentwickelt, außerdem die Eingangsprüfungen für Juristen an der Hamburger Bucerius Law School und für wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge an Fachhochschulen in Baden-Württemberg. Er warnt davor, einfach irgendeinen "Testknacker" zu lesen, eines der vielen Bücher, die mit Beispielaufgaben fit machen wollen für den Prüfungsparcours. "Testknacker sind gefährlich", sagt Trost, "In vielen Testknackern werden Aufgaben nachlässig nachempfunden, die Machart entspricht häufig nicht dem Original. So übt man eventuell falsche Lösungswege ein."

Trotzdem ist es sinnvoll, sich vorher an bestimmte Aufgabentypen zu gewöhnen. Zum Beispiel muss man bei einigen Tests unter Zeitdruck aus einem Riesensalat von Buchstaben alle Ms und Ns nebeneinander raussuchen oder eine Rechenaufgabe nach der anderen lösen. Von einigen Tests gibt es ältere Versionen im Internet oder als Buch. Teure Seminare zur Vorbereitung auf seinen Medizinertest lehnt Günter Trost ab. "Man bezahlt mehrere Hundert Euro, dafür versprechen manche Veranstalter: Damit bestehst du den Test auf jeden Fall. Das ist unseriös."

Bei Jennifer, der Bewerberin an der Uni Hohenheim, legte sich die Aufregung sofort, als sie merkte, wie "locker und lustig" die Professoren waren. Sie legten ihr einen Artikel über Hautkrebs vor und ließen sie den Inhalt zusammenfassen. Außerdem fragten sie, wie Jennifer später als Lehrerin den heftigen Streit zweier Schüler schlichten würde. "Das war kein Problem. Ich bin jemand, der gern spontan auf Fragen reagiert", sagt sie.

Jennifer hat ihren Studienplatz in Hohenheim bekommen.